Stallgeflüster, Vielseitigkeit

Diese Woche widmen wir uns bei Horseweb der Vielseitigkeit. Deshalb habe ich mich dazu entschieden nicht direkt eine Übung heraus… Artikel lesen

Larissa Lienig
09.06.2019 3 min lesen
Symbolbild (Foto: Stefan Lafrentz)

Diese Woche widmen wir uns bei Horseweb der Vielseitigkeit. Deshalb habe ich mich dazu entschieden nicht direkt eine Übung heraus zu suchen, sondern das Thema Wassergraben aufzugreifen.

Für viele Pferde ist dies die größte Hürde beim Geländespringen. Oft versucht man verzweifelt nur ans Wasser heranzukommen, was sich schon mal problematisch gestalten kann. Aber die Scheu vor dem kalten Nass sollte uns Reiter schließlich nicht daran hindern in der Vielseitigkeit erfolgreich zu sein. Auch meine Stute hatte sehr lange Panik, allein in der Nähe des Wassergrabens zu stehen, machte sie schon nervös. Also entschied ich mich sehr lange dazu das Wasser zu meiden. Als Dressurreiter ist das auch nicht allzu tragisch dachte ich mir. Vor circa vier bis fünf Wochen änderte sich meine Meinung von jetzt auf gleich. Wir bekamen bei uns auf der Anlage einen neuen riesen Teich, durch den nun alle glücklich durchgaloppierten. Was bei den Temperaturen zurzeit für Pferd und Reiter eine super Abkühlung ist. Da kam bei mir der typische Gruppenzwang auf, denn auch ich wollte nun unbedingt mit meiner Stute durchreiten.

Pia und Fio haben es ins Wasser geschafft! (Foto: privat)

Der Weg ins kühle Nass

So habe ich mich dazu entschlossen das Wassertraining wieder aufzunehmen. Ich hatte mir keine konkrete Zeitspanne gesetzt, in der ich es schaffen wollte im Wasser zu stehen. Was, glaube ich, schon der erste wichtige Punkt war, der bei der Heranführung an das Wasser zu beachten ist. Natürlich möchte man sein Ziel erreichen, doch sollte man es nicht zu verbissen angehen. So habe auch ich, mir und meiner Stute die Zeit gegeben, die wir benötigten. Am ersten Tag bin ich wie die Jahre davor nur um den Teich herumgeritten und habe versucht Stück für Stück näher heranzukommen.

Zwischendurch gab es immer mal einen kleinen Klopfer auf den Hals von mir, um ihr zu zeigen, dass es nichts Schlimmes ist. Ich entschied mich dazu es beim heutigen Tage dabei zu belassen und am nächsten Tag wieder ein kleines Stück weiter zu kommen. So kam ich Tag für Tag immer ein Stück näher, allerdings war noch nicht daran zu denken das Wasser zu berühren. Dennoch ließ ich mich nicht entmutigen und übte weiter. Zwischendurch versuchte ich rückwärts hinein zu kommen, aber auch das funktionierte nicht so, wie ich es mir erhofft hatte. Nach einer Woche dann, kam der Tag der Tage. Ich richtete meine Stute wieder rückwärts und plötzlich berührte sie mit einem Huf das Wasser. Ich ließ sie sofort stehen und klopfte sie. Ich ritt wieder vorwärts und richtete sie erneut rückwärts. Stück für Stück kam ich immer weiter ins Wasser herein. Leider hatte ich nun das Problem, dass meine Stute so geschockt war im Wasser zu stehen, das sie sich keinen Meter mehr bewegen wollte. Das verschwand allerdings nach einigen Minuten. Ich ließ sie mit dem Kopf unten Schnuppern und sie bemerkte, dass der Wassergraben nicht ihr Feind ist.

Ich kann nun aus eigener Erfahrung sprechen, dass es unwahrscheinlich wichtig ist, selbst die Ruhe zu bewahren und sich und sein Pferd nicht unter Druck zu setzen. Durch kleine Zielsetzungen war ich jeden Tag glücklich über den Schritt den wir vorwärts gemacht haben. Auch war es für meine Stute wichtig mit viel Ruhe an die ganze Sache heranzugehen. Denn ich wollte ihr ja die Angst vor dem Wasser nehmen, wenn sie durch äußere Einflüsse noch nervöser wird, wäre ich vermutlich heute immer noch nicht im Wasser.

 

Text: Pia Kocker

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