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Schade, schade – John Roche ist gegangen, wer kommt jetzt?

(Lausanne) Die Weltzentrale des Pferdesports im schweizerischen Lausanne steht nicht im Ruf ein überaus begehrter Arbeitsplatz zu sein. Wer Repräsentanten… Artikel lesen

Martina Brueske
04.03.2020 4 min lesen
ROCHE John P. (FEI Jumping Director) Paris – FEI World Cup Finals 2018 Longines FEI World Cup Jumping Final I www.sportfotos-lafrentz.de/Stefan Lafrentz 12. April 2018

(Lausanne) Die Weltzentrale des Pferdesports im schweizerischen Lausanne steht nicht im Ruf ein überaus begehrter Arbeitsplatz zu sein. Wer Repräsentanten des “World Governing Body of Horsesport” in den vergangenen Jahren im Einsatz erlebte, konnte sich oft des merkwürdigen Eindrucks nicht erwehren, dass die handelnden Personen lieber keine Entscheidungen fällen mochten… die ihnen ja möglicherweise später “vor die Füße fallen könnten” im FEI-Hauptquartier. Ausgenommen John Roche, einer der dienstältesten Mitarbeiter in Führungsposition in der FEI, regelfest, diskussionsfest und als ehemals international agierender Reiter auch mit dem notwendigen  Sportverständnis ausgestattet. Ausgerechnet dieser John Roche hat Ende Februar den Dienst für die FEI beendet.

Das kam ein wenig flott und ein wenig überraschend. Rund 32 Jahre hat John Roche, der einst in der Irish Army Equitation School begann, für die FEI gearbeitet. Er war FEI-Direktor Jumping und insgesamt für Serien wie die Nationenpreise und den Weltcup Springen zuständig. Seine umfangreiche internationale Erfahrung dürften der FEI jetzt fehlen. Oder auch nicht: Betrachtet man den Präsidenten der FEI Ingmar des Vos einserseits und Direktor John Roche andererseits, dann fallen schon Unterschiede in der Betrachtung des Sport auf.

Wer Roche folgen soll? Weiß man noch nicht. Derzeit beschäftigt sich de Vos u.a. mit seinen vielen Ämtern und mit einem Vorgang, der unangenehm ist. Unter anderem in Frankreich wurden kurzfristig bei Turnieren in Villeneuve-Loubet nach Nennungsschluss Prüfungen hinzugefügt, die ausschließlich der Olympiaqualifikation von Reitern dienen sollten.  „Die Untersuchung der drei Turniere in Villeneuve-Loubet im Dezember 2019 hat ergeben, dass entgegen der FEI-Regularien zwei Prüfungen nach Nennungsschluss hinzugefügt wurden, die für die Olympische Rangliste und die Weltrangliste zählten“, teilte die FEI mit. Und räumte ein: „Die aktualisierten Zeiteinteilungen der drei Turniere wurden aus Versehen von der FEI anerkannt.“ Der Fehler ist beseitigt, die Olympiaqualifikation wurde aberkannt, die fehlerhafte Anerkennung hat übrigens nicht John Roche ausgesprochen…  

Präsident mit Background

Ingmar De Vos ist ein rühriger Typ, war einst Berater im belgischen Senat und bis 2011 Generalsekretär der belgischen FN, also praktisch das was Sönke Lauterbach in der deutschen FN ist. Seit 2014 fungiert de Vos als Präsident der FEI, ist seit 2017 kraft Amtes auch Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees. Haufenweise Ämter in internationalen Organisationen sind seither hinzu gekommen. Ingmar des Vos war einst auch Sportdirektor beim CSI Valkenswaard, also einem jener Turniere, die der Niederländer Jan Tops, Begründer der Global Champions Tour und der Global Champions League, schon lange veranstaltet.

Man kennt sich und möglicherweise ist der einst heftige Konflikt zwischen FEI und Global Champions Tour, bzw. Global Champions League deswegen auch “irgendwie friedlich beseitigt” worden. Was ja nicht per se schlecht ist. Es ging damals um die Zulassungskriterien zu internationalen Turnieren, u.a. um die Frage wie viele Reiterinnen und Reiter auf Einladung und wieviele aufgrund der Qualifikation zugelassen werden. Die FEI-Regeln streng, die der Global Champions Tour/ League anders. Schließlich kann man mit Einladungen Geld verdienen, sprich Startplätze verkaufen. Der Streit ging damals soweit, dass die Global Champions League, also die Mannschaftswertung, eine Saison lang ganz ohne Segen der FEI stattfand, weil den FEI-Officials laut Satzung das Tätigwerden in nicht genehmigten Prüfungen untersagt ist. Erwartungsgemäß kümmerten sich dann zwei, drei Officials nicht darum…

Im November 2016 hatten Präsident de Vos und Jan Tops ein Memorandum of Understanding unterschrieben und die FEI das Regelwerk der Global Champions League komplett anerkannt. Eine Teilnahme am Großen Preis der GCT, die für viele Reiter aufgrund der hohen Preisgelder höchst attraktiv war und ist, kann eine delikate Herausforderung sein: Das geht am Besten, wenn man Teil eines Global Champions League Team ist. Doch: Zwei Millionen Euro Startgeld kostet so ein Team im Schnitt. Und: Um die Starterzahlen im Großen Preis der Longines Global Champions Tour nicht zu erhöhen, wurden die Plätze von Einzelstartern damals auf 15 statt der sonst üblichen 25-30 weltbesten Reiter reduziert. Rund 60 Prozent der Teilnehmer kommen so auf Einladung und nicht aufgrund der Weltranglistenposition. 

Was kommt noch?

Das sind Formen, die der Idee des Leistungssports Springen nur begrenzt folgen. Und es ist durchaus zu vermuten, dass FEI-Direktor John Roche darüber nicht amused war. Zumal die jüngsten Ideen aus der Chefetage der FEI vermuten lassen, das andere Interessen schwer wiegen. Unter anderem das vom IOC gewünschte Verkürzen der Mannschaftsgröße bei Olympischen Spielen im Springen und die Änderung der Reihenfolge: jetzt gibt es erst die Einzelentscheidung, dann die Mannschaftsentscheidung und man wünscht dem Parcourschef Santiago Varela dafür von Herzen eine glückliche Hand. 

Dann gab es im November 2019 den Vorstoß bei der Generalversammlung in Moskau zum Thema Nationenpreis, den die FEI jedoch lieber wieder zurückzog. Ein Thema mit Zündstoff: Der Nationenpreisstatus für Veranstaltungen sollte demnach – verkürzt gesagt – nicht mehr durch die nationalen FN abgesegnet werden – sondern direkt von der Sportzentrale in Lausanne. Eine Variante, die z.B. eventuell störende Konstellationen beim Sponsoring vermeiden könnte. Der Hintergrund ist wenig verwunderlich. Uhrenhersteller Longines ist Sponsor der weltweiten Nationenpreisserie, der Global Champions Tour, des Springreiterweltcups und der FEI. Die Rolex-Aktivitäten, u.a. mit dem Grand Slam beim CHIO Aachen, in Spruce Meadows, Brabant oder Genf sind dem Mitbewerber mit dem nicht ganz so schicken Image doch ein Dorn im Auge. Übrigens: Ganz ohne Zutun der FEI oder durch Longines ist der CHIO Aachen noch lukrativer geworden, allein im Nationenpreis wurde das Preisgeld auf 1 Million Euro erhöht… Ob sich in Lausanne auch jemand darüber gefreut hat, ist nicht überliefert. M.B.

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