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Trauer um Wolfgang Müller – Reitmeister im Alter von 90 Jahren verstorben

Löbnitz (fn-press). Am 6. Oktober feierte Wolfgang Müller noch seinen 90. Geburtstag in seiner Heimat, dem sächsischen Löbnitz. Nun ist… Artikel lesen

Martina Brueske
04.01.2022 2 min lesen
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Löbnitz (fn-press). Am 6. Oktober feierte Wolfgang Müller noch seinen 90. Geburtstag in seiner Heimat, dem sächsischen Löbnitz. Nun ist der Reitmeister und Olympiareiter, der sich stets der klassischen Reitweise verschrieben hatte, zwei Tage vor dem Jahreswechsel nach schwerer Krankheit gestorben.

Wolfgang Müller gehörte zu den wenigen Reitern, die die Höhen und Tiefen des Pferdesports im Osten Deutschlands hautnah miterlebt haben. Mit seinen Einzelleistungen bei den Olympischen Spielen in Mexiko und München (jeweils 16. Platz) belegte das Team aus dem deutschen Osten die Plätze vier und fünf. Aber auch zu Medaillen kam Wolfgang Müller: 1969 errang er mit Horst Köhler und Gerhard Brockmüller als DDR-Mannschaft bei den Europameisterschaften in Wolfsburg die Silbermedaille (Einzel: Sechster) und zwei Jahre danach wurde das Trio noch einmal Vierter in der VW-Stadt. In Aachen gab es 1970 für ihn und seine Mannschaftskollegen noch dazu Bronze bei den Welttitelkämpfen (Einzel: Achter). Für seine Verdienste im Pferdesport wurde Wolfgang Müller 1968 als „Meister des Sports“ in der DDR ausgezeichnet. Vom Deutschen Pferdesportverband (DPV) der DDR erhielt er die Ehrennadel in Silber. Nach der Wende wurde ihm von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) nicht nur das Goldene Reitabzeichen, sondern auch 1998 der Titel „Reitmeister“ verliehen.

Der elfmalige DDR-Meister in der Dressur, geboren in Landsberg/Warthe, kam nach dem Krieg in der Altmark zum Reitsport und erhielt in den 1950er Jahren im einstigen Landgestüt Halle-Kreuz als Gestütswärter eine intensive Grundausbildung. Er blieb in all den Jahren immer ein Pferdemann. Das änderte sich auch nicht, als er zum Armeesportklub Potsdam von Oberst Kopenhagen geholt wurde. Trainer wie Werner Eggers und Willi Lorenz prägten seine reiterliche Entwicklung, doch vieles brachten sich die drei Olympiareiter auch selbst bei. Seine Erfolge im Dressurviereck feierte Müller mit der Mecklenburger Dunkelfuchsstute Helga (v. Forscher; Züchter: W. Beiersdorf aus Willershusen bei Grimmen), dem Vollblut-Rappwallach Marios xx (v. Asterios xx; Züchter: Gestüt Görlsdorf), dem ungarischen Schimmelwallach Szemafor (v. Szaladin ox; Züchter: S. Sandor) und der Mecklenburger Stute Sekundantin II (v. Dirigent; MV: Sektfeier).

Als er nach der Klubauflösung mit seinen Pferden Marios und Szemafor nach Löbnitz bei Leipzig zog, legte er keineswegs die Hände in den Schoß, sondern brachte den Nachwuchs aufs Treppchen. 35 Titel gewannen seine Schüler bei DDR-Meisterschaften. Zu den bekanntesten und wohl auch erfolgreichsten Reitern gehören Anke und Ina Saalbach. Letztere wurde nach der Wende seine Ehefrau und gehörte lange Jahre zu den besten Dressurreiterinnen im ostdeutschen Raum. Dankbar sind die Freunde des Pferdesports über die beiden Bücher von Wolfgang Müller, die er zusammen mit der Berliner Estrel-Hotel-Direktorin Ute Jacobs geschrieben hat. „Königlich Preussisch-Sächsisches Landgestüt Kreuz“ und „Armeesportklub Potsdam – Sportmannschaft Reiten“ sind wertvolle Zeitgeschichten. Der ehemalige DDR-Verbandsfunktionär Erich Oese hat zudem in seiner DDR-Pferdesportchronik die wichtigsten Erfolge von Wolfgang Müller dokumentiert.   FN-press/Hans-Joachim Begall