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Vielseitigkeit

Medaillenregen für deutsche Reiter

Nach einem spannenden Wimpernschlagfinale gewinnt die deutsche Mannschaft Gold bei den Longines FEI Eventing European Championships. Durch eine fehlerfreie Runde… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
02.09.2019 5 min lesen
Fotografien von Adrian Fohl.

Nach einem spannenden Wimpernschlagfinale gewinnt die deutsche Mannschaft Gold bei den Longines FEI Eventing European Championships. Durch eine fehlerfreie Runde sicherte sich die deutsche Titelverteidigerin Ingrid Klimke die Einzelgoldmedaille und schob sich damit vor ihren Teamkollegen Michael Jung, der nach einem Springfehler Silber gewann. Bronze ging an Cathal Daniels aus Irland.

Alle 54 zum Springen angetretenen Championatsreiter boten dem Luhmühlener Publikum auf den ausverkauften Tribünen einen spannenden Finaltag. Durch die traditionell umgekehrte Reihenfolge stieg die Spannung auf dem Luhmühlener Turnierplatz mit jedem Ritt weiter an. Als die letzten Teilnehmer an den Start des abschließenden Springens gingen, herrschte absolute Stille im Publikum.

Fotografien von Adrian Fohl.

Letztendlich war es Reitmeisterin Ingrid Klimke, die mit SAP Hale Bob OLD ihr Dressurergebnis nach Hause bringen konnte. Dank ihres Nullfehlerrittes schob sich die nach Gelände noch auf Silberkurs liegende Deutsche an die Spitze des Feldes und gewann mit -22,90 Punkten Einzelgold: „Ich bin überglücklich und dankbar, dass mein Springtrainer Kurt Gravemeier heute für mich angereist ist. Dadurch, dass er mit mir abgesprungen ist, habe ich unheimlich viel Sicherheit bekommen und konnte diese mit in den Parcours nehmen. „Bobby“ sprang total super und ich kann es noch gar nicht richtig fassen, das zweite Mal hintereinander Gold gewonnen zu haben.“

Ein ärgerlicher Hindernisfehler an Sprung 10B kosteten Michael Jung und fischerChipmunk FRH bei ihrem ersten gemeinsamen Championat die Einzel- Goldmedaille. Mit -24,90 Punkten sicherte er sich eine glänzende Silbermedaille, die auf zukünftige Championate hoffen lässt: „Natürlich bin ich enttäuscht und ärgere ich mich über den Fehler, aber dennoch freue ich mich über die Leistung von fischerChipmunk FRH während der ganzen Woche hier in Luhmühlen. Er war super drauf und ist in allen drei Teildisziplinen toll gegangen, das lässt für die Zukunft hoffen. Zuhause werden wir noch etwas an den Feinheiten arbeiten und dann kann die nächste Saison kommen.“

Der erst 22-jährige Ire Cathal Daniels konnte sich mit seinem Pferd Rioghan Rua, mit dem er bereits als Junger Reiter erfolgreich unterwegs war, nach einer fehlerfreien Runde auf Rang drei in der Einzelwertung vorarbeiten. Nach der Dressur noch auf Rang 13 liegend, konnte Daniels mit zwei fehlerfreien Runden sein Dressurergebnis über alle drei Teilprüfungen halten und sich mit -29,0 Punkten und einem strahlenden Lächeln die Bronzemedaille umhängen lassen.: „Ich bin so unglaublich glücklich über unser Ergebnis und hätte nach der Dressur nicht mit einer Einzelmedaille hier in Luhmühlen gerechnet. Wahnsinn was für eine Atmosphäre hier herrschte, das war für die Pferde manchmal ziemlich elektrisierend“, so die ersten Worte des noch jungen Reiters, der 2018 in Tryon bereits Teamsilber gewann.

Als beste deutsche Einzelreiterin beendete Sandra Auffahrt mit Viamant du Matz die Europameisterschaft mit ihrem Dressurergebnis von -31,70 Punkten auf Platz 11 knapp außerhalb der Top 10. Die Reiterin aus Ganderkesee freute sich über die Entwicklung ihres noch recht unerfahrenen Pferdes und blickt hoffnungsvoll in die Zukunft: „Wir haben uns im Vergleich zum letzten Jahr deutlich verbessern können, auch in der Dressur geht es in die richtige Richtung. Im Gelände hat er einfach eine tolle Einstellung und hat gestern richtig für uns gekämpft“.

Fotografien von Adrian Fohl.

Nach den hervorragenden Einzelleistungen aller vier deutschen Teamreiter, konnten diese ihre Führung nach der Dressur von Teilprüfung zu Teilprüfung sogar noch weiter ausbauen. Das Team bestehend aus Ingrid Klimke, Michael Jung, Andreas Dibowski und Kai Rüder gewann mit einem komfortablen Vorsprung (- 82,50) vor heimischer Kulisse die Goldmedaille vor den Teams aus Großbritannien (- 104,80) und Schweden (-105,10). Bis zu den letzten Teamreitern blieb es bei der Vergabe der Silber- und Bronzemedaille in der Teamwertung hoch spannend. Die Ergebnisse der letzten Reiter waren entscheidend, welche der Nationen Großbritannien, Frankreich und Schweden am Ende eine Mannschaftsmedaille um den Hals tragen durften. Bevor die Reiter mit ihren Pferden in der abschließenden Springprüfung an den Start gehen durften, mussten sie in der morgendlichen Verfassungsprüfung das „accepted“ der Ground Jury bekommen. Zum Verhängnis wurde dies unter anderem dem französischen Team, das dadurch etwas geschwächt wurde: Alexis Goury, französischer Teamreiter, zog sein Pferd Trompe l’Oeil d’Emery aus der Holding Box zurück. Damit konnten die Franzosen nur noch mit drei Teamreitern in der letzten Teilprüfung an den Start gehen und mussten auf ihr bisherigen Streichergebnis Karim Florent Laghouag zurückgreifen.

Bis auf Kristina Cook, die das Streichergebnis der Briten lieferte, mussten alle drei britischen Mannschaftsreiter einen Springfehler in Kauf nehmen. Da aber auch die anderen Teams keine komplett weiße Weste behielten, konnte sich das Team von Chris Bartle mit nur 0,3 Punkten Vorsprung vor Schweden die Silbermedaille sichern. Nachdem der letzte französische Teamreiter Thibaut Vallette, der bis zum Springen sowohl in der Einzel- als auch in der Mannschaftswertung noch auf dem Bronzerang lag, seinen Springparcours mit einem Abwurf beendet hatte, stand fest, dass Frankreich in diesem Jahr sowohl ohne Einzel- als auch ohne Mannschaftsmedaille die Heimreise antreten musste. Mit -107,80 Punkten rutschte das Team auf Rang vier. Stattdessen arbeitete sich das Team aus Schweden mit zwei blitzsauberen Runden durch Ludwig Svennerstal und Louise Romeike Stück für Stück nach vorn und war am Ende überglücklich über die Mannschaftsbronzemedaille, die zugleich die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokyo bedeutete. Neben Schweden konnte sich außerdem das Team aus Italien mit Platz Fünf (-119,60) einen Startplatz für Tokyo 2020 sichern.

Insgesamt etwa 44.000 Zuschauer besuchten das Championat und trugen durch ihre Begeisterung dazu bei, dass die Europameisterschaften vor einer championatswürdigen Kulisse ausgetragen werden konnten.

Allgemeine Informationen

Luhmühlen richtet seit über 60 Jahren große Vielseitigkeitsprüfungen aus – darunter fünf Europameisterschaften 1975, 1979, 1987, 1999 und 2011 und eine Weltmeisterschaft 1982.
Vom Weltverband des Reitsports (FEI) wurde Luhmühlen erneut ausgewählt, die Europameisterschaft im Vielseitigkeitsreiten 2019 auszurichten. Damit richtet Luhmühlen zum sechsten Mal eine Europameisterschaft aus und wird damit zu einem der meist genutzten Championatsstandorte. Die Europameisterschaften finden im vorolympischen Jahr statt. Als ausrichtende Nation darf Deutschland zwölf deutsche Reiter an den Start bringen.

Titel-Partner der Europameisterschaft ist Longines Watch Co. Francillon Ltd., St. Imier (Schweiz). Weitere Hauptsponsoren sind die Ostfriesische Tee Gesellschaft GmbH & Co. KG (Seevetal) mit der Marke Meßmer, COMFG Ltd., Wrexham (GBR) mit der Marke Charles Owen und die LVM Versicherung, Münster.

Die Schirmherrschaft übernimmt der Präsident des deutschen Olympischen Sportbundes Alfons Hörmann. Die Richtergruppe besteht aus Martin Plewa (Präsident), Anne-Mette Binder (DEN) und Peter Shaw (AUS). Technischer Delegierte des Weltverbandes, FEI ist Gert Naber (NED). Parcourschef Gelände ist Mike Etherington-Smith (GBR) und Parcourschef Springen ist Marco Behrens.

Gesamtpreisgeld EUR 100.000,- (davon EUR 70.000,- für die Einzelwertung und EUR 30.000,- für die an 1. – 3. Stelle platzierten Mannschaften)

Pressemitteilung

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Jaqueline Weidlich

Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut. -Henri Cartier-Bresson