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Traum-Sieg für Dressurreiterin Dinja van Liere im Preis der Familie Tesch

Die Teilnahme an den Olympischen Spielen blieb der Niederländerin Dinja van Liere mit ihrem Hermes aufgrund bürokratischer Probleme versagt. Ihr heutiger Sieg… Artikel lesen

Martina Brueske
17.09.2021 3 min lesen
Der Siegerin gratulieren Siegward Tesch (rechts) und ALRV-Aufsichtsratsmitglied Jürgen Petershagen Foto- CHIO Aachen/ Michael Strauch

Die Teilnahme an den Olympischen Spielen blieb der Niederländerin Dinja van Liere mit ihrem Hermes aufgrund bürokratischer Probleme versagt. Ihr heutiger Sieg im Preis der Familie Tesch, dem Grand Prix der CDIO5*-Tour, hat sie für diese Enttäuschung mehr als entschädigt.

„Ich denke, das ist ein wahrgewordener Traum. Einfach unglaublich!“, strahlte die Niederländerin Dinja van Liere nach ihrem Sieg im Preis der Familie Tesch im Sattel ihres Easy Game-Sohnes Hermes. Für sie war es der erste Start in der großen Tour im Deutsche Bank Stadion, das erste Mal im niederländischen Team in Aachen und dann auf Anhieb der ganz große Wurf. „Ist das eigentlich erlaubt beim ersten Mal?“, witzelte Kollege Patrik Kittel, der sich auf Rang drei wiederfand. Ob erlaubt oder nicht – van Liere und Hermes haben es getan. 78,022 Prozent gaben die Richter den beiden. Das ist bei weitem das beste internationale Ergebnis, das der erst neunjährige, von van Liere selbst ausgebildete KWPN-Hengst je erhalten hat.

Für Dinja van Liere ist dieser Erfolg ein großes Trostpflaster. Sie war nominiert für die Olympischen Spiele in Tokio. Doch beim Weltverband FEI war Hermes irrtümlich als im deutschen Besitz befindlich gelistet. Bei Olympischen Spielen müssen die Pferde jedoch bis zu einem Stichtag einen Besitzer aus derjenigen Nation haben, für die sie an den Start gehen. Aus der Traum von Olympia für Dinja van Liere. „Ich denke, heute haben wir gezeigt, dass wir den Platz im Team verdient haben!“

Hilfe haben die beiden auf ihrem Weg übrigens von unkonventioneller Seite: Sie werden von der Westernausbilderin Rieky Young trainiert, die einst auch Dressurolympiasiegerin Anky van Grunsven das Einmaleins des Westernreitens beigebracht hat. Van Liere: „Das besondere an ihr ist, dass sie wirklich viel Gefühl für Pferde hat. Da ist es egal, ob man Dressur, Springen oder Western reitet.“

Platz zwei belegte mit 76,717 Prozent die Britin Charlotte Fry im Sattel ihres KWPN-Wallachs Dark Legend v. Zucchero. Die 25-Jährige, die seit Jahren in den Niederlanden bei der Familie von Olst zuhause ist, hat ein unglaubliches Jahr hinter sich – Mannschaftsbronze bei den Olympischen Spielen in Tokio, Mannschaftssilber bei den Europameisterschaften in Hagen, Gold bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde in Verden. „Das ist wirklich ein wichtiges Jahr in meiner Karriere. Eine Platzierung in Aachen ist wie das Tüpfelchen auf dem i“, freute sie sich über ihren Erfolg. Aber vor allem darüber, „dass wir hierhergekommen sind und gezeigt haben, was wir können“.

Auf Rang drei fand sich einer wieder, der die Aachener Soers kennt wie seine Westentasche, heute allerdings ein für ihn noch neues Pferd präsentierte: der Schwede Patrik Kittel auf der ehemaligen dreifachen Weltmeisterin der jungen Dressurpferde, Fiontini. Aachen ist das dritte Turnier für die beiden und 76,261 Prozent das beste Ergebnis, das die beiden bislang auf internationalem Parkett haben erreichen können. Fiontini gehört Andreas Helgstrand. Weil der aufgrund seiner unternehmerischen Aktivitäten selbst keine Zeit hat, um der talentierten Stute gerecht zu werden, fragte er Kittel ob er wolle. „Und ich sagte: Nein!“ Das war natürlich ein Witz. Kittel war begeistert. Auch wenn er nicht weiß, ob aus der „Dating-Phase“, wie er seinen derzeitigen Beziehungsstatus mit Fiontini beschreibt, je eine Lebensgemeinschaft wird. Schließlich ist Helgstrand Dressage ein Verkaufsstall.

Mannschaftswertung

Kein Deutscher auf dem Podium, das hat es lange nicht mehr gegeben im Preis der Familie Tesch. Bundestrainerin Monica Theodorescu hatte diesmal zwei Aachen-Neulinge nominiert (Frederic Wandres mit Duke of Britain und Carina Scholz auf Tarantino) sowie zwei erfahrene Reiterinnen mit neuen Pferden (Isabell Werth auf DSP Quantaz und Jessica von Bredow-Werndl im Sattel von Ferdinand BB). Isabell Werth und Quantaz wurden Vierte mit 76,130 Prozent, gefolgt von Wandres und Duke of Britain (75,848) sowie von Bredow-Werndl und Ferdinand (74,348). Carina Scholz und Tarantino landeten auf Platz acht. Damit liegt die deutsche Mannschaft nach der ersten Wertungsprüfung im Lambertz Nationenpreis mit 15 Punkten klar in Führung.

Die Wertung im Lambertz Nationenpreis ist dieses Jahr etwas anders als gewohnt. Es zählen alle drei großen Dressurprüfungen für die Mannschaftswertung, also neben dem Grand Prix auch Special und Kür. Nachdem alle vier Reiter den Grand Prix geritten sind, gehen im Special und in der Kür nur noch jeweils zwei Paare an den Start. Die Platzierungen, die die Reiter erzielen, werden in Punkte umgerechnet (Platz eins = 1 Punkt usw.). Das Team mit der niedrigsten Punktzahl gewinnt. Gewertet werden neben dem Grand Prix nur die besten drei Platzierungen aus Special und Kür.