Interview Sönke Rothenberger – Der Springreiter aus der Dressurfamilie

von Jaqueline
25. Februar 2014
25. 02
ca. 5 Minuten

Eigentlich dreht sich ja in der Familie Rothenberger alles ums Dressurreiten: Vater Sven war Weltmeister mit dem deutschen Team und ritt später bei den Olympischen Spielen mit Ehefrau Gonnelien zur Silbermedaille, Schwester Sanneke ist mittlerweile bis zum Grand Prix hin erfolgreich und die kleine Schwester Semmieke sahnt regelmäßig bei den Pony-Europameisterschaften alles ab.

Sönke Rothenberger (19) war zunächst auch gemeinsam mit Schwester Sanneke erfolgreich bei den Ponys und Junioren unterwegs bevor es ihn vermehrt in den Springsattel zog. Für seine Erfolge in beiden Disziplinen bekam er jüngst das Goldene Reitabzeichen verliehen.

Wie es sich als Springreiter unter lauter Dressurreitern lebt, wer ihn zu seiner Karriere inspirierte und warum er niemals Fußball spielen wollte, verrät Sönke im exklusiven Interview.

Im Dezember hast du im Rahmen des Frankfurter Festhallenturniers das Goldene Reitabzeichen verliehen bekommen. Was bedeutet dir diese Auszeichnung?

Diese Auszeichnung bedeutet mir verständlicherweise sehr viel, vor allem auch deshalb weil es das Kombinierte Goldene Reitabzeichen ist und das meiner Meinung nach was ganz Besonderes ist,  so etwas verliehen zu bekommen.

War auch das Turnier in Frankfurt ein ganz besonderer Rahmen, da es ja praktisch ganz in eurer Nähe stattfindet?

Richtig, für uns ist es mittlerweile ein fester Termin im Kalender, wo wir alte Freunde und Bekannte anlässlich dieses Turnieres treffen. Hinzu kommt noch, dass mein Vater und meine ältere Schwester Sanneke auch anlässlich des Frankfurter Festhallen Reitturnieres ihr Goldenes verliehen bekommen haben.

Du warst einst – zusammen mit deiner Schwester Sanneke – im Dressursattel hocherfolgreich. Immerhin bist du ja ebenfalls auf den Europameisterschaften geritten. Wie kam dann der Wechsel aufs Springpferd zustande?

Mich hat die Springreiterei schon lange interessiert. Aus Spaß kam ein Mann mit zwei jungen Springpferden vorbei, die ich über mehrere Tage ausprobieren durfte. Die Arbeit mit den Springpferden in dieser kurzen Zeit hat mir so viel Spaß gemacht, dass wir eines dieser Pferde gleich da behalten haben.

Du hast beides ausprobiert: Welche Attribute verbindest du mit Springen, welche mit der Dressur?

In beiden Disziplinen bekomme ich mit besonderen Pferden ein besonderes Gefühl und ein Kitzeln im Bauch. Einen gravierenden Unterschied gibt es jedoch: Im Springsport weiß man unmittelbar nach dem Parcours, wo man steht und kann seine Leistung gut einschätzen. Im Dressursport hingegen ist man von Richter abhängig und oft trügt das Gefühl und das Ergebnis fällt anders aus, als man sich es gedacht hätte.

Wie sieht es eigentlich heute bei dir aus? Wie viel Wert legst du auf die Dressur im Springpferde-Training?

Sehr viel. Ich denke nicht daran, ob ich jetzt ein Springpferd oder ein Dressurpferd reite. Ich versuche, die Schwächen zu verbessen ohne die guten Attribute darunter leiden zu lassen.

Vermisst du das Dressurreiten manchmal? Reitest du noch manchmal Dressur bei Turnieren?

Ich reite seit kurzem wieder ein Dressur Pferd namens Cosmo. Mit ihm habe ich jetzt schon zwei M-Dressuren geritten und gewonnen und unseren ersten St. Georg gewonnen. Reiten macht mir Spaß und wenn es ein außergewöhnliches Dressurpferd ist, gibt es mir genau so einen „Kick“, wie wenn ich mit meinen Springpferden ein S-Parcours reite.

Du hast mal gesagt, zum Springreiten hätte dich eigentlich dein Opa gebracht. Wie muss man sich das vorstellen?

Mein Opa hatte immer Springpferde erfolgreich auf internationalem Niveau gehabt. So weckte er im Grunde genommen auch mein Interesse für den Springsport. Sehr zu schätzen wusste ich vor allem, dass er mir Jonggor’s Kid Gentleman zu Verfügung stellte, welcher schon International auf Weltcupebene erfolgreich war. Dieser vereinfachte mir den Weg in den Springsattel.

Dein Onkel ist ja Yves Houtackers – hat er dir viel weitergeholfen, als es ans Springtraining ging?

Ja, sehr viel. Er verkörpert die Reiterei, die ich mir wünsche auch zu verkörpern. Seine Erfahrung und sein Können machten es überhaupt möglich für mich, innerhalb zwei Jahren im Springsattel schon mein erstes S fehlerfrei zu meistern.

Eigentlich dreht sich ja im Stall Rothenberger alles um Dressur, mit Eltern, die einst beide bei Weltmeisterschaften ritten und deinen beiden hocherfolgreichen Schwestern. Wie fühlt man sich da als Springreiter?

Pudelwohl! Meine Eltern können mir zwar nicht viel helfen, wenn es ums Springen geht, aber sie sind mir immer eine große Hilfe, wenn man in der Dressurarbeit mal Probleme hat.

Wann hast du eigentlich mit dem Reiten begonnen? Deine Schwestern berichten, dass sie praktisch gleich nach dem Laufenlernen auch geritten wären? Hattest du als Junge auch mal deine „Fußballphase“? Oder waren immer Pferde am wichtigsten?

Fußball hat mich nie interessiert. Bei mir war es ähnlich wie bei meinen Schwestern – nur dass ich auch mal im Renngalopp durch den Garten reiten wollte und mit meinem Pony über eine Gartenbank gesprungen bin. Das war viel besser als Fußball.

Was wäre dein Traum, wohin es für dich mal im Springsattel gehen soll? Gibt es ein bestimmtes Turnier, bei dem du besonders gern mal reiten würdest?

Mein Großer Traum wäre es natürlich mal in Aachen zu reiten, ob im Springsattel oder Dressursattel ist mir egal. Die Atmosphäre als Reiter muss man glaube ich einfach mal mitgemacht haben.

Wie viele Springpferde reitest du momentan? Welches ist deine Nummer 1?

Ich reite zwei Springpferde auf S-Niveau und dann noch zwei junge Springpferd 4-5 jährig. Meine Nummer eins ist Liza Minelli, mit der ich mich letztes Jahr beim Preis der Besten platzieren konnte und an Weltranglistenspringen anlässlich des Festhallen Reitturniers teilnehmen durfte. Liza Minelli wurde interessanterweise auch von meinem Opa gezüchtet.

Wie sehen deine Pläne für 2014 aus? Welche Turniere stehen in der nächsten Zeit an?

Ich denke, mein größtes Ziel ist es, dieses Jahr im Springsattel wieder am Preis der Besten teilnehmen zu dürfen und im Dressursattel lass ich mich mal einfach überraschen, wo mich die Reise hinführt.

Du bist ja auch viel mit den Hengsten von eurer Hengststation beschäftigt und reitest diese. Wie stark bist du auch am Bereich Zucht interessiert?

Ich selber reite Corpeggio täglich, einen vierjährigen Hengst von Cornet’s Stern. Es macht sehr viel Spaß, diesen Junghengst zu reiten. Für die Zucht generell interessiere ich mich sehr. Seit ich klein war, fuhr ich hauptsächlich mit meinem Opa auf Auktionen, Hengstschauen und Körplätze und befasste mich so immer mit den Abstammungen. Ich finde es sehr interessant zu sehen, wie sich Pferde entwickeln mit dem Alter und ob die Pferde, die man als junges Pferd als besonders einstuft, sich auch später so beweisen. Das ist der Grund, weshalb ich auch alle Kataloge auf Westfalen, Oldenburg und KWPN aufbewahre – mit den Notizen die mein Opa bis ins Jahr 1998 zurück gemacht hat.

Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus? Wie viele Pferde reitest du?

Ich reite täglich 3-4 Pferde je nachdem wie es meine Uni zulässt. Ansonsten studiere ich International Business Administration an der Frankfurt School of Finance and Management.

Welchen Traum – sportlich oder auch nicht – möchtest du dir unbedingt eines Tages mal erfüllen?

Ein großer Traum von mir ist einmal absolute Unabhängigkeit erreichen.

Interview: Alexandra Koch

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