Interview Jessica von Bredow-Werndl zum Weltcup-Finale – „Ich habe es noch gar nicht richtig verarbeitet!“

Jessica von Bredow-Werndl (29) hat einen erneuten Höhepunkt ihrer Karriere erreicht: Mit dem dritten Platz beim Weltcup-Finale in Las Vegas auf dem bildhübschen Rapphengst Unee (13), einem Halbbruder vonTotilas, konnte sich die Bayerin aus Aubenhausen – zwischen Rosenheim, Bad Aibling und Wasserburg gelegen – einen langgehegten Traum erfüllen. Nun steht die ehemalige Europameisterin der Junioren und Jungen Reiter, die damals für einige Jahre die Szene dominierte, ganz weit oben auf der Liste für die Europameisterschaften der Senioren in Aachen in diesem Jahr.

Ihre Gefühle dabei hat sie im Interview geschildert.

Dritter Platz und grandiose Leistung von Unee und dir – kannst du diesen Erfolg schon in Worte fassen?

Es ist wirklich ein unbeschreibliches Gefühl, auf dieses Podest zu steigen! Es ist wie ein Traum – ich muss mich immer wieder kneifen, habe es noch gar nicht richtig verarbeitet… Das dauert noch ein paar Tage.
Wie hast du den gesamten Wettkampf und vor allem die am Ende wirklich super gelungene Kür erlebt?

Ich habe nach dem 4. Platz im GP trotz zweier großer Fehler schon mit dem Podest geliebäugelt, aber nach dem verpatzten Beginn meiner Kür, wurde es eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle… Diese Arena war einfach unheimlich schwer, die Stimmung war wie elektrisiert! Doch wir haben uns beide dann doch sehr schnell gefangen und könnten noch zu Hochform auffahren – mit einem Happy End!

Es war ja Unee´s erste Reise mit dem Flugzeug und so weit. Hat dabei alles reibungslos geklappt?

Erstaunlich gut… Unee hat alles sehr gut geschafft und war relativ schnell fit in Vegas. Aber das ist schon eine heftige Tour für die Pferde. Alles muss bis ins kleinste Detail organisiert sein, um den Flug so gut wie möglich weg zu stecken.

Konntet ihr denn in Las Vegas noch ausgiebig feiern? Ich habe gesehen, dass sowohl dein Mann als auch deine Eltern mit dabei waren und dich vor Ort unterstützt haben.Waren sie ganz maßgeblich an diesem Erfolg beteiligt?

Wir haben an den letzten beiden Tagen noch Shows besucht. David Copperfield am letzten Abend war extrem gut, der „krönende“ Abschluss einer irren Woche…

Meine Familie unterstützt mich bedingungslos in meinem Sport, ich habe einen tollen Mann und eine tolle Familie! 

Wie hast du denn die Spielerstadt Las Vegas erlebt?

Ehrlich gesagt, ist die Stadt wahnsinnig anstrengend und alles ist so unwirklich… Wenn ich um 07.00 Uhr morgens zum Stall gefahren bin, war laute Party Musik in der Hotel Lobby und die Leute haben immer noch gespielt und getrunken…

Trotzdem war es eine spannende Erfahrung!

Nach diesem großen Erfolg ist vor den nächsten wichtigen Aufgaben… Wie geht es für dich und Unee weiter? Heißt jetzt das große Ziel EM Aachen 2015?

Aachen ist auf jeden Fall unser Ziel, aber ich möchte locker bleiben. Wir alle wissen, dass es sehr viel bedeutet, für Deutschland nominiert zu werden. Es ist einfach die stärkste Nation. Unee & ich arbeiten in Ruhe weiter und haben Spaß bei dem´, was wir tun. Vielleicht klappt es ja?!

Was ja oft untergeht: Neben Unee hast du ja noch mehrere talentierte Nachwuchspferde. Gerade Zaire sticht inzwischen heraus…

Zaire ist für mich eine unbeschreiblich tolle Stute mit unbegrenzten Möglichkeiten. Sie braucht noch etwas mehr Kraft und Routine. Aber die Zeit haben wir… und die möchte ich ihr auch geben und sie in aller Ruhe aufbauen.

 

Interview: Alexandra Koch