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Mohammed al Maktoum versus Haya von Jordanien – „unschöne“ Geschichte

Das Familiengericht des Londoner High Court, eine der drei obersten rechtlichen Instanzen Großbritanniens, hat das Urteil über den Emir von… Artikel lesen

Martina Brueske
06.03.2020 3 min lesen
The 127th IOC Session in Monaco with IOC-President Thomas Bach and HRH Haya bint al Hussein Photo by Ian Jones for the IOC

Das Familiengericht des Londoner High Court, eine der drei obersten rechtlichen Instanzen Großbritanniens, hat das Urteil über den Emir von Dubai, Scheich Mohammed al Maktoum, Ehemann der einstigen FEI-Präsidentin Haya von Jordanien, veröffentlicht. Das Familiengericht bestätigt darin den Vorwurf der im April 2019 geflohenen Haya bint al Hussein, dass ihr Ehemann die Entführung und Inhaftierung zweier seiner Töchter angeordnet habe und darüberhinaus seine Ehefrau Haya bedroht habe. 

Der Versuch aus Dubai, die Bekanntgabe des Urteils zu verhindern, scheiterte. Das Gericht sah das “berechtigte öffentliche Interesse” an dieser Familienangelegenheit. In einem sogenannten Fact Finding Judgement kommt das Gericht zu dem Schluss, dass die Vorwürfe der klagenden Haya bint al Hussein berechtigt seien. 

Vor acht Monaten hatte die einstige FEI-Präsidentin Anträge auf Verwarnungen gegen ihren Ehemann, Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum, den Herrscher von Dubai, gestellt. Die Anträge bezogen sich auf häusliche Gewalt und den Schutz vor Zwangsverheiratung. Haya ist Mutter einer Tochter und eines Sohnes.

Im Kern steht der Vorwurf der Entführung zweier älterer Töchter Maktoums, Sheika Shamsa und Sheika Latifa. Letztere habe im Februar 2018 versucht, sich per Yacht und Jetski vor der indischen Küste davon zu machen und sei von einem Sonderkommando gestoppt und gewaltsam ins Emirat Dubai zurückgebracht worden. Die Stiefmutter Haya bint al Hussein, die inzwischen den Diplomatenstatus ihres Geburtslandes Jordanien geniesst, sei nach mehreren Versuchen zu vermitteln selbst in die Schusslinie der Kritik geraten. Die Teilnahme an den Anhörungen vor dem High Court hat Sheik Maktoum verweigert.

Wirtschaftsfaktor in Newmarket

Maktoum hat mehrere Häuser in Großbritannien, ist Besitzer der Godolphin Stables, eines der größten Rennställe in Newmarket und Mitglied des angesehenen Britischen Rennsportverbandes. Überdies befreundet mit der königlichen Familie und als Staatsoberhaupt von Dubai mit diplomatischer Immunität ausgestattet. 

Ein “unbeschriebenes Blatt” ist der Name Maktoum nicht: Stets wiederkehrend machen Bilder von erschöpften und gequälten Endurance-Pferden die Runde und die Familie Maktoum steht dabei nicht gut da. 2013 waren die Godolphin Stables in einen handfesten Doping-Skandal verwickelt. Bei neun Galoppern der Godolphin Stables waren anabole Steroide nachgewiesen worden, Trainer Mahmood Al Zarooni wurde für acht Jahre gesperrt. Der Scheich gab sich damals genauso entsetzt wie bei den Endurance-Vorfällen. 

Als die British Horseracing Authority (BHR) ihre „Fit and Proper“ – Kriterien für potenzielle Rennpferdebesitzer aufstellte, hatten die Aufsichtsbehörden wahrscheinlich Gangster und Geldwäscher im Sinn, keine ausländischen Staatsoberhäupter, schrieb Greg Wood im britischen “The Guardian”. Wohl eher jemanden, der mehr Geld in Rennen und Blutkonserven investiert hat als irgendjemand sonst in der neueren Rennsportgeschichte. Dass das ausgerechnet auf Godolphin zutrifft – Pech. Maktoums Ställe, Häuser und Institutitonen sind für Newmarket das, was Nissan für Sunderland ist: der größte Arbeitgeber, sowohl direkt als auch indirekt und von immenser Bedeutung für die lokale Wirtschaft. Angesichts der Feststellung des Familienrichters Sir Andrew McFarlane, dass Scheich Mohammed die Entführung und Inhaftierung von zweien seiner Töchter angeordnet hat, sind die Auswirkungen der BHR “Fit and Propper”-Regel Nummer neun – „Ehrlichkeit und Integrität“ –  für das Staatsoberhaupt des Emirats Dubai und British Horse Racing noch gar nicht abzusehen.  

Die Entscheidung des High Courts, das Ergebnis des Fact Finding Judgement zu veröffentlichen ist strategisch ein Vorzug. Statt mit Sonne, Sand, Dubai und edlen Vollblutpferden verbindet sich der Name Mohammed al Maktoum mit Kidnapping und Freiheitsberaubung. Tatsächlich können weder Sponsorenakquisiteure noch sonst wer jemals behaupten “man habe gar nicht davon gewusst”. Oje.  M.B.