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Gesunder Pferdehuf

Der Winter in Europa ist lang. Die Pferdehufe werden stark belastet. Wie funktioniert der Pferdehuf und Hufmechanismus? Wie pflege ich… Artikel lesen

Felicitas Meyer
19.04.2021 9 min lesen
Symbolbild: pixabay

Der Winter in Europa ist lang. Die Pferdehufe werden stark belastet. Wie funktioniert der Pferdehuf und Hufmechanismus? Wie pflege ich den Huf richtig und was mache ich um Strahlfäule und anderen Krankheiten vorzubeugen? Horseweb gibt einen Überblick zum wichtigen Thema: Gesunder Pferdehuf!

 

Wie funktioniert der Pferdehuf?

 

Ähnlich wie ein Leichtathlet der vom Startblock aus lossprintet, laufen Pferde auf ihren Zehenspitzen. Dieser Zehenspitzengang ermöglicht die maximale Beschleunigung und die beste Kraftausnutzung bei hohen Geschwindigkeiten. Das bedeutet aber auch erhebliche Belastungen, denen der ganze Bewegungsapparat, vor allem aber der Huf ausgesetzt sind.

 

Um mit diesen Belastungen gut umgehen zu können haben Pferde, im Laufe der Evolution, verschiedene Stossdämpfer entwickelt. Die Winkelung der Gliedmaßen an den Gelenken und die Gelenkknorpel absorbieren einen Großteil der Stosskräfte, aber auch der Huf spielt dabei eine wichtige Rolle. An den Huf werden aber auch noch andere Ansprüche gestellt. Er muss so hart sein, dass sich das Pferd bei einer Flucht, auch über Steine, nicht verletzt. Gleichzeitig darf sich der Huf beim langen Grasen und den damit einhergehenden Wanderungen nicht abnutzen. Zu fest darf der er aber auch wieder nicht sein, damit er, durch die auf ihn einwirkenden Kräfte, nicht zerbirst. Zusätzlich muss das Horn die innen liegenden Strukturen vor extreme Außentemperaturen isolieren. Werder heißer Sand, noch Schnee dürfen ein Problem sein.

 

Aufbau des Pferdehufes

 

Diesen ganzen Ansprüchen wird der gesunde Huf eines Pferdes, durch einen komplizierten Aufbau gerecht. Vereinfacht beschrieben steht das Pferd nicht mit seinem Knochen in der Hornkapsel, wie wir in einem Schuh, sondern es ist darin aufgehängt. Das letzte Fingerglied, das beim Pferd das Hufbein bildet, ist von der Wandlederhaut bedeckt. Sie ist stark durchblutet, von Nerven bezogen und hat viele Ausstülpungen. Diese Lamellenform findet sich auch auf der Innenseite der Hornkapsel, so dass die Lamellen fest in einander greifen und eine stabile, aber auch flexible Verbindung bilden. Die Verlängerung dieser Struktur ist auf der Hufunterseite als „weiße Linie“ zu sehen. Diese Verbindung dient als schienenartiges Befestigungssystem für die wachsende Hufwand.

 

Die Zellen der Hornkapsel produzieren je nachdem wo sie positioniert sind, sehr unterschiedlich hartes Horn. Die Sohle und die Hufwand sind beispielsweise sehr hart. Sie bestehen aus so genanntem Röhrchenhorn. Die einzelnen Röhrchen werden von weichem Kitthorn zusammengehalten. Der Strahl hingegen, besteht aus einem extrem quellfähigen Weichhorn, das große Wassermengen aufnehmen kann.

 

Elastizität des Hufes begrenzt

 

Die unterschiedlichen Hornarten geben dem Huf die Möglichkeit seine Form zu verändern. So entsteht kein starres Gebilde sondern eine gewisse Elastizität bei Be- und Entlastung. Durch diesen so genannten Hufmechanismus, kann ein Teil der Energie aufgenommen werden. Bei Belastung weitet sich der Trachtenbereich (der hintere Teil des Hufes) und der Kronrand verengt sich. Bei älteren Hufeisen kann man die seitliche Bewegung des Trachtenbereichs als aufgescheuerte Stelle sehen.

 

Der Strahl des Hufes wird bei Belastung zusammen mit der Sohle nach unten geschoben. Er hat die Aufgabe die Abflachung der Sohle in Richtung Boden zu begrenzen und damit ebenfalls die einwirkenden Druckkräfte zu verteilen. Ein verkümmerter Strahl führt dazu, dass die Sohle sich zu weit abflacht. Wenn der Huf zusätzlich noch beschlagen und damit erhöht ist, bekommt der Strahl bei Belastung auf hartem Boden gar keinen Kontakt mehr und die Sohle drückt sich unphysiologisch weit nach unten durch.

 

Der Hufmechanismus

 

Je nachdem worauf und wie schnell das Pferd läuft ist der Hufmechanismus stärker oder schwächer ausgeprägt. Auf sehr weichem Boden, wenn das Pferd einsinkt findet gar kein Hufmechanismus statt. Tritt das Pferd auf einen Stein, kann sich der Huf auch in vertikaler Richtung verformen und damit einen Teil der Stauchungskräfte abfangen, die sonst an die Gelenke abgegeben worden wären. Das funktioniert natürlich nur wenn das Pferd unbeschlagen ist. Beschläge beeinflussen immer den Hufmechanismus. Zum einen kann die Form der Hornkapsel sich weniger verändern, zum anderen kann der Hufschutz auch dazu führen, dass je nach Beschlag und Untergrund der Hufmechanismus zu stark wird. Beschlagene Pferde, die auf hartem Untergrund traben, sind ein Beispiel dafür. Der Hufmechanismus kann nur stattfinden, wenn sich der Huf in der für das jeweilige Pferd passenden physiologischen Form befindet. Man nennt dies Hufbalance. Es gibt Richtlinien, die allerdings nicht als Schablone gelten können. Passen muss der Huf immer zum jeweiligen Pferd und seinem Bewegungsablauf, um optimal funktionieren zu können.

 

Wie wächst der Huf?

 

Neues Hufhorn wächst kontinuierlich in der Huflederhaut. Letztere hat das Wort „Haut“ nicht ohne Grund in ihrem Namen. Sie ist ein Teil der äußeren Haut, die anstelle von Haaren Horn erzeugt. Diese Lederhaut ist in verschiedene Zonen unterteilt, die unterschiedliche Hornqualitäten bilden und zusammen den Huf bilden. Dieses System ist sehr sensibel und kann durch verschiedenste Dinge gestört werden. Normalerweise dauert es etwa ein Jahr, bis sich der Huf ganz erneuert hat. Wird das System durch zum Beispiel Krankheiten, Nährstoffmangel, Bewegungsmangel und Haltungsbedingungen gestört, wird schlechtes oder weniger Horn nachwachsen. Im schlimmsten Fall trifft beides zu.

Was kann ich tun um den Horn des Hufs gesund zu halten?

 

Hufe brauchen Bewegung

 

Ein Einflussfaktor auf die Qualität des Horns ist ausreichende Bewegung. Durch diese wird über den beschriebenen Hufmechanismus die Durchblutung gefördert. Ausreichende Durchblutung ist die Voraussetzung für die Versorgung und Ernährung des Horns. Daher kann sich reine Boxenhaltung schlecht auf das Horn auswirken. Distanz und Vielseitigkeitspferde haben so gut wie nie Strahlfäule. Durch die Bewegung werden die Hufe gut durchblutet, Dreck wird rausgearbeitet und der Boden arbeitet an der Sohle und hilft bei der natürlichen Regulierung dieser. Wird das Pferd durch Reiten oder Fahren bewegt, nimmt meist der Abrieb zu und ein Beschlag wird nötig. Der verstärkte Abrieb, der durch die gesteigerte Intensität der Bewegungen den künstlichen Untergrund und das zusätzliche Reitergewicht entsteht, ist nur ein Beispiel negativen menschlichen Einflusses auf die Hornqualität.

 

Haltung wichtig für gesunden Hufhorn

 

Auch die Haltungsbedingungen können auf das Horn einwirken. Hufhorn wird bei der Aufnahme von Feuchtigkeit eher weicher und bei Trockenheit meist härter und damit auch abriebfester. Das kommt daher, dass die Böden im Sommer viel trockener und härter und damit abriebintensiver sind. Generell gilt, dass harte, trockene Böden eher zu engen, steilen und harten Hufen führen. Weiche, feuchte Untergründe hingehen führen eher zu flachen, weiten Hufen. Das ist praktisch, so lange das Pferd auf den gewöhnten Böden bewegt wird. Wird es allerdings immer auf hartem Boden bewegt und auf weichem gehalten sind Probleme vorprogrammiert. Am besten werden Pferde auf verschiedenen Untergründen gehalten. Als Beispiel auf einem eingestreuten Liegeplatz mit gepflastertem Vorplatz und ergänzend einen Schotterweg zur Koppel.

 

Fütterung für gute Hufe

 

Auch eine ausgewogene Ernährung spielt eine Rolle für die Qualität des Hufes. Mängel in der Fütterung führen nicht unbedingt sofort zu einer negativen Wirkung. Über einen längeren Zeitraum stellen sich aber Mangelerscheinungen ein zu denen auch eine schlechte Hornqualität oder verlangsamtes Hornwachstum gehören können. Es sollten Aminosäuren, Mineralien und Spurenelemente, sowie Vitamine zugefüttert werden.

 

Regelmäßiger Hufschmied

 

Weitere Faktoren, die auf das Hufwachstum einwirken, können zum Beispiel Stellungsfehler sein. Belastet das Pferd mit Stellungsfehler eine Hufwand stärker als die andere kann sich die Wuchstumsrichtung der einzelnen Hornröhrchen berändern. Die stärker belastete Seite wird steiler. Langfristige Be- oder Entlastungen, können diesen Effekt immer hervorrufen, müssen aber keine Stellungsfehler als Ursache haben. Auch Rückenprobleme oder Schmerzen in den Gliedmaßen können das Pferd zu einer ungleichmäßigen Belastung der Hufe zwingen. Das ist der Grund, warum es so wichtig ist bei einer Korrektur der Hufform das ganze Pferd, im Stand und der Bewegung, zu betrachten und zu überlegen ob überhaupt der Huf das Problem ist oder nur ein Indikator. Gerade beim Fohlen finden sich oft Fehlstellungen. Oft bedarf es nur einer kleinen Korrektur die rechtzeitig durchgeführt alles entscheiden kann.

 

Hufpflege beim Fohlen

 

Auch beim Fohlen sind die Haltungs- und Fütterungsbedingungen entscheidend für die Qualität des Horns. Auch der Huf des heranwachsenden Pferdes sollte von einem Hufschmied regelmäßig kontrolliert werden. Gerade in der Wachstumsphase muss auf ausreichend Bewegung geachtet werden. Es gelten die gleichen Grundsätze wie für den Huf des ausgewachsenen Pferdes, nur das die einzelnen Punkte in der Wachstumsphase noch wichtiger sind. Schließlich legt man hier die Grundlage für lange Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Ab einem halben Jahr beginnen die Wachstumsfugen sich zu schließen, deshalb muss man frühzeitig einen Hufschmied dazuholen, weil es danach vorbei ist mit der Stellungskorrektur.

 

Hufbeschlag ja oder nein?

 

Um den Huf gesund zu halten wird in den meisten Ställen gesalbt, gewaschen und gebürstet. Falsche Hufpflege kann dem Huf aber schnell auch schaden. Von Natur aus braucht der Huf eigentlich keine Pflege. Erst die Nutzung als Kutsch- oder Reitpferd und die eben beschriebenen damit einhergehenden Probleme machen den Schutz der Hufe nötig. Der einfachste und am häufigsten zu findende Schutz ist der Beschlag. Es ist aber egal ob dem Bahrhufgänger nur die Hufe ausgeschnitten werden oder das Pferd einen Beschlag mit Eisen oder Kunststoff bekommt: Diese Arbeiten sollten immer von einem Fachmann ausgeführt werden. Wegen des Hornwachstums sollten die Intervalle sechs bis acht Wochen betragen. Wartet man länger kann die elastische Hornkapsel geschädigt werden, weil das Eisen nicht mit wächst, sondern einwächst. Für den Beschlag kann es auch andere Gründe geben. Gleitschutz in Form von Stollen bei Spring- oder Vielseitigkeitspferden ist einer. Zur Unterstützung einer Behandlung wie zum Beispiel Sehnenschäden. Ein sorgfältig ausgewählter und angepasster Hufschutz kann dazu beitragen das Pferd ohne Verschleiß weiter zu belasten.

 

Hufkrankheiten vorbeugen

 

Neben dem Schutz durch einen Beschlag kann aber auch die Pflege eine schützende Wirkung haben. Wichtigster Pflegepunkt ist die tägliche Befreiung der Sohle von eingekeiltem Boden und Mist. Dabei müssen alle Fremdkörper entfernt werden. Besonders bei Boxenhaltung ist dies wichtig, da sich sonst Fäulnis bilden kann. Mist und Ammoniak greifen das Hufhorn an. Bestes Strahlfäulemittel ist eine frisch gemistete Box, sind sich Hufschmiede einig. Auch der von Fäulnisbakterien durchsetzte Matsch auf vielen Winterweiden kann Probleme, wie Strahlfäule hervorrufen. Deshalb müssen Stall und Auslauf immer schön sauber gehalten werden. Auch regelmäßiges Abäppeln gehört dazu.

 

Richtige Pflege des Hufs

 

Durch Waschen kann der Huf gründlich gereinigt werden und Feuchtigkeit aufnehmen. Trotzdem sollte nur gewaschen werden, wenn es nötig ist. Bei Pferden die auf feuchten Wiesen oder Sandböden stehen ist es oft unnötig, weil der Huf feucht genug ist. Werden dem Pferd die Hufe gewaschen, sollte dies nicht nur mit dem Wasserschlauch gemacht werden. Es besteht die Gefahr, dass nur der oberflächliche Schmutz entfernt wird und der gefährliche Dreck in den Strahlfurchen erhalten bleibt. Dieser begünstigt in der Kombination mit dem Wasser, die Entstehung von Fäulnisbakterien. Für eine gründliche Reinigung nimmt man am besten einen Eimer mit warmem Wasser und Schmierseife. Trockenheit und Sauerstoff ist der Feind jeder Fäulnis. Schmierseife entzieht dem Huf kein Fett. Mit einer richtig festen Wurzelbürste schrubbt man dann ordentlich den Huf. Dabei werden alle festsitzenden Dreckpartikel entfernt und der Huf zusätzlich massiert. Danach sollte, um ein Austrocknen zu verhindern ein guter Hufbalsam aufgetragen werden. Fette, Öle und Lacke können zwar das Verdunsten der Feuchtigkeit aus der Hufwand verhindern, genauso verhindern sie aber jegliches eindringen von Feuchtigkeit. Bei einem gesunden Huf sollte man auf Fett und Öl verzichten können.

Ausbrüche am Rand kann der Pferdebesitzer mit einer Hufraspel und einiger Übung selbst begradigen. Dabei ist aber Vorsicht angebracht, damit nicht etwa bis zur Huflederhaut geraspelt wird. Das wäre eine der gröbsten Störungen des empfindlichen Systems des Hufmechanismus und sollte vermieden werden. Reiter und Fahrer haben es mit einem hochspezialisierten Tier zu tun. Oft wird das vergessen und die Tiere werden nicht ihrer Bestimmung entsprechend gehalten und gepflegt. So werden Funktionsweisen, wie der Hufmechanismus, außer Betrieb gesetzt.

Für die tägliche Hufpflege reicht ein ganz normaler, klassischer Hufkratzer.

Wem der normale Hufkratzer schon längst zu langweilig ist, ganz neu sind die Designerhufkratzer im Einhorn-Stil.

Oder der Hufkratzer mit Gelgriff in pink.

Für die zusätzliche Pflege empfiehlt Horseweb das Mühlendorfer Huföl.

 

 

Wie sieht der Huf aus?

 

Der Huf des Pferdes besteht aus Hornkapsel und Mittelfinger.

Der Huf sind die, von einer Hornkapsel umhüllten, beiden letzten Fingerglieder des Mittelfingers. Sie sind übrig geblieben von einer Hand beziehungsweise einem Fuß mit ursprünglich fünf Fingern, oder Zehen. Die anderen Glieder sind im Lauf der Evolution verkümmert. Die beiden Griffelbeine rechts und links am Röhrbein sind Reste davon.

 

Ergänzungsfutter für gesunde Hufe

 

Damit der Huf dauerhaft gesund bleibt und der Hufwachstum gefördert wird, empfehlen wir die zeitweise oder regelmäßige Zugabe eines Ergänzungsfuttermittels. Hier gibt es eine große Auswahl an verschiedenen Zusätzen für den Huf, teilweise für unterschiedliche Bedürfnisse. Biontin, Zink, Kupfer, Vitamin B6, aber auch Selen, Bierhefe, Vitamin A und andere Mineralien spielen dabei eine große Rolle. Hier unsere Top 3 der Zusatzfutter rund um den Huf:

 

Platz 1: Atcom Huf-Vital. Neben der Verbesserung der Hornqualität und des Hufhornwachstums werden auch die Fellwechsel und das Schweif- und Mähnenwachstum angeregt.

Patz 2: Life Data Labs Farriers Formula. Die zertifizierte und eingetragene Topmarke aus den USA ist auch bei uns in der EU zugelassen und erhältlich.

Platz 3: Flüssiger Biotin-Booster für den Haut- Fell und Hornstoffwechsel als praktisches Liquit.

 

Der Artikel enthält themenbezogene Werbung und Produktempfehlungen.