Interview Julia Mestern – Mit jungen Pferden zu neuen Erfolgen

von Jaqueline Weidlich
03. Juni 2014
03.06.2014
ca. 4 Minuten

Längere Zeit war es nun ruhig geworden um Julia Mestern (37), die ja vor wenigen Jahren mit dem unnachahmlichen Deckhengst Schorsch von den ländlichen Vielseitigkeitsreitern kam und dann mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaften sowie dem Aufstieg auf die Championats-Longlist für Furore sorgte. In den vergangenen Jahren zog es die Reiterin zunächst aus dem hohen Norden Deutschlands nach Bayern ins Gestüt Schwaiganger.

Bayern ist sie treu geblieben, hat sich jedoch in Babenhausen ihre eigene selbstständig geführte Reitanlage zusammen mit ihrem Lebenspartner aufbauen können. Nun setzt sie vermehrt auf junge Pferde – wie auch beim Turnier im fränkischen Ansbach, nach dem ich Gelegenheit zu einem Gespräch mit ihr hatte.

Doppelsieg für Ihre jungen Pferde beim Geländetag in Ansbach – ein schöner Erfolg?

Ich bin super zufrieden! Beide Pferde sind wirklich toll gegangen, haben sich gut reiten lassen, waren motiviert und positiv.

Waren Sie schon öfters beim Turnier in Ansbach unterwegs?

Ich war die letzten zwei Jahre in Ansbach. Der Kurs ist immer sehr schön gebaut, die Pferde können viel lernen. Gut finde ich, dass hier immer die Rittigkeit der Pferde abgefragt wird. Nach den ersten weitläufigeren Geländepferdeprüfungen müssen sie hier gut zurückkommen und eben rittig sein.

Welches sind Ihre Ziele mit den beiden jungen Pferden von Ansbach – Lord Faelz und Quasi Gold MD – in diesem Jahr?

Beide Pferde haben mit dieser Prüfung ihre zweite Note über 8,0 erhalten, ebenso wie der Dritte im Bunde Cavalcanti, der dies schon geschafft hatte. Nun fehlen ihnen noch die Geländepferde L und eine VA Platzierung. Wenn sie das schaffen, werde ich mit den Besitzern entscheiden, ob wir zum Bundeschampionat fahren oder nicht. Für jedes Pferd/Besitzer ist die Qualifikation eine ganz tolle besondere Sache, aber nicht für jedes Pferd ist es sinnvoll dort an den Start zu gehen

Sie leben ja jetzt schon länger in Bayern und haben sich nach der Zeit in Schwaiganger selbstständig gemacht. Wie sind Sie mir diesem Schritt bisher zufrieden?

Ich war auch in Schwaiganger selbstständig tätig. Nun haben wir uns dazu entschieden, eine Reitanlage zu pachten und sind damit sehr zufrieden. Natürlich ist es oft schwer, eine eigene Anlage, Ausbildung und Turniersport zu verbinden, aber ich habe um mich ein tolles Team und mein Lebensgefährte managt den Stallbereich, so dass wir uns gut ergänzen. Leider kann er seitdem nicht mehr auf jedem Turnier dabei sein… Ich bin auch meinem Sponsor, der Firma Krämer Reitsport, sehr dankbar für die all die Unterstützung!!

Wo haben Sie Ihren Stall jetzt aufgebaut?

In Babenhausen in der Aspenstraße das Gestüt Aspenhof von Familie Jess haben wir jetzt gepachtet.

Wie müssen wir uns Ihren eigenen Betrieb vorstellen?

Wir haben Glück mit dieser wunderschönen Reitanlage, mit einer hellen, schönen 20x60m Reithalle, einem tollen Allwetterplatz und genügend Weiden, dass die Pferde alle täglich raus können. Für den Winter haben wir winterfeste Allwetterpaddocks. In dem sehr schön gebauten Stall mit 24 großen hellen Paddockboxen fühlen sich die Pferde superwohl. Um die Reitanlage können wir in jede Richtung ins weitläufige Gelände reiten, wir haben Berge, einen Fluss, aber auch flache Ebene zum Trainieren. Unser nächstes großes Ziel ist ein Trainingsgeländeplatz, hier will sich die Tierernährungsfirma IWEST einbringen. So ein Platz fehlt einfach hier in der Gegend.

Woher bekommen Sie momentan die Pferde, die Ihnen zur Verfügung gestellt werden? Sie haben ja zahlreiche junge Talente im Stall.

Ich bekomme Ausbildungs- aber auch Korrekturpferde aus ganz Deutschland Österreich und der Schweiz. Die meisten gehören Privatbesitzern oder Züchtern, die Spaß an meiner Art Pferde auszubilden haben. Zurzeit habe ich ein paar sehr gute junge Pferde, für die ich Besitzer suche, die Spaß daran haben, die Pferde im Sport zu sehen und zu fördern.

Wie sieht Ihre Planung für dieses Jahr aus? Wo möchten Sie auf jeden Fall starten?

Eigentlich wollte ich dieses Jahr mit Leo von Faelz im 3* Bereich wieder durchstarten. Leider hatte er sich im Kadertraining Anfang der Saison leicht verletzt. Das wollen wir jetzt ganz sicher ausheilen lassen und geben ihm ein wenig mehr Pause als nötig. Somit ist meine Saisonplanung etwas durcheinander gewirbelt. Damit bekommen aber jüngere Pferde die Chance, mehr in den Fokus zu rutschen. Wie der siebenjährige Grand Prix Iwest, Running Bunny oder Phips. Die fünfjährigen Pferde Quasi Gold MD, Cavalcanti und Lord Faelz möchte ich gern zum Bundeschampionat qualifizieren, sie sollen schöne Prüfungen gehen und Erfahrungen sammeln.

Wie geht es Ihrem ehemaligen Top-Pferd Schrosch, mit dem Sie ja bis zum Deutschen Meister Titel und in den Bundeskader geritten sind?

Schorschi hat seine zweite Kariere gestartet, die nun gerade 12 Jahre alt gewordene Amelie hat in ihm ein tolles Lehrpferd gefunden. Obwohl er Hengst ist, passt er so auf sie auf, sie haben schon ihre ersten Schleifen und Erfahrungen in E-Springen und E-Dressuren gesammelt. Demnächst steht auch der erste kleine Geländeritt bevor.

Auf welches von Ihren Nachwuchspferden setzen Sie die größten Hoffnungen, was den Aufstieg hin zu den ganz Großen betrifft?

Ich denke, ich bin immer von jedem meiner Pferde überzeugt, am Ende entscheidet nicht nur das Talent des Pferdes auch die Einstellung zum Sport, die nervliche Belastbarkeit, die Gesundheit und der Wille (auch zu Siegen) sind entscheidend. Ebenso natürlich muss das Verhältnis zum jeweiligen Besitzer positiv und druckfrei sein. Keiner kann sich davon befreien, wenn die Besitzer Druck ausüben, nicht so gelassen an die Aufgaben heran zu gehen, wie man es benötigt.

 

Alexandra Koch

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