CSI Basel Award of Honour an die Sparkassen German Friendships – „Einzigartige Veranstaltung für junge Springreiter aus der ganzen Welt“

von Stina Berghaus
16. Januar 2018
16.01.2018
ca. 7 Minuten

Eine große Ehre wurde den Veranstaltern der Sparkassen German Friendships beim internationalen Springturnier in Basel zuteil: Vor dem Beginn des Großen Preises am Sonntagnachmittag – also zur besten Sendezeit und vor vollem Haus – ehrten die Baseler Organisatoren die Idee, die gelungene Umsetzung und die positive Resonanz aus aller Welt, die das Event made in Herford so wertvoll machen.

Laudator Christian Graf Plettenberg bat Lars Meyer zu Bexten und Frank Rothenberger als Initiatoren und Repräsentanten der German Friendships in die Arena. Dort wurde ein Video gezeigt, das das bunte Treiben und die Atmosphäre der alle zwei Jahre stattfindenden Veranstaltung gut veranschaulicht.

Überreicht wurde der Award, der zum achten Mal vergeben wurde, vom Präsidenten des Verwaltungsrates der CSI Basel Horse Event AG, Dr. h.c. Thomas Straumann und dem Präsidenten des Organisationkomitees, Willy Bürgin. Lars Meyer zu Bexten bedankte sich für die außerordentliche Ehre, die seinen German Friendships bei einem solchen Weltklasseturnier zu Teil wurde.

Thomas Straumann hat selbst erfahren, wie speziell und ansteckend die Tage in Herford für die Jugendlichen und deren Familien sind. Tochter Géraldine Straumann war im vergangenen Jahr eine der Teilnehmerinnen aus aller Welt. „Die Völkerverständigung und Freundschaft unter den jungen Reitern ist einzigartig“, schwärmen seine Frau Ursula und er. Und sie sprechen stellvertretend für sämtliche Familien: „Wir alle haben uns dort sehr wohl gefühlt!“

Idee und Umsetzung der German Friendships

Was ist das eigentlich für eine Veranstaltung, bei der hochrangige Persönlichkeiten wie der deutsche Bundespräsident a. D. Horst Köhler, die ehemalige Präsidentin der Internationalen Reiterlichen Vereinigung, Prinzessin Haya von Jordanien, Bundeskanzlerin Angela Merkel oder die große Pferdefreundin und deutsche Verteidigungsminsterin Ursula von der Leyen die Schirmherrschaft übernehmen? Bei der Ikonen der Springreiterei, wie der vierfache Olympiasieger, Ludger Beerbaum, die irischen Europameister Bertram Allen, Denis Lynch, Marco Kutscher und deren hochdekorierte Kollegen einen Tag lang freiwillig als Trainer im Einsatz sind? Bei der schillernde Figuren wie der vielsprachig begabte Entertainer Pedro Cebulka ganz selbstverständlich und ehrenamtlich aus Kanada anreisen, hochbezahlte Jobs sausen lassen und hier als „Ringmaster“ mithelfen?

Es geht um die 1999 ins Leben gerufenen German Friendships.  Eine einzigartige Veranstaltung, initiiert und realisiert vom ehemaligen Nationenpreisreiter Ulrich Meyer zu Bexten, seiner Frau Friederike, und dem weltweit bekannten Parcoursdesigner Frank Rothenberger, der 1998  – von  einer  Süd-Amerika-Reise zurückgekommen – , von einem Kinderturnier schwärmte. „Wir wollten eine Veranstaltung machen und dafür die Internationalität nach Herford holen“, erinnert sich „Uli“ Meyer zu Bexten zurück, der die Turnierleitung inzwischen in die Hände seines Sohnes Lars gegeben hat.

„Friendships – not championships“ steht als Motto über den Events im Sommer, die weltweit ihresgleichen suchen, und die im Zweijahres-Rhythmus im westfälischen Herford ausgetragen werden.  Die öffentliche Resonanz ist ausschließlich positiv, weil die „Friendships“ die Herzen aller mit etwas Empathie ausgestatteten Menschen höher schlagen lassen müssen:  Völkerverständigung praktizieren, Teamgeist leben, anderen  Respekt zollen, horsemanship verinnerlichen, Liebe zum Pferd leben, Offenheit den Mitmenschen anderer Kulturkreise gegenüber zeigen, Freunde fürs Leben finden – nebenbei die eigene Reiterei verbessern und jede Menge Spaß haben. Was will man mehr? Es gibt Stimmen, die fast philosophisch werden, wenn sie sagen: „Wer einmal hier eine Woche miterlebt hat, der war Teilnehmer eines echten Friedensgipfels“. Dieses Erleben ist sicher der Grund dafür, warum sich zum Beispiel die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, selbst Mutter von sieben Kindern, seit Jahren eine Auszeit von der großen Politik  nimmt, um tagelang mit ihren reitenden Töchtern an der Völkerverständigung im Kleinen teilzunehmen. Das weithin sichtbare Symbol der „Sparkassen German Friendships“ – so der offizielle Name – ist folgerichtig auch ein aus Hufeisen geschmiedeter großer Globus. Zu jeder Veranstaltung wird ein neuer Globus geschmiedet und für soziale  Zwecke versteigert. Bei einem der besten Turniere der Welt, dem 5-Sterne-Event in Spruce Meadows/ Calgary, steht so ein ersteigerter Ableger aus Herford. Mit den dortigen Veranstaltern, der Familie Southern, besteht eine lange Freundschaft und effektive Partnerschaft.

Da der sportliche Gedanke jedoch bei den bereits turniererfahrenen Nachwuchsreitern nicht ganz außen vor bleiben soll, ist die Devise des Turnierleiters Lars Meyer zu Bexten, der jahrelang Bundestrainer der Junioren in Deutschland war: „Wir werden an drei Turniertagen erstklassigen Sport in Freundschaft bieten und in den nächsten Jahren sehen, wer den Sprung in die Weltspitze schafft.“  Ehemalige Friendship-Reiter wie Daniel Bluman (ARG),  Ben Asselin (CAN), Philip Houston (GER) oder Abdel Said (ÄGY) haben ihre Aufenthalte so genossen, dass sie versuchen, wenn möglich einen Zwischenstopp auf ihren Reisen von Turnier zu Turnier einzulegen und ihre „Friendship-Nachfolger“ zu coachen.

Das Konzept ist einfach, und doch genial: Ein deutscher Nachwuchsreiter und ein internationaler Gast bilden gemeinsam ein Team. Es gibt jeweils eine Gruppe für 12 bis 15 Jahre alte Reiter und eine für 16 bis 18 Jahre alte Reiter. Der Gastreiter bekommt von seinem deutschen Partner ein Pferd gestellt. Dieses neue, internationale Duo bleibt während der Veranstaltung unzertrennlich, es wird gemeinsam bei tollen Trainern geritten – wobei der eine sich auf das fremde Pferd einstellen lernt, der andere noch wertvolle Tipps für den Umgang mit dem eigenen Pferd bekommt. Und am Abschlusstag wird ein Turnier ausgerichtet, bei dem um Sieg und Platzierung gekämpft wird.

Nachdem sich die Veranstaltung in den vergangenen 18 Jahren weltweit einen guten Ruf erarbeitet hat, können sich die Organisatoren vor Anfragen kaum retten. Doch Turnierleiter Lars Meyer zu Bexten stellt klar: „Viel mehr als 110 Starter sollten es in den Teamspringen nicht werden, denn wir wollen überschaubare Felder behalten, die Gelegenheit zu persönlichen Begegnungen bieten.“ Zudem sind die überwiegend ehrenamtlichen Helfer aus Herford, die sich tagelang um das leibliche Wohl der Gäste kümmern, die bei allen Programmpunkten hilfreich zur Seite stehen und die auch als Gastfamilien den Reitern ein wohliges Dach über dem Kopf mit Familienanschluss bieten, kaum mehr in der Lage, das Engagement auszuweiten.

Der Programmablauf, der sich in den Jahren bewährt hat, bietet allerhand Abwechslung. Spannend beginnt der ersten Tag  für die jungen Reiter mit der Auslosung der Nationen und Teams. Jetzt heißt es: Jamaika  meets Lüneburger Heide, Südafrika galoppiert mit Bayern auf dem Platz, Westfalen und Russland bilden ein Team. Wenn tags darauf die internationalen Spitzenreiter als Trainer auf die Anlage der Meyer zu Bextens kommen, summt und brummt es wie im Bienenstock. Die Aufregung der Reiter ist mit Händen zu greifen. Schnell zeigt sich dann, dass das Training ein bleibendes Erlebnis für jeden Teilnehmer und für alle Zuschauer wird. Für viele junge Reiter wird an diesem Tag ein Traum wahr! Denn die Profis geben wertvolle Tipps und zeigen ihr Geschick im Umgang mit dem Nachwuchs. Dass die bekannten Lehrer wissen, wovon sie reden, demonstrieren sie in der anschließenden “Champions Trophy”. Dann steigen vier der Coaches selbst aufs Pferd, müssen sich beim Pferdewechsel schnell auf den fremden Partner einstellen. Ganz so, wie es bei den Weltmeisterschaften praktiziert wird.

Von Anfang an war es den Organisatoren wichtig, ein tolles Rahmenprogramm auszufüllen. Es gibt einen Empfang der Stadt Herford im Rathaus, einen  Marktplatz mit Verkaufsständen, abends werden Feste gefeiert, ein Show-Abend zeigt alle Facetten des Reitsports. Nach dem Turnier wird eine emotionale Siegerehrung und eine Abschiedszeremonie – meist unter Tränen zelebriert. „Das geht dann wirklich an die Nieren“, weiß Lars Meyer zu Bexten, der auch für seine Mitstreiter spricht.

In den vergangenen Jahren hat sich das Turniergeschehen um die Teams herum ebenso entwickelt. Es gibt Springprüfungen für regionale und  nationale Reiter, erstmals wurde zum zehnjährigen Bestehen der ATCO-Cup angeboten, der von der kanadischen Unterstützerin Nancy Southern ermöglicht wurde. Dieses 1,50 Meter Springen ist für ehemalige Friendships-Reiter ausgeschrieben. Nayel Nassar hat die Premiere 2017 gewonnen, auf dem Weg zu seinem Start bei der Longines Global Champions Tour in Berlin, wo er ebenfalls das Einlaufspringen für sich entscheiden konnte. So etwas spornt die jugendlichen Zuschauer natürlich enorm an.  “Dies würden wir gern wiederholen“, so der Turnierleiter.

Neu sind auch die sogenannten „Scheunen-Gespräche“, ein exklusives Forum für Politik und Wirtschaft am Rande des sportlichen Geschehens. Bundes- und Landesminister, Abgeordnete des Europäischen Parlaments, Wirtschaftsvertreter und andere Prominente trafen sich zum Austausch in einem außergewöhnlichen Ambiente. In zwei Foren diskutierten die eingeladenen Gäste globale Fragen aus Politik und Wirtschaft.

Sämtliche Aktivitäten während der sechstägige Veranstaltung sind für Interessierte und Zuschauer frei zugänglich und kostenfrei. Kein Wunder, dass quasi jedermann auf die Frage nach Verbesserungsmöglichkeiten nur mit dem Kopf schüttelt: „Da gibt es nichts besser zu machen.“ Doch! Einer sagte: „Dass die German Friendships nur im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfinden, das geht eigentlich gar nicht.“

 

Fakten in aller Kürze

Zehn Jahre Sparkassen German Friendships:

1999 wurde die Idee geboren, ein Konzept erarbeitet – und kurz darauf Premiere gefeiert

575 Reiter aus 67 Ländern waren zu Gast

Sprachenvielfalt: englisch, spanisch, holländisch, portugiesis

ch, italienisch, französisch, malayisch, deutsch – Zeremonienmeister Pedro Cebulka beherrscht – fast – alle

Zwei Millionen Kilometer wurden zur Anfahrt zurückgelegt

ohne Sponsoren und freiwillige Helfer (von der Beschaffung der “schönsten Schleifen der Welt” über die Hilfe bei den Quartieren bis hin zu Geldspenden wäre diese Veranstaltung nicht möglich)

Seit seiner Gründung 2001 hat der Förderverein mehr als 100 000 Euro für soziale Projekte gespendet

Mannschafts-Olympiasieger Marcus Ehning (GER), selbst Vater von vier Kindern, ist vom Konzept der Sparkassen German Friendships begeistert:

Leider hat es dieses Turnier in meiner Jugend noch nicht gegeben, daher konnte ich nicht als aktiver Reiter mitmachen. Ich war aber schon einmal in Herford, und habe gemeinsam mit meinen Kollegen Franke Sloothaak, Otto Becker und Alois Pollmann-Schweckhorst bei der Champions Trophy mitgewirkt. Das ist ein Springen mit Pferdewechsel. Natürlich dürfen meine Kinder, wenn sie alt genug sind, als aktive Reiter und deutsche Teammitglieder an den Friendships teilnehmen. Davon können sie nur profitieren, dieser internationale Kontakt ist eine prima Sache. Wir hätten auch keinerlei Probleme, einem Gastreiter ein geeignetes Pferd zur Verfügung zu stellen. Das würde ich gerne unterstützen.

 

Stimmen zu den Sparkassen German Friendships

Bundesministerin Dr. Ursula von der Leyen

…Die German Friendships stehen für Sportsgeist, Internationalität und Freundschaft…

Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Haya Bint al Hussein

…..dieses Turnier ist für mich keine offizielle Pflicht, sondern etwas, das mir persönlich am Herzen liegt…

Ludger Beerbaum, vierfacher Olympiasieger

… bin froh, seit 1999 mit meinem Team dabei zu sein…

Pedro Cebulka

…ich liebe alles hier…

 

Quelle: german-friendships.com

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