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Dass es heute aus deutscher Sicht etwas zu feiern geben wird, ist relativ sicher. Denn im Grand Prix Special werden… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
25.08.2017 3 min lesen

Dass es heute aus deutscher Sicht etwas zu feiern geben wird, ist relativ sicher. Denn im Grand Prix Special werden die ersten Einzelmedaillen in der Dressur vergeben. Und auch die Springreiter haben noch Chancen in der Mannschaft. Die Fahrer sind außerdem in ihren Wettbewerb gestartet. Mit australischer Unterstützung.

Göteborg/SWE – Aber bevor wir uns den Kutschen widmen, sollten wir die Dressur einem kurzen Konkurrenz-Check unterziehen. Isabell Werth ist ganz klar Gold-Favoritin, ihr dichtester Verfolger aus dem eigenen Lager Sönke Rothenberger. Der 22-Jährige und sein KWPN-Wallach Cosmo haben im Grand Prix noch einige Fehler eingebaut. „Die dürfen uns im Special natürlich nicht passieren“, meinte der Reiter im Hinblick auf die Medaillenchancen. Obwohl … im Grand Prix lag das Paar trotz Fehlern auf Rang zwei. Aber die Verfolger scharren im wahrsten Sinne mit den Hufen, denn die Dänische Meisterin Cathrine Dufour zeigte in der ersten Runde eine sehr präzise Vorstellung.

Ihr dänisch gezogener Wallach Atterupgaards Cassidy hat kaum Schwächen. Der 14-jährige Fuchs ist seit sieben Jahren bei seiner 25-jährigen Reiterin. Die beiden entwickelten sich gemeinsam aus dem Juniorenlager über die U25-Tour bis in den Grand Prix – und waren überall absolut top unterwegs. Als unheimlich sensibel aber zugleich fokussiert, beschreibt sie ihn. „Er ist immer total positiv eingestellt, im Umgang total lieb und verschmust. Nur Siegerehrungen hasst er. Obwohl er sonst so entspannt ist, dreht er dabei völlig auf“, sagte sie gestern lachend. Der Grund, warum sie auf die Ehrenrunde bei der Mannschafts-Medaillenvergabe verzichtete. Zu viel Stress für das Pferd. Seine Lieblingslektion? „Die Einer-Wechsel“, so Cathrine Dufour. „Man gibt ihm die Hilfe und er legt los.“ So positiv wie die Dänin über ihr Pferd spricht, so sympathisch wirkt sie auch selbst, als sie sagt, Cassidy sei wie ihr bester Freund. Ein Paar, das ganz klar um eine Einzelmedaille kämpfen wird.
Aber auch Helen Langehanenberg und ihr gefühlt immer jünger werdender Damsey FRH und Dorothee Schneider und das Grand Prix-Baby Sammy Davis Jr. setzen heute noch mal alles auf eine Karte. Denn es geht nicht nur um Gold, Silber und Bronze, sondern auch um den Einzug in die Kür, in der die 15 Besten des Specials, aber nur drei Reiter pro Nation zugelassen sind. Ein innerdeutscher Kampf wie im Spiel „Reise nach Jerusalem“, bei dem immer ein Platz zu wenig verfügbar ist.
Apropos Platznehmen: Bei dieser EM sitzt der Australier Boyd Exell neben den deutschen Fahrern auf dem Kutschbock. Zumindest in der Vorbereitung. Kurz vor Start springt er ab. Warum? Die Tipps von den Besten sind eben gefragt. Mareike Harm sagte nach ihrem  glanzvollen Dressur-Auftakt, er habe sie ein bisschen gebremst, sonst hätte sie schon draußen zu viel gemacht. Details, die das Ergebnis verbessern. Und da Boyd Exell zwar die weltweite Nummer eins im Vierspännerfahren ist, aber als Australier bei einer EM nicht starten darf, gibt es auch keine Konflikte. Georg von Stein hat sogar zwei von Exells Pferden im Gespann hier in Göteborg. Auch das ist absolut regelkonform. Übrigens geht es morgen zum ersten Mal für die Fahrer auf eine Marathonstrecke, die mitten durch eine Großstadt führt. „Ganz was Neues“, freute sich Bundestrainer Karl-Heinz Geiger. „Die Strecke ist sehr fair gebaut und nicht zu technisch. Sehr pferde- und zuschauerfreundlich.“ Dass der Weg vom Stall zur Arena für die Gespanne generell über eine große Kreuzung führt, auf der auch gerne mal die Straßenbahn vorbeirattert, ist für alle kein Problem. „Fahrpferde und Fahrer sind ruhiger als Dressurpferde und ihre Reiter“, meinte der Trainer augenzwinkernd.
Letztere haben es auch nicht so weit zu ihren Wettkampfstätten im Ullevi-Stadion – und ganz ohne Ampelkreuzung. Genauso wie die Springpferde. Die mussten dafür schon ziemlich früh heute Morgen aus den Federn. Hat sich für die deutsche Reservereiterin Simone Blum aber gelohnt. Sieg in der Rahmenprüfung mit ihrer DSP Alice. Das erste Mal an diesem Tag, dass die deutsche Flagge gehisst wurde. Hoffentlich geht es so weiter.

Quelle: Reiter Revue

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