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EM Springen: Deutsches Team gewinnt Silber – André Thieme und Marcus Ehning bleiben ohne Fehler

Riesenbeck (fn-press). Die deutschen Springreiter haben bei der Europameisterschaft in Riesenbeck die Silbermedaille gewonnen. André Thieme und DSP Chakaria sowie… Artikel lesen

Martina Brueske
03.09.2021 4 min lesen
Gold für die Schweiz Foto- Sportfotos Lafrentz

Riesenbeck (fn-press). Die deutschen Springreiter haben bei der Europameisterschaft in Riesenbeck die Silbermedaille gewonnen. André Thieme und DSP Chakaria sowie Marcus Ehning und Stargold lieferten jeweils eine fehlerfreie Runde. Insgesamt sammelte die deutsche Mannschaft in den drei Wertungsprüfungen 12.77 Strafpunkte und liegt damit weniger als einen Abwurf hinter dem neuen Europameister Schweiz (9.47 Strafpunkte). Bronze gewann der Team-Europameister von 2019, Belgien (17.34 Strafpunkte). André Thieme rangiert nach seiner Nullrunde auch im Einzel auf Silberkurs. Die Einzelentscheidung fällt am Sonntag.

Doppelnull im Nationenpreis – André Thieme (Plau am See) und DSP Chakaria (von Chap – Askari) machten wie schon am Vortag einen fabelhaften Auftakt für das deutsche Team. „Vielleicht wiederhole ich mich, aber ich liebe diese Stute einfach. Ich hoffe, meine Frau wird nicht eifersüchtig, aber das muss sie auch nicht sein“, lachte Thieme und schwärmte weiter von Chakaria: „Sie ist einfach ein komplettes Pferd.“ Wie viel Last von seinen Schultern fiel, berichtete er nach seinem Ritt: „Ich habe lange auf diesen Moment gewartet. Mir ist immer gesagt worden, dass ich das kann und jetzt kriege ich mit 46 Jahren die Chance, es mit diesem Pferd zu zeigen. Wenn der ganze Aufwand mit einer Doppel-Nullrunde in so einem entscheidenden Moment belohnt wird, dann ist das einfach schön. Es ist ein Traum, hier vor dieser Kulisse zu reiten, bei diesem Wetter, mit dieser Stimmung. Das ist absolute Werbung für unseren Sport.“ Mit nur 2.84 Strafpunkten aus dem Zeitspringen von Mittwoch liegen Thieme und DSP Chakaria in der Einzelwertung auf Rang zwei hinter dem Schweizer und amtierenden Europameister Martin Fuchs, der 1.31 Strafpunkte auf dem Konto hat.

Auch für Marcus Ehning (Borken) hätte der Tag nicht schöner beginnen können. „Heute Morgen haben wir noch den Geburtstag von meinem Sohn gefeiert und ich habe ihm gesagt, dass ich heute Abend eine Medaille mitbringe. Und das hat geklappt“, berichtete Ehning und strahlte. „Stargold hat es mir heute sehr leicht gemacht, er war heute so, wie ich ihn eigentlich kenne. Ich bin unglaublich stolz auf ihn. Er ist zehn Jahre alt, das ist seine erste Saison auf diesem Niveau.“ Erst Anfang des Jahres bestritt der Oldenburger (von Stakkato Gold – Lord Weingard) sein erstes Fünf-Sterne-Turnier. Auch für seine Mannschaft hatte Ehning nur Lob übrig: „Das ganze Team war heute einfach stark. Alle liegen unter den besten 14, das lässt für Sonntag hoffen.“ Von Tag zu Tag steigerten sich Marcus Ehning und Stargold. Nach zwei Fehlern am ersten Tag und fünf Strafpunkten am zweiten blieben die beiden am Finaltag ohne Fehler und lieferten damit die zweite wichtige Nullrunde für das deutsche Team.

Ein leichter Fehler am Aussprung der dreifachen Kombination verhinderte die zweite Nullrunde für Christian Kukuk und Mumbai. Das jüngste Paar im deutschen Team kam mit vier Strafpunkten ins Ziel. Die Freude über die erste Medaille bei seiner ersten Europameisterschaft überwog jedoch für den Lokalmatadoren. „Der Fehler geht absolut auf meine Kappe, wenn ich da mit ein bisschen mehr Schwung reinkomme, dann springt er da auch wunderbar raus. Mumbai hat alles gegeben, aber am Ende habe ich es ihm zu schwer gemacht“, gab sich Kukuk selbstkritisch, blickte dennoch optimistisch auf Sonntag: „Wenn es im Einzel am Ende mit einer Top-Ten-Platzierung ausgeht, dann bin ich mehr als zufrieden. Mein Ziel war es, mich für Sonntag zu qualifizieren. Das habe ich mehr als erreicht, deshalb gehe ich mit voller Vorfreude ins Einzelfinale. Die Mannschaftentscheidung hatte absolute Priorität. Wir haben hier jeder für sich unseren Beitrag geleistet, das war eine absolut starke Mannschaftsleistung, die mit Silber belohnt wurde. Das ist eine super Sache, hier mit meiner Familie und meinen Freunden eine Medaille feiern zu können.“

Zunächst geknickt, dann zufrieden mit seiner Championatspremiere war David Will (Marburg). Als letzter deutsche Starter hätte er mit einer Nullrunde noch Goldchancen für das deutsche Team gewahrt, doch es sollte nicht sein. Mit seinem Holsteiner C-Vier (von Cardento – Concorde) unterlief ihm ein Fehler kurz vor Ende des Parcours. „Ich habe es am Ende ein bisschen aus der Hand gegeben mit meinem Fehler. Das war ein absoluter Reiterfehler, ich bin ein bisschen zu dicht dran gekommen. Das ist meinem Pferd überhaupt nicht zuzuschreiben, er hat alles versucht“, sagte Will und ergänzte: „Erst langsam sickert es durch, dass wir Silber gewonnen haben, auch wenn am Ende noch mehr drin gewesen wäre. Aber jetzt ich bin glücklich, dass wir die Silbermedaille haben. C-Vier wird zur Belohnung erstmal ungefähr vierzehn Kilo Leckerli von seiner Pflegerin Kelsey bekommen, die hier auch einen super Job macht.“ Die Erleichterung und Freude über den Erfolg war dem 33-jährigen bei der Siegerehrung anzumerken. Danach sagte er: „Es war fantastisch, jetzt nach dieser ganzen Corona-Zeit hier in so einem Stadion mit so viele Zuschauern und bei dieser tollen Stimmung zu reiten. Das hat schon Spaß gemacht.“

Nach dem turbulenten Auftakt der EM, bei der noch vor dem Start Maurice Tebbels Don Diarado mit einem Hufgeschwür kurzfristig ausfiel und Marcus Ehning mit dem jungen Stargold nachrückte, fiel von der gesamten Mannschaft Druck ab. Silber, wie schon 2019 bei der EM in Rotterdam. „Ich muss es wiederholen: Ich bin sehr stolz auf mein Team. Unser Ziel war eine Medaille, die haben wir gewonnen. Wir haben ja einige nicht so erfahrene Reiter und Pferde im Team und in Tokio ist es nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Dann hier der Rückschlag mit dem Ausfall von Maurice und Don Diarado“, zählte Budnestrainer Otto Becker die Hürden auf. „Jeder hat hier sein Bestes gegeben und darüber bin ich sehr glücklich. Ich bin Ludger, seinem Team und der FEI sehr dankbar, dass sie dieses Championat mit diesen tollen Bedingungen möglich gemacht haben, nachdem die EM letztes Jahr eigentlich abgesagt worden war. Es war eine weise Entscheidung, sie doch durchzuführen.“   jbc

Alle Informationen über die EM in Riesenbeck, darunter Starterlisten, Ergebnisse und TV-Zeiten, gibt es hier: https://www.pferd-aktuell.de/em2021/springen-in-riesenbeck

Das ZDF-Fernsehen überträgt am Sonntag ab 15.15 Uhr das Einzel-Finale. Ebenso überträgt ClipMyHorse.TV die Prüfung.