Willi Melliger – ein Großer des Springsports ist für immer gegangen

Neuendorf/ Schweiz. Der internationale Springsport beklagt den Tod eines großen Reiters. Nach einem Gehirnschlag war Willi Melliger ins Koma gefallen, nun starb er in der Nacht zum 16. Januar 2018. Der große Schweizer Springreiter wurde nur 64 Jahre alt.

Willi Melliger wird immer zu jenen gehören, die nur durch Leistung auffielen, nie durch laute Worte. Und leise ist er auch gegangen. Vor fünf Wochen war er leblos in seiner Wohnung gefunden worden, im Krankenhaus starb er, ohne das Bewusstsein nochmals erlangt zu haben, mit 64 Jahren. Einen Hirnschlag hatten die Ärzte diagnostiziert. Sein letzter öffentlicher Auftritt war Ende November in Goch auf der Reitpferde-Auktion von Holger Hetzel, er plauderte munter mit Bekannten, kaufte auch. Er wirkte unaufgeregt wie immer, er hätte auch klagen können über alle und jedes Wehwehchen, schließlich hatte er vor einem Jahr einen Herzinfarkt erlitten und war am Herzen operiert worden. Er war da – und auch gleich wieder weg. Nun für immer.

1993 im nordspanischen Gijon, dort im Fußball-Stadion, wurde Willi Melliger der erste Schweizer Europameister, und nicht die Sternstunde des Augenblicks hatte ihn ganz nach oben getragen. Doppel-Gold mit der Equipe und in der Einzelwertung war das logische Ende einer langen und geduldig verlaufenen Zeit im Sattel für den gelernten Metzger, der später nur noch Reiter war, Pferdehändler, Turnierveranstalter und Auktionator. Mit der französischen Stute Quinta C war er in Gijon zu Gold gesprungen, das „C“ im Namen hatte er eigens in den Pass eingetragen lassen als augenfälliger Beweis der Erinnerung an seinen bei einem Hubschrauberunfall ums Leben gekommenen deutschen Sponsor Claus Cramer, der bei Paul Schockemöhle für ihn das Pferd gekauft hatte. Der Schweizer Eigner verkaufte Quinta C wenige Wochen später nach der Europameisterschaft an den mexikanischen Milliardär Alfonso Romo, Reiter und Gestütsbesitzer von „La Silla“ in Monterrey, der soll 2,8 Millionen Mark hingelegt haben. Melliger jammerte nicht, er meinte nur, bei bestimmten Summen für ein Pferd könne und dürfe man nicht nein sagen.

Und eines Tages war Calvaro da. Darüber schrieb der Schweizer Journalist Martin Born in feinem Stil das Buch „Der weiße Mythos“. Der Riese aus Holstein mit der Abstammung – Vater Cantus, Großvater Caletto I und Ur-Opa Cor de la Bryere – fast zum Niederknien, wird zunächst angeboten wie ein Allerweltspferd, so nach Aussage von Michael Sauer als dem damaligen Besitzer, kein Gebot, auch nicht aus Deutschland.

Eines Tages erhält Willi Melliger einen Anruf von Axel Wöckener, Reiter, Trainer, Pferdehändler, ein Mann mit geschultem Auge für besondere Pferde, und ein Video wird zwei Tage später auch nachgereicht. Der Preis erstickt zunächst weitere Gespräche – eine Million Mark für den achtjährigen Wallach. Doch im September 1994 werden Melliger und sein Sponsor Ernst Bänziger zu gleichen Teilen Besitzer des Riesen mit dem unglaublichen Springvermögen und der ganz besonderen Technik am Sprung. Der Schimmel wiederum wird später in der Schweiz wie Halla von Hans Günter Winkler in Deutschland – ein Mythos.

Willi Melliger geht mit Calvaro wie mit einem neugeborenen Baby um, er hat das Gespür für diesen empfindlichen Wunderschimmel, der nichts mehr hasst, als an einer Hindernisstange anzuschlagen. So muss er immer ganz genau zum richtigen Absprungpunkt vor einem Hindernis hingeritten werden. Willi Malliger, der Klasse-Mann, kann das. Das Paar wird u.a. 1996 Weltcup-Zweiter  und Monate später Silbermedaillengewinner bei Olympia in Atlanta hinter Uli Kirchhoff auf Jus de Pommes, nochmals Team-Silber 2000 in Sydney kam dazu, mehrere andere Plaketten auf Championaten folgten. Dreimal hintereinander wurde Calvaro gewinnreichstes Springpferd in der reichen Schweiz.

Vier Goldmedaillen bei Europameisterschaften, insgesamt 13- mal Edelmetall bei einer EM, Sieg im Großen Preis von Aachen 1983 auf Van Gogh, zahlreiche weitere große Erfolge, der Erfolg hatte Willi Melliger nie verändert. Er sagte mal: „Ich habe einen ungebrochenen, aber keineswegs übertriebenen Ehrgeiz. Mit der Ruhe kommt auch der Erfolg.“

30 Jahre war er im Hochleistungssport zuhause, 2010 beendete er seine eigene Sattelkarriere – Er hätte noch vieles und vielen etwas lehren können, es sollte wohl nicht so sein…
Quelle: ludwigs-pferdewelten.de