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Turnierergebnisse, Vielseitigkeit

Gemma Tattersall gewinnt das Finale von Ligniéres und der unschlagbare Chris Burton wird Seriensieger!

Nach der Dressur, bei der die durchschnittliche Punktzahl so niedrig war wie nie zuvor, waren alle Augen auf das Springen gerichtet. Würde… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
07.10.2019 6 min lesen
Symbolbild © www.sportfotos-lafrentz.de/Dirk Caremans

Nach der Dressur, bei der die durchschnittliche Punktzahl so niedrig war wie nie zuvor, waren alle Augen auf das Springen gerichtet. Würde es die Rangliste verändern? Würden die üblichen Verdächtigen die Herausforderungen meistern? Und wer würde Seriensieger der ERM 2019 werden? 

Das Drama des Tages wurde deutlich, als unsere Konkurrenten im Stadion von Lignières trotz Regen einen der schwersten Parcours der Geschichte der ERM bewältigen mußten. Kein einziges Paar blieb fehlerfrei und nur 2 – Tim Pricemit Ascona M und Michael Jung mit Star Connection FRH – konnten die Zeit schaffen, obwohl beide auf der Jagd nach zeitsparenden Wegen eine Stange mitnahmen.

Andere hatten mehr Pech – der normalerweise außergewöhnliche Springer Billy the Red und seine erfahrene Reiterin Tina Cook rissen 2 Stangen und fügten 3,6 Zeitfehler hinzu, während Serienkandidatin Jonelle Price mit Grovine de Reve 3 Fehler und 3,6 Zeitpunkte hatte. Alex Bragg sah seine Chance auf einen Podiumsplatz schon außerhalb der Reichweite, als Zagreb 2 Stangen abwarf und 2 Zeitfehler hinzufügte, wodurch das Duo von Platz 4 nach der Dressur auf Platz 9 zurückfiel.

Aber wo einer verliert, gewinnt ein anderer und durch das schwere Springen kamen andere zum Zug. Der Franzose Gireg le Coz, der mit Aisprit de la Loge um den Serientitel kämpfte, schaffte die Runde mit nur 1,2 Zeitfehlern, auch Gemma Tattersall und Jalapeño erhielt nur 2 Zeitfehler, und übernahm damit die Führung – vor der allerletzten Herausforderung der ERM 2019.

Was für ein Geländetag! Nach dem Rückzug von Serienanwärterin Jonelle Pricewar die Tür für alle anderen geöffnet, und die schwierige, technische Strecke verursachte einige Probleme.

Die 19-jährige Phoebe Locke und ihre erfahrene Partnerin Pica d’Or waren die Pathfinder, aber ihre ansonsten stilistische Runde endete vorzeitig, als die junge Reiterin bei einer der letzten Kombinationen auf dem Kurs einen Rumpler hatte. Der nächste Reiter, der Belgier Tom Goeman, stürzte am 2. Hindernis und der französische Superstar Maxime Livio kassierte 20 Strafpunkte mit Api du Libaireals 3. Starter, so wurde klar, daß dieser Kurs kein Spaziergang werden würde.

Der Serienführer Chris Burton auf Platz 10 vor dem Gelände und hatte alles zu verlieren – und alles zu gewinnen – als er die Startbox mit Quality Purdey verließ. Er musste er schnell und 0 gehen – aber keiner vor ihm hatte bisher die Zeit von 6:55 geschafft. Der Start ebnete den Weg für eine der wichtigsten Runden des Tages, und Chris überquerte schließlich die Ziellinie elf Sekunden unter der Zeit – trotz 2 längerer Wege.

Dadurch, dass nun die Zeit als machbar galt, folgte eine Flut von schnellen, fehlerfreien Runden: Alex Bragg und Zagreb fügten nur 0,8 Zeitfehler hinzu, um sich wieder auf den 7. Platz zu verbessern, während Arnaud Boiteau und Quoriani ENE HN, angefeuert von einem begeisterten heimischen Publikum, mit 3 Sekunden Vorsprung nach Hause kamen.

“Es ist wie eine Meisterschaft – es ist Frankreich und eine große Menschenmenge – das hilft dem Pferd und mir, schneller zu sein und das Beste zu geben”, sagte Arnaud, der 10 Plätze hinauf kletterte, um letztendlich 4. zu werden.

Ein langsamer Ritt als Pau-Vorbereitung von Tim Price und Ascona M und das überraschende Aufgeben von Oliver Townend und Alcatraz brachten Chris Burtonweiter in die Spitzengruppe, dadurch verschärfte sich allerdings der Kampf zwischen Gireg le Coz und Sarah Cohen.

Die Jardysieger Gireg le Coz und Aisprit de la Loge zeigten einen guten Sprung nach dem anderen, aber am Ende war die Zeit nicht auf ihrer Seite: Sie fügten 2,8 Punkte hinzu, und blieben dadurch auf dem 5. Platz, während der Franzose Arnaud Boiteau auf Platz 4 vorrückte.

Sarah “Cutty” Cohen und der siebzehnjährige Treason hatten den Lauf ihres Lebens, sie überquerten die Ziellinie noch 1 Sekunde innerhalb der Zeit und sicherten sich damit sowohl in der Etappe als auch in der Serie einen Podiumsplatz. Nun war alles, was sie tun konnten, abzuwarten, welcher Platz es jeweils sein würde.

Wenn ein ehemaliger Sieger der ERM-Serie und der letzte Gewinner des Grand Slams die Spitzenplätze belegen, ist das eine schwierige Aufgabe – aber weder Gemma Tattersall noch Michael Jung kamen auch nur für einen Moment ins Stocken.

Eine perfekte Runde von Michael Jung und seinem zweimaligen Etappensieger Star Connection FRH brachte ihn auf den 2. Platz des Podiums.

“ich konnte einfach alles genießen”, sagte er mit einem breiten Lächeln. “Star Connection ist ein wirklich großartiges Pferd, ich wußte, ich muß ihn von Anfang an laufen lassen, weil er kein Rennpferd ist und er hat auch keine Galoppade wie ein Rennpferd. Aber er ist sehr schnell an den Sprüngen.”

Er hatte getan, was er konnte – und letztendlich wurde es Platz 2. Die Serienmeisterin von 2017, Gemma Tattersall, verließ die Startbox auf ihrer Mission mit Jalapeño.

Und so sah jeder Zentimeter wie eine langjährige Partnerschaft aus, und nicht wie eine einzige Saison, die sie erst zusammen hatten. Mit 3 Sekunden unter der Bestzeit kamen sie ins Ziel. Der Titel von Lignières gehörte Gemma Tattersall.

“Ich war wirklich gut darin, die andere 4*-Prüfung zu gewinnen auf den anderen ERM Stationen, und heute habe ich es endlich mal geschafft, die ERM Prüfung zu gewinnen – wow!”, lachte sie auf dem Podium, wo sie einen Scheck über 18.000 Euro und Preise von Monart Elite Horse Sales entgegennahm.

“Ich bin so glücklich, und so zufrieden mit dem Pferd”, fuhr sie fort und würdigte damit auch die Besitzer Chris und Lisa Stone. “Es ist eine neue Partnerschaft [mit Jalapeño]; sie wurde von Karin Dockers wunderbar ausgebildet. Ich musste nur die Zügel übernehmen und wir mussten uns aneinander gewöhnen. Wir hatten ein paar “Whoopsies”, aber wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, und heute war es gut!”

Mit ihrem 3. Platz auf dem Podium sicherte sich Sarah Cohen zum 2. Mal einen Platz auf dem Serienpodium. Sie wurde 3. in der Rangliste 2019 – eine bemerkenswerte Leistung für die ehemalige Profi-Reiterin, die nun zwischen Familienleben und dem Turniersport mit Treason, ihrem einzigen Pferd, balanciert.

“Es hat eine ganze Saison gedauert, aber jetzt war es einfach phantastisch – er ist mein Star”, sagte Cutty” von ihrem langjährigen Partner, der eines der beständigsten Pferde auf der Strecke war. Cutty hofft, den Wallach noch eine weitere Saison reiten zu können, bevor er in den Ruhestand geschickt wird. Doch was passiert dann?

“Ich könnte wirklich ein Nachfolge-Pferd für ihn gebrauchen, wenn also jemand an der ERM teilnehmen will – habe ich den Stall dafür”, lächelte sie mit einem Augenzwinkern. “Nur weil ich das eine Pferd habe, ist es erstaunlich, mit diesen Top-Jungs konkurrenzfähig zu sein – und jetzt will ich das natürlich ein wenig mehr. Ich werde jetzt auf der Suche sein.”

Der Franzose Gireg le Coz wurde zum Star der ERM-Serie, als er Anfang des Sommers aus dem Nichts kam, um die Etappe von Jardy zu gewinnen, und seitdem hat er mit dem Spitzenpferd Aisprit de la Loge bewiesen, wozu er fähig ist. Sein 5. Platz heute bewies das erneut, und der sympathische Franzose belegte den 2. Platz auf dem Podium 2019. Ein neuer Star, wie wir vermuten.

“Mein Pferd war fantastisch auf allen 4 Etappen, an denen ich teilgenommen habe”, sagte er. “Ich muss mich bei meinem Pferd, meinen Besitzern und allen, die die ERM möglich machen, bedanken – Danke.”

So ging die Meisterschaft der ERM Serie 2019 an den unbezwingbaren Aussie Christopher Burton. Seine Leistung in Lignières erwies sich als die schnellste Runde des Tages und half ihm, vom 15. auf den 6. Platz zu klettern und genügend wertvolle Serienpunkte zu sammeln, um seinen Serientitel 2018 zu verteidigen.

“Es ist nicht schwer auf einer so tollen Stute”, lächelte er über seine bemerkenswert schnelle Runde “wir lieben sie – sie ist wirklich außergewöhnlich und so angenehm zu reiten.”

Dies macht Chris zur ersten Person, die jemals die Serie zweimal gewonnen hat – und als er seinen Bonus von 30.000 Pfund hochhielt, dankte er seinem Team und den Besitzer für die Grundlagen seines Sieges.

“Das ist der Lieblingsteil der ERM, wenn du Null warst und hier oben sitzt”, lachte er vom obersten Platz des Podiums. “Es ist unglaublich – ich kann es immer noch nicht glauben. Ich hatte letztes Jahr ein so gutes Jahr, dass ich wirklich nicht dachte, dass ich es jemals wiederholen könnte. Wir sind begeistert! Es ist eine wunderbare Serie, ein Teil davon zu sein – und jetzt werden wir einfach den Moment genießen.”

Und so geht die Saison 2019 zu Ende – was für eine Saison. 6 Etappen, 5 Länder und 85 der weltbesten Pferde und Reiter aus 15 Nationen, die alle um 350.000 Pfund und Podiumserfolg kämpfen. Das ist Vielseitigkeit, neu erfunden – und wir können das Jahr 2020 kaum erwarten.

Klicken Sie hier um die finalen Ergebnisse der Etappe, und hier, um die Endergebnisse der Event Rider Masters Serie 2019 zu sehen.

Pressemitteilung

Jaqueline Weidlich

Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut. -Henri Cartier-Bresson