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Fuchsstuten, die Rappfohlen garantieren

Die IAFH macht’s möglich: „Die moderne Biotechnologie ermöglicht es uns, den Züchtern wichtige Informationen zu liefern – Bausteine, die dazu… Artikel lesen

Martina Brueske
04.11.2021 3 min lesen
Fuchsstute-und-Rappfohlen_gr.-Feldhaus

Die IAFH macht’s möglich: „Die moderne Biotechnologie ermöglicht es uns, den Züchtern wichtige Informationen zu liefern – Bausteine, die dazu beitragen können, noch bessere, noch gesündere Pferde zu züchten“, weiß der Vorsitzende der International Association of Future Horse Breeding (IAFH) Dr. Wolfgang Schulze-Schleppinghoff.

Ein eindrucksvolles Beispiel für die Anwendung der neuen Verfahren in der Praxis ist die Bestimmung der Fellfarbe eines Fohlens. Denn diese ist durchaus vorhersehbar – vorausgesetzt, man weiß ein wenig mehr zu den Eltern, als dies bisher meist der Fall ist. Zum Verständnis: Es gibt Gene, die darüber entscheiden, ob ein Pferd als Fuchs geboren wird, andere bestimmen, ob das Fohlen ein Brauner oder Rappe wird. Weiß der Züchter über die Genorte der beiden Grundfarben (Fuchs und Brauner bzw. Rappe) von Stute und Hengst Bescheid, sind Fohlen in „Wunschlackierung“ planbar. Je nach Genotyp kann daher auch bei der Anpaarung einer Fuchsstute mit einem Rapphengst entschlüsselter Genetik ein Rappfohlen garantiert sein. Hoffen und Bangen und weitgehende Gewissheit erst nach vielen Fohlen gehören der Vergangenheit an – es genügt ein Blick auf einige wichtige bekannte Marker.

Die Idee, die 2016 in Vechta zur Gründung der International Association of Future Horse Breeding, kurz IAFH, führte, war visionär: Aktuellste wissenschaftliche Erkenntnisse verbunden mit modernster Laboranalytik und Auswertungsmethodik als Grundlage eines umfassenden gemeinsamen Datenbanksystems zur Verbesserung der Pferdezucht sollte geschaffen werden. Genomische Selektion war das Stichwort, vereinfacht ausgedrückt: Bestimmte Eigenschaften von Pferden, seit einigen Jahren erfasst mittels der linearen Beschreibung, sollten genetischen Markern zugeordnet werden, um damit noch besser züchterisch arbeiten zu können. Die Gesundheit der Pferde, insbesondere die Vermeidung von Erbkrankheiten, und die bessere Planbarkeit von in der Reitpferdezucht gewünschten Eigenschaften standen und stehen dabei im Fokus.

Inzwischen ist diese Vision dank jahrelanger Forschungs- und Entwicklungsarbeit Realität geworden. Ein Meilenstein auf diesem Weg war zweifellos die Umstellung der routinemäßigen Überprüfung der Abstammungen auf eine Technologie, die auf sogenannte SNP-Marker setzt. Diese genetischen Marker sind eindeutig identifizierbare Stellen im Erbgut eines Pferdes, die im Labor einfach ausgelesen werden können.  

„Das Tolle an diesem Verfahren ist, dass die Marker über das gesamte Genom verstreut sind, aktuell sprechen wir von 85.000 Positionen, also einer Art genetischem Fingerabdruck“, so Dr. Kathrin Stock, die das Projekt seitens des IAFH-Gesellschafters und renommierten IT-Dienstleister vit in Verden mitentwickelt hat und betreut. Die Genetik-Spezialistin und Tierärztin, selbst Reiterin und Züchterin, fasst den aktuellen Stand zusammen: „Das System ist nun in der Lage, aus den bekannten Informationen und diesem genetischen Fingerabdruck Schlüsse zu ziehen, die von den Züchtern in ihre Überlegungen mit einbezogen werden können.“

Die Züchter der in der IAFH zusammengeschlossenen Verbände – aktuell sind dies die Oldenburger Verbände, der Trakehner Verband, der Holsteiner Verband und das Westfälische Pferdestammbuch – können also bereits heute ganz konkret Nutzen aus der Kooperation ihrer Organisationen mit dem vit, Universitäten und Forschungseinrichtungen ziehen.

Und so einfach geht’s: Über den eigenen Online-Account haben schon jetzt alle Züchterinnen und Züchter der IAFH-Mitgliedsverbände Zugriff auf den eigenen Pferdebestand, Nennungen und diverse Veranstaltungen. 

Doch zurück zur SNP-Analytik und den darauf basierenden Anwendungen: Jede Züchterin und jeder Züchter der IAFH-Gesellschafter wird im ZüchterOnline-Account künftig einen neuen Bereich finden, in dem sich gegen geringe Gebühren bestimmte genetische Eigenschaften wie eben der Farbgenotyp eines Pferdes aus dem eigenen Bestand freischalten lassen. Weitere Eigenschaften wie die genetische Größe, Erbkrankheiten und genomisch unterstützte Vererbungsprofile folgen, sodass auch diese Aspekte dann gezielt in die züchterische Planung einfließen können.

„Mehr als 45.000 Pferde wurden in den IAFH-Gesellschafterverbänden mittlerweile linear beschrieben, und in diesem Jahr wurden bis Ende Oktober bereits rund 10.000 Fohlen mittels SNPs genetisch untersucht“, so Dr. Wolfgang Schulze-Schleppinghoff. „Für die Fohlen des aktuellen Jahrgangs liegen die genetischen Fingerabdrücke also bereits vor, die Laboranalysen sind gelaufen. Aber auch Stuten früherer Jahrgänge können jederzeit entsprechend untersucht werden. Wir sind zuversichtlich, dass wir entsprechende Angebote – natürlich ist die Bestimmung der zu erwartenden Fellfarbe nur eine von vielen Anwendungsmöglichkeiten des Screenings in der Praxis – noch in diesem Jahr anbieten können. Die Beauftragung direkt aus dem ZüchterOnline-Account wird dann 2022 an den Start gehen“, stellt Dr. Wolfgang Schulze-Schleppinghoff in Aussicht. „Die IAFH wird sich noch weiterentwickeln“, ist er überzeugt.

Wenn Sie mehr wissen möchten, schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an info@international-association-of-future-horse-breeding.com