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Vielseitigkeit

DM Ponyvielseitigkeit: Josepha Fischer holt Titel nach Sachsen

Silber für Smilla Maline Philipp, Antonia Peiß gewinnt Bronze Ströhen (fn-press). Eindrucksvoller hätte sich Josepha Fischer nicht verabschieden können: Zum… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
23.09.2019 4 min lesen
Symbolbild © www.sportfotos-lafrentz.de/Stefan Lafrentz

Silber für Smilla Maline Philipp, Antonia Peiß gewinnt Bronze

Ströhen (fn-press). Eindrucksvoller hätte sich Josepha Fischer nicht verabschieden können: Zum Abschluss ihrer Ponyzeit gewinnt die Sächsin mit ihrem Hengst Bell-a-Bon die Deutschen Meisterschaften der Ponyvielseitigkeitsreiter. Den Vizetitel holte unterdessen die zwölfjährige Smilla Maline Philipp (Elsdorf/LV Hannover) vom Landesverband Hannover mit Nadeem. Im niedersächsischen Ströhen wurden aber nicht nur die Deutschen Meisterschaften ausgetragen, sondern auch das U16-Bundesfinale Vielseitigkeit. Hier siegten Nane Nikolaus Dehn (Schwesing/LV Schleswig-Holstein) und seine Stute Zilia D.

Es dauerte einen Augenblick, bis Josepha Fischer realisiert hatte, was gerade passiert war. Tatsächlich verstand sie es erst, als sie die ersten Glückwünsche ihrer Mitstreiter zum Titelgewinn erhielt. „Ich habe mit allem gerechnet, aber damit ganz sicher nicht. Das ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl“, freute sie sich und schickte hinterher: „Endlich lief alles mal so, wie ich es mir vorgestellt habe.“ Im nächsten Jahr geht es für sie nun mit einem Großpferd weiter. Das sei allerdings noch nicht sehr erfahren. Fischer: „Wir lernen jetzt dann alles zusammen.“

In Ströhen belegte Fischer, die mit der Deutschen Pony-Equipe bei der diesjährigen EM gestartet war, nach der Dressur den sechsten Rang mit 33,4 Strafpunkten. „Ich hatte gar kein gutes Gefühl auf dem Abreiteplatz, aber es lief dann einfach gut“, erzählte die aus Chemnitz stammende Reiterin. Die Spitzenposition sicherte sich derweil Nicoletta Massmann aus Bad Homburg mit Majestro mit 25,80 Strafpunkten. Wie so oft wirbelte das Gelände das Tableau jedoch ordentlich durcheinander. Während Massmann wegen eines Fehlers am drittletzten Hindernis sogar aus den Top-Ten rutschte, schoben sich Fischer und ihr Hengst Bell-a-Bon („Bella“) auf den zweiten Rang vor. Als einziges Duo blieb es auf der anspruchsvollen Strecke ohne Fehler und innerhalb der Zeit. Fischer: „Wir hatten einfach viel Spaß.“

Im Zwischenstand nach Dressur und Geländeritt stand allerdings noch Emma Wiedenhöft vor ihr. Die 16-Jährige aus Haste (LV Hannover) gehörende Reiterin notierte auf dem Wallach Vive being B zwar 3,60 Strafpunkte für das Überschreiten der Zeit, hatte aus der Dressur allerdings auch nur 27,40 mitgebracht. Trotz dieser guten Ausgangslage trat Wiedenhöft die Heimreise schlussendlich ohne Medaille an. Warum? Im Springen erwischten sie und ihr Wallach offenbar keinen guten Tag und verbuchten zwölf Strafpunkte – gleichbedeutend mit Rang fünf in der Endabrechnung. Auch Fischer riss eine Stange, mit insgesamt 37,40 Strafpunkten hatte sie trotzdem die wenigsten Punkte auf dem Konto. „Josepha hat sich seit der EM deutlich weiterentwickelt“, lobte Bundestrainer Fritz Lutter die neue deutsche Meisterin und ergänzte: „Sie war nicht die Favoritin, hat aber ihre Leistung die drei Tage über konsequent abgerufen.“

Von den am Ende zwölf platzierten Teilnehmern blieb im Springen übrigens nur Antonia Peiß (Bippen/LV Weser-Ems) auf Diabas fehlerfrei, was der erst 14-jährigen Reiterin in der Endabrechnung die Bronzemedaille bescherte. Der Vizetitel ging – wie eingangs erwähnt – an Smilla Maline Philipp. Ein durchaus überraschender Erfolg. Immerhin bilden sie und ihr Wallach Nadeem erst seit einem Jahr ein Duo. „Wir sind ganz ohne Erwartungen hierherkommen und wollten einfach nur sichere Runde abliefern“, freute sich die Zwölfjährige. Ihre gute Leistung ist dem Bundestrainer Lutter natürlich keinesfalls verborgen geblieben. Er plant, sie für ein internationales Turnier im Oktober im polnischen Strzegom zu nominieren. „Wir haben dafür eine gewisse Anzahl an Startplätzen. Zum einen nehmen wir ein paar 16-Jährige mit, für die das ein Abschluss der Ponyzeit ist. Zum anderen eben einige junge Reiter, die sich auf so einem Turnier weiterentwickeln können“, erklärte der Bundestrainer. Eine Einladung zu dieser Veranstaltung wird auch die zwölfjährige Pita Schmid aus Neumark in Sachsen erhalten. Mit ihrer Stute Sietlands Catrina, mit der sie bei den Bundeschampionaten zum Publikumsliebling avancierte und Bronze gewann, platzierte sie sich auf Rang acht.

Nach der schwierigen Europameisterschaft blickt der Bundescoach nun jedenfalls optimistisch in die Zukunft. „Ich bin ohnehin von Haus aus Optimist“, sagte Lutter lachend, „es sind eine paar gute junge Leute dabei, aber es fehlt ein wenig an Substanz im Unterbau. Wir müssen in den Regionen die solide Ausbildung in den Mittelpunkt stellen und gute Ponys für den Vielseitigkeitssport züchten.“

Parallel zur Deutschen Ponymeisterschaft fand auch in diesem Jahr wieder das U16-Bundesfinale statt, eine Art Zwischenschritt vom Bundesnachwuchschampionat Pferde hin zur Deutschen Junioren-Meisterschaft dar. Hier empfahl sich vor allem Sieger Nane Nikolaus Dehn für höhere Aufgaben, aber auch die Zweit- und Drittplatzierte Hedda Vogler (Verden/LV Hannover) beziehungsweise Stella Madeleine Marxer (Berlin) überzeugten. „Mit dem U16-Bundesfinale geben wir vielen Reitern eine Chance, die vielleicht noch nicht ganz so weit sind. Ich denke, dass wir hier sehr guten Sport und viele starke Ritte gesehen haben“, meinte Karl-Heinz Nothofer, Mitglied der AG Nachwuchs des DOKR-Vielseitigkeitsausschusses.

Lob verteilten Nothofer und Lutter allerdings nicht nur an die Reiter, sondern auch an den gastgebenden RFV Ströhen. „Für die Region ist das besonders. Der Aufbau, das Gelände und überhaupt die Bedingungen sind einer Meisterschaft würdig. Die Veranstaltung ist eine Bereicherung für den Kalender“, schwärmte der Bundestrainer von der Anlage, die zum Tierpark Ströhen gehört. Währenddessen verriet Nothofer, dass die Deutschen Pony-Vielseitigkeitsmeisterschaften in zwei Jahren nach Ströhen zurückkehren könnten. Erste noch unverbindliche Gespräche hätten bereits stattgefunden. Auf der Anlage der Familie Ismer, die nicht nur einen Tierpark, sondern auch die größte Araberzucht Europas beherbergt, würde die Meisterschaft dann bereits zum dritten Mal stattfinden. „Ohne den tollen Verein RFV Ströhen, der hier seine Heimat hat, wäre das alles gar nicht möglich. Allein in Anbetracht der Arbeitsstunden“, sagte Nils Ismer.
Übrigens: Tierpark und Europas größte Araberzucht mögen auf den ersten Blick wenig mit der Disziplin Vielseitigkeit gemein haben, doch tatsächlich hat der Sport eine lange Tradition auf der Anlage. „Vor 30 Jahren hat man sich hier zusammengetan und der Landesstandarte eine Heimat gegeben. Daraus hat sich die Vielseitigkeit entwickelt“, berichtete Ismer. FN/Nico Nadig

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