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Teeuwen und Roost nun auch Diplom-Trainer – Nachwuchsbundestrainer schließen erfolgreich dreijährige Fortbildung ab

Warendorf (fn-press). Drei Jahre hat es gedauert, nun haben die beiden Nachwuchs-Bundestrainer Peter Teeuwen (Springen) und Caroline Roost (Dressur) erfolgreich… Artikel lesen

Martina Brueske
18.11.2021 3 min lesen
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Warendorf (fn-press). Drei Jahre hat es gedauert, nun haben die beiden Nachwuchs-Bundestrainer Peter Teeuwen (Springen) und Caroline Roost (Dressur) erfolgreich ihr Diplom-Trainer-Studium an der DOSB-Trainerakademie in Köln beendet und mit ihnen zusammen auch die Dressurtrainerin Tara Schneider aus Düsseldorf. Das berufsbegleitende Trainerstudium ist nicht neu. Bereits Anfang der 80er Jahre erwarben die ehemaligen Vielseitigkeits-Bundestrainer Fritz Lutter und Rüdiger Schwarz ihr Trainerdiplom in Köln. In jüngerer Zeit sind nun einige der aktuellen Bundestrainer nachgezogen, wie Kai Vorberg, U18-Bundestrainer Voltigieren, Julia Krajewski, U18-Bundestrainerin Vielseitigkeit, aber auch der Leiter des Bundesstützpunkts, Markus Scharmann. Und die nächsten Kandidaten stehen schon in den Startlöchern: Springreiterin Lara Weber, Sabrina Finke, Mitarbeiterin der Abteilung Ausbildung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und Voltigiertrainerin Elisabeth Simon haben gerade mit der Ausbildung begonnen. Über Motivation, Inhalte und vor allem den Transfer in die Praxis berichtet Peter Teeuwen im Interview.

Wie kam es dazu, den Diplom-Trainer zu machen, was war die Motivation und wie lange hat es gedauert?
Peter Teeuwen: „Ich habe da immer schon mal drüber nachgedacht, aber solange ich selbständig meinen Stall betrieben habe, war das nicht möglich. Seit 2017 bin ich festangestellt beim DOKR. Dort wurde diese Fortbildung sehr begrüßt und mir auch ermöglicht. Das Studium fand berufsbegleitend statt, dauerte drei Jahre. Dazu war ich einmal im Monat eine Woche in Köln.“

Was sind die wesentlichen Inhalte des Studiums, welche Studienfächer gibt es?
Teeuwen: „Das Wichtigste war natürlich die Allgemeine Trainingslehre, aber wir hatten auch Fächer wie Bewegungslehre, Medizin, Psychologie und Soziologie. In Psychologie geht es zum Beispiel um mentales Training und darum, den einzelnen Athleten und seine Persönlichkeitsstruktur zu betrachten. In Soziologie geht es mehr um den Einfluss, den das Umfeld hat, zum Beispiel die Eltern. Gerade bei uns im Pferdesport ist es ja so, dass viele von ihnen nicht aus dem Sport kommen, wir sie aber begeistern und ins Boot holen wollen.“

Humansport und Pferdesport sind ja sehr unterschiedlich. Lassen sich die Studieninhalte überhaupt auf Reiter oder sogar auf Pferde übertragen?
Teeuwen: „In der Bewegungslehre geht es beispielsweise darum, einzelne Bewegungsabläufe bis in kleinste Einheiten zu analysieren und zu überlegen, wie sie sich verbessern lassen. Das haben wir uns natürlich für Reiter und Pferde überlegt, zum Beispiel wie man erreicht, dass das Sprunggelenk mehr gebeugt wird. Das Spannende daran war, darüber mit den Kollegen aus den anderen Sportarten zu diskutieren. Die hatten da oft ganz neue Ideen. Auf der anderen Seite hat man schon gemerkt, dass die uns insbesondere bezogen auf das Athletiktraining im Humanbereich voraus sind. Wir haben dann doch eher das Pferd im Fokus.“

Welche wissenschaftliche Erkenntnisse oder Studieninhalte werden Sie in den Trainingsalltag übernehmen oder haben Sie schon übernommen?
Teeuwen: „Am meisten beeindruckt haben mich die diagnostischen Verfahren, mit denen man Leistung überprüfen kann. Im Pferdesport neigen wir ja dazu, viel aus dem Bauch heraus zu machen. Der Schwachpunkt ist dabei oft die Ausdauerleistung, das wird total unterschätzt. Da erlebt man, dass ein Reiter nach fünf langen Galopprunden sagt: ‚Oh, der hat jetzt aber richtig gearbeitet, der braucht jetzt eine Pause‘. Und wenn man sich dann die Werte dieses Pferdes – zum Beispiel Herzfrequenz und Laktatwerte – anschaut, dann stimmt der gefühlte Wert des Reiters mit dem gemessenen nicht überein. Manchmal ist das Pferd noch nicht mal im Belastungsbereich, also da, wo ein Trainingseffekt eintritt. Es ist mir auch bewusst geworden, dass viele gar nicht wissen, was Training eigentlich bedeutet. Viele meinen, Reiten ist gleich Training. Das ist aber eben nicht so. Dasselbe gilt fürs Springtraining. Statt sich zuhause mal technische Anforderungen aufzubauen und gezielt zu üben, wird oft nur aufs nächste Turnier gefahren. Das reicht aber nicht, schon gar nicht, wenn man zum Championat will und dort an fünf Tagen Topleistungen bringen will. Dafür muss man erstmal Verständnis wecken. Die Reiter müssen merken, dass es ihnen etwas bringt. Die Schweden haben uns das ja vorgemacht. Die sind auf dem Gebiet schon viel weiter und waren in Tokio eine Klasse für sich. Wir sind aber auf einem guten Weg und haben zum Beispiel mit unseren Nachwuchsreitern am DOKR und an der Bundeswehrsportschule regelmäßig einmal pro Monat einen Testtag, um die Leistungen zu überprüfen und zu schauen, wie es sich weiterentwickelt.“ Hb