Vielseitigkeit

EM Luhmühlen. Mit dem Parcours-Chef über die Geländestrecke

Mike Etherington-Smith ist ein hocherfahrener Parcourschef. Der Brite entwickelt international erfolgreich Geländestrecken, u. a. über viele Jahre die englischen Klassiker… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
27.08.2019 6 min lesen
(Bildquelle: em.luhmuehlen.de)

Mike Etherington-Smith ist ein hocherfahrener Parcourschef. Der Brite entwickelt international erfolgreich Geländestrecken, u. a. über viele Jahre die englischen Klassiker in Blenheim und Chatsworth. In Sydney 2000 und Beijing/Hong Kong 2008 war er für die olympischen Geländekurse verantwortlich. In Kentucky designte er viele Jahre das Vier-Sterne-Gelände und 2010 die WM-Strecke. Außerdem ist er seit 2014 Parcourschef der VierSterne-Prüfung in Adelaide, die auch in diesem Jahr ihren fünften Stern erhalten hat.

 

In seinem dritten Luhmühlen-Jahr stellt Mike Etherington-Smith den Sportlern und Pferden höhere Anforderungen als in den Vorjahren. „Mit Blick auf die EM habe ich im Juni noch nicht alle Trümpfe ausgespielt. Jetzt wird es noch einige Überraschungen geben.“

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Mike Etherington-Smith beschreibt die Geländestrecke:
„Luhmühlen ist ein traditionsreicher Standort, der zu Recht einen sehr guten Ruf als fantastische Veranstaltung genießt. Einige Turniere und die Champions, die daraus hervorgegangen sind, sind wirklich legendär, und es ist mir eine Ehre, die Geländestrecke der Europameisterschaften zu entwerfen.
Das Team und all die Helfer um Geschäftsführerin Julia Otto sind einzigartig. Dies konnten wir eindrucksvoll miterleben, als am Geländetag des traditionellen Juni-Turniers so viel Regen fiel. Man findet erst heraus, wie gut ein Team ist, wenn es unter Druck steht – und in diesem Fall waren alle ruhig, gefasst und haben die Herausforderung fantastisch gemeistert.
Und so erwarten wir dieses Championat mit Begeisterung – in meinem Fall auch mit etwas Nervosität. Ich habe die Richtung des Kurses gewechselt, und dies sorgt definitiv für ein anderes Gefühl.“

Wie immer dienen die ersten drei Sprünge Auftakt der Sparkasse Harburg-Buxtehude (1), der Buschoxer (2) und die Voltaire Eichen (3) dazu, Pferden und Reitern die Nervosität zu nehmen und sie in einen guten Rhythmus zu bringen. Die Hindernisse haben maximale Abmessungen und sollten dabei helfen, die Pferde „in die Luft“ und gut in Form zu bekommen.

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Eine Galoppstrecke durch den Wald führt zum Longines Wasser (4), wo Pferde und Reiter schon bei der Sache sein müssen. Der Einsprung in diesen Komplex hat eine nahezu maximale Tiefe. Außerdem werden die Pferde hier zum ersten Mal im Verlauf der Strecke mit einer großen Zuschauermenge und der dazugehörigen Atmosphäre konfrontiert. Die Art und Weise, wie gut der Einsprung gelingt, bestimmt, wie gut das Longines Wasser (5abcd) gesprungen werden kann – denn hier geht alles sehr schnell. Wenn die Reiter zu groß über Nummer 4 kommen, fehlt ihnen die nötige Kontrolle für den direkten Weg durch das Wasser.

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Der direkte Weg geht hier über die Bürste ins Wasser, vier Galoppsprünge später zu einem schrägen Boot im Wasser und dann mit drei Galoppsprüngen weiter zu der schmalen Hecke oben auf der Anhöhe. Hier wird sowohl ‚Horsemanship‘ der Reiter als auch Selbstvertrauen und Ehrlichkeit der Pferde abgefragt. Es ist ein anspruchsvolles Hindernis, doch es gibt eine leichtere, zeitraubende Alternative mit vier Sprüngen.

 

Hof Sudermühlens Reiterbar (6) ist trotz maximaler Abmessungen ein sogenannter Erholungssprung, bevor auf dem Hauptplatz die nächsten Aufgaben warten.

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Der Manzke Tisch (7) ist mit dem MIM System, einem von der FEI zugelassenen Sicherheitssystem, ausgestattet. Trotz der maximalen Abmessungen ist es ein unkomplizierter Sprung, der jedoch im Zusammenhang mit dem nächsten Hindernis steht.

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Die Longines Kombination (8abcd) soll die Fähigkeit von Reitern und das Vertrauen der Pferde überprüfen, in einer Rechtswendung große Sprünge zu überwinden. Eine Aufgabe, die sowohl Rittigkeit als auch Selbstvertrauen erfordert. Es geht über eine Ecke (a) zu einem Hochweitsprung (b) weiter zu einer Ecke (c/d). Wenn die ersten beiden Elemente nicht gut geritten werden, wird es sehr schwer, das letzte Element zu überwinden. Darum werden wir einige Reiter sehen, die sich für eine lange Option entscheiden. Hierfür stehen als Alternative auf der anderen Seite des Hauptplatzes zwei weitere Ecken (c und d) auf gebogener Linie.

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Gärtnerei Wredes Rennbahnsprung (9) ist einer der alten Rennbahnsprünge, an die sich sicher die Älteren von uns noch erinnern. Das Hindernis ist unkompliziert, erfordert aber Respekt.

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Weiter geht es zum Hannoveraner Gatter (10ab). Hier haben die Reiter die Wahl zwischen dem direkten Weg auf zwei Galoppsprünge leicht bergab oder drei Galoppsprüngen, die etwas mehr Zeit geben. Die Gatter sind alle mit MIM-Clips ausgestattet, und ich bin mir sicher, dass die Reiter diese Aufgabe alle gut bewältigen werden. Sollte das MIM System ausgelöst werden, werden allerdings 11 Strafpunkte addiert – und die können in der Endabrechnung teuer sein.

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Der Holzstoß (11) ist ein weiterer unkomplizierter Sprung mit maximalen Abmessungen, der die Reiter meines Erachtens gut auf den Meßmer Teich (12abc) vorbereitet, der in direkter Folge zu springen ist.

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Meßmer Teich (12abc): Diese zweite Wasserkombination lässt den Reitern die Wahl: Entweder gerade durch die Mitte über einen Tiefsprung (12a), in vier Galoppsprüngen weiter zu einer Dreifachhecke (12b), gefolgt von einer weiteren Dreifachhecke (12c) auf der Anhöhe nach dem Wasser oder den längeren Weg mit Schleifen, der gefühlt ewig dauert. Der direkte Weg erfordert mutiges, engagiertes und athletisches Reiten
und gleichermaßen Mut, Sicherheit und Ehrlichkeit der Pferde. Es ist eine Mischung aus mächtigen Sprüngen und Hindernissen, die Präzision erfordern. Die heutigen Pferde sind mittlerweile sehr gut darauf trainiert, auch schmale Elemente anzuziehen und leicht aussehen zu lassen – und fordern so die Course-Designer heraus. Wir werden sehen!

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Das Meßmer Mühlenhaus (13) komplettiert diese Passage und sollte auf diesem Niveau keine allzu große Herausforderung darstellen. Dennoch müssen die Reiter darauf achten, ihre Linie gut zu treffen.

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Dann geht es durch den Wald zu der fischer Wellenbahn (14abc), die einen neuen „Look“ bekommen hat. Das zweite Element ist eine Mauer, die viele Jahre verschüttet war. Julia Otto hatte sich an dieses Hindernis erinnert und wir haben gedacht, dass es eine gute Idee ist, es für das Championat zu neuem Leben zu erwecken. Die Balken des Birkensteilsprungs (14a) sind mit einem Sicherheitssystem ausgestattet und sehen auf der Anhöhe beeindruckend aus. Bergab geht es mit drei Galoppsprüngen zu einer Hecke auf der Mauer (14b), bevor drei Galoppsprünge später eine Ecke (14c) zu springen ist. Hier können sich die Reiter aussuchen, auf welcher Seite sie springen möchten. Athletik, Selbstsicherheit und Engagement sind hier ebenso gefordert, wie die Fähigkeit der Reiter, diese Art der Aufgabe zu bewältigen.

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Der große, beeindruckende Horseware Jump (15) ist einladend. Obwohl dieses Hindernis spektakulär aussieht, sollte es Reiter und Pferde nicht beunruhigen auf dem Weg zu LVM Am Waldrand (16abc), einem klassischem Geländesprung. Dem Steilsprung mit Sicherheitselement (16a) folgt einen Galoppsprung später ein Graben (16b) und einen weiterer Galoppsprung später ein schräger Baumstamm (16c).  Der Sprung über den Graben bringt einen weiteren Faktor ins Spiel: Die Reiter werden versuchen, ihre Pferde im Verlauf der Kombination gerade zu halten, doch einige Pferde werden über dem schrägen Graben ein wenig zur Seite driften. Auch hier gibt es eine längere Alternative zum letzten Element, die jedoch wertvolle Sekunden kostet.

Bildquelle: em.luhmuehlen.de
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Das Rathaus (17) ist unkompliziert und bereitet den Lake Land Rover (18abc) vor. Die direkte Linie führt für die Reiter, die sich sicher fühlen, mit einem Galoppsprung über zwei leicht versetzte Hecken (18a und 18b). Hier gibt es aber auch eine längere Option – doch diese kostet erneut Zeit. Sobald sie 18b und den tiefen Einsprung ins Wasser überwunden haben, wartet als letztes Element die schmale Blumenkiste (18c). Deshalb müssen die Reiter sehr schnell darauf reagieren, wie die Pferde 18b überwinden, wenn sie keinen Vorbeiläufer riskieren möchten. Auch hier gibt es eine Alternative über eine weitere Blumenkiste am anderen Ufer für diejenigen, die etwas länger brauchen, um sich zu sortieren. Ehrlichkeit, Fitness, Eintscheidungs- und Reaktionsschnelligkeit sind hier gefragt – reite ich den direkten Weg und riskiere einen Fehler oder setze ich auf Sicherheit und verliere Zeit?

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Eine Schleife um die Wiese führt zurück zum selben Wasserkomplex, aber zu einer anderen Aufgabe. Diesmal springen sie den Lake Land Rover (19/20ab) im direkten Weg über zwei Bootshäuser (19/20a), gefolgt von einem Vogel (20b), der im Wasser sein Nest hat. Hier überprüfe ich, ob Reiter und Pferde noch voll bei der Sache und aufmerksam sind. Ein Vorbeiläufer wäre hier extrem frustrierend. Für diejenigen, die hier ein wenig müde sind, habe ich die Bootshäuser separat nummeriert und eine Alternative zum zweiten Haus (20a) zur Verfügung gestellt, so dass es eine längere aber flüssige Alternative gibt, bevor es weiter über den Vogel geht (20b).

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Die Charles Owen Royal Works (21) Busch-Ecke steht auf der Anhöhe nach der Vertiefung und sieht sehr groß aus. Sie testet an dieser Stelle des Kurses Fitness, Ehrlichkeit und Athletik. Die lange Alternative ist lediglich eine Option für die Paare, die langsam müde werden.

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Eine lange Galoppstrecke durch den Wald führt zum Trakehner (22), einem großen, imposanten Hindernis, welches sich gut springen lassen sollte, insbesondere, da man aus dem schattigen Wald wieder ins Licht reitet.

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Die letzte Aufgabe dieses Championatskurses, der Oxer (23) gefolgt von den beiden versetzten Fendt Steinwällen (24) (25) erfordert noch einmal gutes, akkurates und positives Reiten. Ein Vorbeiläufer ist hier schnell passiert – und der könnte im Hinblick auf die Medaillen sehr teuer werden. Es ist keine leichte Aufgabe.

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Und schließlich geht es über Longines Final Jump (26) ins Ziel.

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Jaqueline Weidlich

Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut. -Henri Cartier-Bresson