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Reithallen-Blues?

Tipps gegen die Langeweile in der Reithalle! Die kalte Jahreszeit zieht sich ins Frühjahr. In der Reithalle findet meist das… Artikel lesen

Felicitas Meyer
15.04.2021 5 min lesen
Symbolbild: pixabay

Tipps gegen die Langeweile in der Reithalle! Die kalte Jahreszeit zieht sich ins Frühjahr. In der Reithalle findet meist das immer gleiche Programm statt. Doch das muss nicht sein. Bodenarbeit, Kegel-, Stangen-, oder Cavalettiarbeit können Abwechslung in den Alltag bringen und helfen ganz nebenbei, das Pferd vielseitig zu trainieren. 

 

Richtig angezogen durch die kalte Jahreszeit

 

Dank einem dicken Winterfell haben die meisten Vierbeinern auch beim Training, Ausritten und Weidegang im Winter so richtig Spaß. Auch der Reiter kann mit der richtigen Ausrüstung der kalten Jahreszeit trotzen: Winterreitstiefel, eine Thermo-Reithose und eine dicke Weste oder Jacke sorgen für Wärme bei jedem Ritt. Doch wenn es draußen kalt und nass ist, findet das Training trotzdem meist in der Halle statt. Damit Reiter und Pferd in einer langen Wintersaison nicht die Decke auf den Kopf fällt, ist Abwechslung im Training besonders wichtig. Gerade als Turnierreiter kann man sich in aller Ruhe stressfrei auf die kommende Saison vorzubereiten. Dabei können neue Lektionen geübt, Hilfen verfeinert oder Probleme gelöst werden. Damit Pferd und Reiter aber über den gesamte Wintersaison Spaß an der Arbeit haben, ist Abwechslung sehr wichtig, egal ob für Turnier- oder Freizeitreiter.

 

Cavalettiarbeit für Anfänger

 

Um die Pferde in Losgelassenheit, Durchlässigkeit und Geschmeidigkeit zu fördern, empfiehlt sich für den Winter die Cavalettiarbeit. Ohne viel Aufwand lässt sich das „Stangen treten“ einmal pro Woche in das Training einbauen. Das Pferd wird zur Dehnungshaltung veranlasst, die Balance und das Mitdenken des Pferdes wird gefördert, die Losgelassenheit und die Durchlässigkeit erhöht, die Sprungkraft aufgebaut und zusätzlich wird auch das Augenmaß des Reiters geschult. Um mit dem Training zu beginnen werden die Cavalettis flach auf den Boden gelegt oder auf die niedrigste Einstellung gestellt. Zu Beginn geht das Pferd im Schritt über die Stangen. Geschieht dies sicher und ohne Zögern, kann der Abstand vergrößert werden und das Pferd kann im Trab über die Stangen treten. Zur Cavaletti-Arbeit eignen sich normal Stangen in Kombination mit Cavaletti-Blöcken.

 

Dabei trabt der Reiter leicht an die Stangen heran und nimmt dann den Entlastungssitz ein, wobei das Gesäß leicht aus dem Sattel gehoben wird und der Oberkörper leicht nach vorne gebeugt wird. Durch das Vorgehen des Oberkörpers gehen die Hände automatisch in Richtung Pferdemaul und ermöglichen dem Pferd eine vorwärts abwärts Dehnung. Zum Kennenlernen der Arbeit eignen sich Cavalettis auf gerader Linie am besten, diese können zum Anfang auf dem Hufschlag aufgebaut werden. So dient die Bande als Anlehnung, Ausweichmanöver können verhindert werden und der Reiter kann sich auf seinen Sitz konzentrieren.

Horseweb empfiehlt zur praktischen Umsetzung und Vertiefung das Buch Cavaletti: Aufbauten, Abmessungen von Ingrid Klimke.

 

Cavalettiarbeit für Fortgeschrittene

 

Für fortgeschrittene Reiter können die Cavalettis auf dem dritten Hufschlag, in der Diagonale oder auf der Mittellinie bei X aufgestellt werden. Dabei kann nach dem Überwinden die Hand gewechselt oder Schritt-Trab- oder Galopp-Übergänge geritten und verbessert werden. Um Stellung und Biegung zu verbessern bietet sich die Cavalettiarbeit auf gebogenen Linien an. Hierbei können an den zwei Zirkelpunkten jeweils eine Reihe von drei bis vier Trab-Cavalettis aufgebaut werden. Der

Reiter trabt über eine Cavaletti-Reihe, wechselt dann die Hand wie bei der Bahnfigur „Durch den Zirkel wechseln“ und trabt über die andere Reihe. Durch die Cavalettis auf gebogener Linie werden die Stellung und Biegung sowie das innere Hinterbein des Pferdes besonders trainiert.

 

Wie geht ein Stangen L?

 

Die gleiche Übung kann auch mit einem vielseitigen „Stangen L“ trainiert werden, welches im Mittelpunkt des Zirkels aufgebaut wird. Dabei wird mit vier Stangen ein L auf den Boden gelegt. Dabei kann der Abstand der Stangen zwischen 60 bis 110 Zentimetern, je nach Schwierigkeitsgrad und Schrittlänge des Pferdes, betragen. Je enger die Stangen beieinander liegen, desto schwieriger kann die Aufgabe gestaltet werden. Ohne viel Aufwand kann mit diesem Aufbau eine Vielzahl von Übungen absolviert werden. Wie bei der Cavalettiarbeit kann der Reiter etwa über die langen Seiten der Stangen traben, wechselt dann die Hand und trabt über die anderen Stangen. In Kombination mit Schritt-Trab oder Galoppübergängen zwischen den Stangen fördert diese Aufgabe ebenfalls Stellung, Biegung, Durchlässigkeit, Losgelassenheit und Koordination des Pferdes.

Wir empfehlen ganz normale Hindernisstangen für ein Stangen L, weil diese flexibel einsetzbar sind und zur Vertiefung empfehlen wir das Buch Reittraining mit Stangen und Pylonen.

 

Gehorsamkeitsübungen mit den Stangen

 

Neben dieser Aufgabe, können mit Stangen eine Reihe von Gehorsamkeitsübungen, mit oder ohne Reiter, trainiert werden. Bereits mit einer einzigen Hindernisstange kann das Schritt für Schritt über die Stange treten geübt werden. Dazu sollte der Reiter an das Hindernis heran reiten und zunächst vor der Stange stehen bleiben. Ganz gezielt soll das Pferd mit dem ersten Vorderbein über die Stange treten, nach einer kleinen Pause von etwa drei bis fünf Sekunden mit dem jeweils nächsten Bein. Wenn diese Übung das erste Mal trainiert wird, möchte das Pferd am liebsten gleich das ganze Hindernis überqueren. Durch ruhiges, stetiges Üben wird das Pferd aber bald in der Lage sein, auf die feine Hilfe genau die erlaubten Schritte zu machen. Eine weitere Übung ist das Schenkelweichen an der Stange, welches ebenfalls mit oder ohne Reiter trainiert werden kann. Als einfache Übung dient die Stange als Begrenzung, ähnlich wie beim Schenkelweichen an der Bande. Dabei tritt das Pferd seitwärts, ohne dass die Vorderbeine über die Stange treten. Wenn diese Übung gut gelingt, kann das Pferd mit den Vorderbeinen vor der Stange und den Hinterbeinen hinter der Stange seitwärts gehen. Diese Übung dehnt die Muskulatur der Vor- und Hinterhand des Pferdes und es lernt dabei auf die Hilfen des Reiters, aber auch auf Gestik und die Stimme des Führers zu reagieren.

 

Schenkelweichen und Stangen

 

Fortgeschrittene Reiter können das Schenkelweichen auch im Stange L üben. Dabei kann das Pferd vor der Ecke einfach geradeaus über die Stange treten oder über die Ecke hinaus dem Schenkel weichen. Doch das „Stangen L“ hat mit oder ohne Reiter noch mehr zu bieten. Eine eher einfache Übung ist es, das Pferd durch das Hindernis zu dirigieren ohne an die Stangen zu stoßen. Dabei sollte aber auf die gerade Stellung und auf die Biegung in der Ecke geachtet werden. Etwas schwieriger wird es wenn das Pferd gerade in das „Stangen L“ hineintritt, um vor der Biegung wieder rückwärts hinaus dirigiert zu werden. Noch anspruchsvoller wird es, wenn das Pferd mit Stellung und Biegung erst durch das L geritten oder geführt wird, um vor dem Ende zu halten und rückwärts wieder hinaus zu gehen. Dies kann Anfangs gerade für Pferd und Reiter ohne Erfahrung schwierig werden. Schritt für Schritt lernen aber beide Augen, Hilfen und Hufe zu koordinieren.

 

Ecken für mehr Wendigkeit

 

Eine weitere einfache, platzsparende und vielseitig nutzbare Variante für die Stangenarbeit ist das Stangendreieck mit dem sich Rittigkeit, Gleichgewicht und Wendigkeit trainieren lassen. Dabei werden drei Stangen auf den Boden gelegt, so dass

sie ein gleichseitiges Dreieck ergeben. Ideal ist auch hier wieder der Zirkelpunkt, da die Stangen dort niemandem im Weg liegen.

 

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