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Kann Holstein es nicht besser?

(Elmshorn/ Kiel) Ein Rücktritt mit Folgen: Harm Sievers aus Tasdorf ist am 5. Dezember aus dem gerade erst im Frühjahr… Artikel lesen

Martina Brueske
14.12.2021 4 min lesen
Holsteiner Verband (Foto- Janne Bugtrup)

(Elmshorn/ Kiel) Ein Rücktritt mit Folgen: Harm Sievers aus Tasdorf ist am 5. Dezember aus dem gerade erst im Frühjahr gewählten Vorstand des Holsteiner Verbandes nach nur wenigen Monaten im Amt zurückgetreten. Das “Grundrauschen” im altehrwürdigen Holsteiner Verband erreicht damit eine neue Lautstärke. In einem “Offenen Brief” an den Holsteiner Verband in Kiel fordern 42 Unterstützer/innen u.a. die Direktwahl des Vorstandes durch alle Mitglieder anstelle der Wahl durch Delegierte und formulieren den Vorwurf, dass die Richtlinien der “Good Governance” nicht eingehalten wurden.

 

Unterzeichnet ist der Brief mit “Freunde des Holsteiner Pferdes”, eine ganze Reihe von Männern und Frauen tragen das Anliegen mit. Man mag das schlicht für Kritik halten wie sie in einer Demokratie stets möglich sein sollte, in einer eher konservativ geprägten Organisation wie dem Holsteiner Verband wirkt es verzweifelt. Diskutiert, kolportiert und geschimpft wird schon länger nicht nur in kleinen Zirkeln. Die Hoffnung auf mehr Transparenz und “Change” trübte sich schon am Tag der Vorstandswahl, dem 31. März 2021 ein und führte jetzt auch zum Rücktritt von Sievers. “Es geht einfach nicht”, so Sievers, “es hat keinen Sinn, wenn im Vorstand nicht vertrauensvoll und mit Respekt zusammengearbeitet werden kann.” 

 

Konfliktbewältigung und wie es nicht geht

Alte Strukturen und Konflikte im Verband hatten bereits dem Interimsvorstand  Bürden auferlegt und nicht Wenige hatten bei der Vorstandswahl am 31. März den Eindruck, das jene Mitglieder des Interimsvorstandes, die weiterarbeiten wollten, “eher abgestraft” wurden. Katrin Huesmann und Carmen Hinrichsen-Brockmeyer etwa – beide durchaus kundig und entschlossen, wenn es um Zahlen und Wirtschaftlichkeit geht – erhielten keine ausreichende Stimmenzahl der Delegierten. Huesmann sah sich im Vorfeld sogar mit eher Unerwartetem konfrontiert, wie etwa Behauptungen über Vorstandskandidaten im Rahmen einer Versammlung die man gutwillig als “Wahlkampfgetöse” bezeichnen kann. Ein ihr übermittelter Ton-Mitschnitt von Teilen einer Zoom-Konferenz des Körbezirks “Auswärtige Mitglieder” veranlasste die einigermaßen überraschte Vorstandsfrau, konkret nachzufragen.

 

Weniger die Inhalte wurden zum Thema, aber den Urhebern der Tondatei flatterte wegen “Mitschneidens im höchstpersönlichen Bereich” eine Anzeige ins Haus. Nicht von Huesmann initiiert und ohne irgendwelche rechtlichen Konsequenzen. In der griechischen Antike übrigens hat man die Überbringer schlechter Nachrichten geköpft. Das verringert sehr effektiv die Zahl der Boten  – anders gesagt: es fördert Duckmäusertum und lenkt vom Kernthema ab.

 

Offene Fragen und Vorwürfe

Der “Offene Brief” steckt voller Vorwürfe: “Vorstandsamt-, Körbezirksamt- und Delegiertenamt werden durch Postenanhäufung von zwei aktuellen Vorstandsmitgliedern zeitgleich ausgeführt. Da die Entlastung des Vorstands durch die Delegiertenversammlung erfolgt, wird die Satzung des Holsteiner Verbandes ad absurdum geführt.” Konkret richtet sich das an die Vorstandsmitglieder Dieter Feddersen, der auch Vorsitzender des Körbezirks Nordfriesland ist und an Dr. Maximilian Slawinski, 2. Vorsitzender des Körbezirks Auswärtige Mitglieder. 

 

 

Und weiter schreiben die Verfasser: “Die GOOD GOVERNANCE Verhaltensrichtlinien werden nicht umfassend beachtet. Ehrenamtliche Funktionsträger/innen sowie hauptamtliche Mitarbeiter/innen haben ihre Entscheidungen für den Verband und seine Tochtergesellschaften hiernach unabhängig von sachfremden Überlegungen, d.h. von persönlichen Interessen oder Vorteilen zu treffen. Auffällig viele Fohlenkäufe der Hengsthaltungs GmbH wurden in der Vergangenheit bei Amtsträgern des Holsteiner Verbandes – hier insbesondere – bei Mitgliedern der Delegiertenversammlung getätigt. Hier bedarf es u.E. einer eingehenden Überprüfung des Gesamtsachverhaltes.”

 

Ein deutlicher Vorwurf.  Schon lange gilt es als eine Art “offenes Geheimnis”, dass Kritiker im Holsteiner Verband durch “Einbindung” besänftigt werden. Das soll angeblich über das Delegiertenamt funktionieren oder auch auf anderen Wegen. Ein Verbandsmitglied – der Redaktion namentlich bekannt – war seinerzeit einigermaßen erstaunt, als es nur wenige Tage nach einer Bezirksversammlung mit vielen präzisen Nachfragen hinsichtlich Zahlen, Wertberichtigungen, Gewinn- und Verlusterwartungen ein Anruf aus der Hengsthaltungs GmbH in Elmshorn ereilte. Tenor: Ob man bei der Vermarktung der Fohlen behilflich sein könne? Honi soit qui mal y pense –  zu deutsch: Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt….

 

Und nun?

Verboten ist das nicht, es kann sogar klug und hilfreich sein. “Die Zahlen der Verbandsmitglieder, die Zahl der eingetragenen Zuchtstuten und der registrierten Fohlen sind seit Jahren stark rückläufig” unterstreichen die Unterstützer/innen im Offenen Brief. Die Ursachen für einen Rückgang dürften nicht nur in Unzufriedenheit oder der Struktur des Holsteiner Verbandes liegen, tatsächlich wird es zum Problem, wenn Züchterinnen und Züchter mit ihren Pferden in andere Verbände abwandern. Das schwächt die Basis der Holsteiner Zucht. Verknüpft sich das mit Misstrauen oder Skepsis, wird es noch schwerer, voran zu kommen. Dabei gäbe es doch so viel zu tun, wie die Mitglieder des Holsteiner Verbandes und auch Amtsträger nicht müde werden, zu betonen. Die Hengsthaltung etwa wirtschaftlicher zu gestalten, Immobilien klug zu nutzen und Kosten zu sparen oder die ewige Mißstimmung zwischen Privathengsthaltung und Verbandshengsthaltung aufzulösen. Das Konkurrenten selten Freunde werden, kann man sich leicht vorstellen. Nur darf dabei die wachsende Konkurrenz ringsherum nie aus dem Fokus geraten. 

 

Am 15. Dezember um 19.00 Uhr findet eine Delegiertenversammlung des Holsteiner Verbandes statt – coronabedingt als reine Zoomkonferenz. Im “Offenen Brief” wird kolportiert, dass auch Mitglieder der Delegiertenversammlung ihren Rücktritt angekündigt haben. Ob es bei Ankündigungen bleibt oder nicht, werden die nächsten Tage und Wochen erst zeigen. Noch interessanter dürfte die Antwort auf die Frage sein, wer die Nachfolge von Harm Sievers als Beisitzer antreten könnte. Erste Namen “geistern” schon herum – etwa der von Silke Zuba. Ob sich die Vorsitzende des Holsteiner Körbezirks Dithmarschen darüber freut, steht auf einem ganz anderen Blatt. 

 

“Werden Sie Mitglied im Holsteiner Verband. Mehr als ein Holsteiner kann ein Mensch nicht werden”. So wirbt augenzwinkernd ein launiger Spruch auf der Internetseite des Holsteiner Verbandes. Dafür muss Holstein wohl einiges sehr viel  besser machen. M.B.