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“Impfung als Wunder der Medizin” – Infektionskrankheiten beim Pferd

Warendorf (fn-press). Die Corona-Pandemie und die Entwicklung von Impfstoffen bestimmen seit nunmehr fast zwei Jahren die Nachrichten. Nicht nur beim… Artikel lesen

Martina Brueske
22.03.2022 3 min lesen
Symbolbild (Foto:pixabay)

Warendorf (fn-press). Die Corona-Pandemie und die Entwicklung von Impfstoffen bestimmen seit nunmehr fast zwei Jahren die Nachrichten. Nicht nur beim Menschen, sondern auch im Tierreich werden Infektionskrankheiten durch Viren hervorgerufen. Grund genug, sie einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und zu schauen, wie und welchen Schaden sie anrichten und wie ein Impfstoff hilft.

Derzeit sind in Deutschland für Pferde über 30 sogenannte immunologische Arzneimittel zugelassen, zu denen auch die Impfstoffe gehören. Viele dieser Impfstoffe bieten Schutz vor viralen Krankheitserregern. Zu den wohl bekanntesten gehören jene, die gegen die „Pferdegrippe“ wirken – diese wird auch als Influenza bezeichnet und eine Impfung ist hierzulande für Turnierpferde vorgeschrieben. Warum? Die krankheitsauslösenden Influenza-Viren sind hochansteckend, sodass sie sich schnell verbreiten und mitunter eine Seuche auslösen können. Und um eine solche zu vermeiden, sind Impfungen essenziell. Ab 2023 gilt für Turnierpferde auch die Pflicht zur Impfung gegen das Equine Herpes Virus 1 (EHV-1). Ziel dieser Impfpflicht ist es, das Risiko massiver Ausbrüche des EHV-1, wie es auf einem Turnier in Spanien im Frühjahr 2021 der Fall war, zu senken.

„Impfungen kosten zwar Geld, aber wir sind in Deutschland dank solcher Impfpflichten beispielsweise zuletzt von schweren Influenza-Seuchenzügen wie in Großbritannien, Australien oder Südafrika verschont geblieben. Dort sind mehrere tausend Pferde erkrankt“, berichtet Dr. Max Bastian. Der Fachtierarzt für Mikrobiologie ist Geschäftsstellenleiter der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet). Die Geschäftsstelle der Kommission ist beim Friedrich-Loeffler-Institut angesiedelt und hat wie dieses ihren Hauptsitz auf der Insel Riems bei Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Hauptaufgabe der StIKo Vet ist es, Empfehlungen zur Verwendung von Impfstoffen auszusprechen.

Besser präventiv agieren
Ziel ist es, Pferde von vorne herein vor Infektionskrankheiten zu schützen, eine Erkrankung des Pferdes für einen späteren immunologischen Schutz soll nicht in Kauf genommen werden. Daher wird auf Impfungen zurückgegriffen. Dr. Bastian: „Die grundsätzliche Idee dabei ist es, das Immunsystem auf Erreger vorzubereiten, die mal in den Körper gelangen können.“ Dabei existieren zwei herkömmliche Weisen der Impfung: Lebend- und Inaktivimpfungen. Bei Erstgenannter werden dem Pferd abgeschwächte, lebende Erreger injiziert. „Bei Inaktivimpfstoffen werden die Viren in Kultur angezüchtet und dann inaktiviert. Die Oberflächenbestandteile bleiben dabei erhalten, sodass sich das Immunsystem daran abarbeiten kann“, erklärt Dr. Bastian.

Impfungen in schlechtem Licht?
Und obwohl Impfstoffe eben Seuchen eindämmen können, stehen sie oftmals in einem schlechten Licht. Die Gründe dafür sind vielfältig. So besteht bei viralen Infektionen etwa das Problem, dass die Immunität nicht ewig anhält. Wie Dr. Bastian verrät, muss die Impfung gegen Influenza und Herpes für eine optimale Wirksamkeit beim Pferd zweimal pro Jahr nach den initialen Impfungen – der sogenannten Grundimmunisierung – aufgefrischt werden.

Außerdem verursachen Impfungen bei einigen Pferden Nebenwirkungen wie Schwellungen, Abgeschlagenheit oder in manchen Fällen Fieber. Und auch wenn die Symptome innerhalb weniger Tage im Regelfall abklingen, rücken sie beim Ausbleiben von Seuchen in den Vordergrund. „Die Impfung wird gewissermaßen Opfer ihrer selbst. Wenn sie funktioniert, tritt die Krankheit nicht auf“, sagt Dr. Bastian. Die Nebenwirkungen bleiben dagegen bestehen. Letztendlich drehe sich dann die Beweislast um. Besitzer würden sich fragen, wozu es eigentlich die Impfung bräuchte. Für Dr. Bastian ist die Sache dagegen sehr eindeutig, weshalb er an den Verstand appelliert. Mit einer Impfung könne man sein Tier vor schwersten Erkrankungen schützen. „Sogar eine ganze Population kann vor einer schlimmen Seuche bewahrt werden. Im Grunde genommen ist es ein Wunder der Medizin, dass so etwas gelingt“, betont Dr. Bastian. FN/Nico Nadig

Den kompletten Artikel zum Thema „Impfungen als Wunder der Medizin“ gibt es im PM-Forum Digital, dem Magazin der Persönlichen Mitglieder der FN.