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Hilfsorganisation, Rennsport

PETA-Strafanzeige gegen Jockey Jochen Holzschuh: Pferd bei Trabrennen in Gelsenkirchen mehrfach heftig geschlagen – sogar Rennleitung verhängte Geldstrafe

Tierschutzorganisation fordert sofortiges Peitschenverbot Gelsenkirchen / Stuttgart, 28. Mai 2019 – Erneute Tierquälerei beim Trabrennen: Beim „Großen Preis der König… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
30.05.2019 3 min lesen
Symbolbild (Pixabay)

Tierschutzorganisation fordert sofortiges Peitschenverbot

Gelsenkirchen / Stuttgart, 28. Mai 2019 – Erneute Tierquälerei beim Trabrennen: Beim „Großen Preis der König Pilsener“ am 1. Mai in Gelsenkirchen hat der Jockey Jochen Holzschuh auf der Zielgeraden wieder ein Pferd mit heftigen Schlägen traktiert. PETA erstattete in der vergangenen Woche Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Essen gegen den einschlägig bekannten Jockey. Sogar die Rennleitung verhängte nach dem Rennen aufgrund von „unvorschriftsmäßigem Peitschengebrauch im 2. Wiederholungsfall“ eine Geldstrafe gegen Holzschuh. Die Tierschutzorganisation kritisiert, dass die Rennverbände überhaupt eine begrenzte Anzahl von Peitschenschlägen offiziell zulassen. Erst nach Überschreiten dieser Anzahl erfolgen Sanktionen durch die Rennleitung. Die Schläge verstoßen nach PETAs Ansicht zweifelsohne gegen das Tierschutzgesetz: Laut Paragraf 17 dürfen einem Tier keine länger andauernden oder sich wiederholende erheblichen Schmerzen oder Leiden zugefügt werden. PETA fordert die Veranstalter der Rennen auf, den Peitscheneinsatz künftig zu untersagen.

„Das Auspeitschen der Pferde muss endlich verboten werden. Es ist völlig inakzeptabel, dass sich die Verbände mit selbst aufgestellten Regeln über das Tierschutzgesetz hinwegzusetzen versuchen“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Die Peitschenschläge führen dazu, dass die Pferde aus Schmerz und Furcht regelrecht um ihr Leben rennen. Würde jemand einen Hund so misshandeln, wäre der Aufschrei in der Öffentlichkeit groß. Bei Pferden wird diese Tierquälerei jedoch gebilligt.“
 
Hintergrundinformationen
Holzschuh ist in Sachen Pferdequälerei kein Unbekannter: Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt seit 2017 unter dem Aktenzeichen 282 Js 3104/17 nach einer PETA-Anzeige ebenfalls gegen den Jockey, weil er das Pferd schon im Juli und August 2017 bei zwei Rennen mit der Peitsche quälte, um eine vordere Platzierung zu erreichen.

Die Veranstalter von Pferderennen berufen sich auf unzeitgemäße und ethisch nicht vertretbare Rennordnungen, beispielsweise des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen e.V. Laut den Rennordnungen sind bei Galopp- [1] und Trabrennen [2] fünf Peitschenschläge zugelassen, obwohl wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass der Peitscheneinsatz der Jockeys – anders als von den Verbänden dargestellt – mit erheblichen Schmerzen für die Pferde einhergeht [3].

Auch Dr. Maximilian Pick, ehemaliger Rennbahntierarzt und Fachtierarzt für Pferde, unterstützt in einer Stellungnahme PETAs Forderung nach einem grundsätzlichen Verbot des Peitscheneinsatzes: „Bei dem in solchen Rennen zu beobachtenden Gebrauch der Peitsche kann also keinesfalls von einer ‚Berührungshilfe‘ gesprochen werden, wie es die Verbände behaupten. Neben dem körperlichen Schmerz erzeugt die Peitsche auch noch so etwas wie ‚Psychoterror‘. So leiden Rennpferde häufig unter einer Art ‚Rennbahnneurose‘, also unter Angst, Schreckhaftigkeit oder Panikattacken.“

PETA setzt sich für ein konsequentes Ende des Pferderennsports in Deutschland ein und ruft dazu auf, keine solchen Veranstaltungen zu besuchen. „Rennpferde“ werden meist in Einzelboxen ohne Kontakt zu Artgenossen oder Freilauf auf der Weide gehalten. Besonders für Pferdekinder ist der Kontakt zu anderen Pferden jedoch unerlässlich. Normalerweise würden ein- bis eineinhalbjährige Pferde mit ihren Geschwistern und Freunden auf der Koppel spielen und Sozialverhalten lernen. Dessen ungeachtet werden Pferde, die bereits im Alter von zwei Jahren für Rennen eingesetzt werden, in dieser Zeit schon auf Höchstleistung getrimmt. Auf Rennbahnen gehört es zum Alltag, wiederholt mit der Peitsche auf Pferde einzuschlagen und sie durch den Einsatz von scharfen Gebissen und tierquälerischen Hilfsmitteln gefügig zu machen.

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten. Die Tierschutzorganisation setzt sich gegen Speziesismusein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

[1] Direktorium für Vollblutzucht und Rennen, Rennordnung vom 1. März 1960, in der Neufassung vom 1. Januar 1991 mit Änderungen bis Dezember 2015, Vorschriften für die Leistungsprüfungen der Vollblutzucht, R 9.4.
[2] Satzung und Ordnungen des Hauptverbands für Traber-Zucht e.V. (HTV); § 84.2 g; Stand 01.05.2016.
[3] McGreevy PD, Corken RA, Salvin H, Black CM (2012) Whip Use by Jockeys in a Sample of Australian Thoroughbred Races–An Observational Study. PLoS ONE 7(3).

Weitere Informationen:
PETA.de/Pferderennen
PETA.de/FaktenPferdesport
PETA.de/Duhner-Wattrennen

 

Pressemitteilung (PETA)

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Jaqueline Weidlich

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