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EM Avenches: Ingrid Klimke nach Dressur vorne – Deutsches Team knapp Zweiter hinter Großbritannien

Avenches/SUI (fn-press). Der erste Schritt Richtung Titelverteidigung ist getan: Bei den Vielseitgkeitseuropameisterschaften im Schweizer Avenches führt die zweimalige Europameisterin Ingrid… Artikel lesen

Martina Brueske
24.09.2021 3 min lesen
Maxime LIVIO (FRA) und Api du Libaire Foto: FEI

Avenches/SUI (fn-press). Der erste Schritt Richtung Titelverteidigung ist getan: Bei den Vielseitgkeitseuropameisterschaften im Schweizer Avenches führt die zweimalige Europameisterin Ingrid Klimke mit ihrem ihr Oldenburger SAP Hale Bob OLD das Feld an, allerdings dicht gefolgt von Weltmeisterin Rosalind Canter mit Allstar B (20,6) und ihrer britischen Teamkollegin Nicola Wilson mit dem Holsteiner JL Dublin (20,9). Damit rangiert Großbritannien mit 64,8 Minuspunkten auch in der Teamwertung knapp vor der deutschen Mannschaft, die mit 69,7 Minuspunkten in die weiteren Prüfungen startet. Dritte nach der Dressur sind die Franzosen (77,3 Minuspunkten).

Bevor Ingrid Klimke als letzte deutsche Starterin ins Viereck ritt, präsentierte sich ihr 17-jähriger Oldenburger angesichts der vielen Zuschauer wie ein junger Hüpfer. „Ich reite nicht so lange ab, weil er alles kann und hier so schön ging die letzten Tage, aber dann mit dem ersten Klatschen war er plötzlich so was auf Sendung“, sagte die Reitmeisterin lachend. „Er war hochmotiviert“. Ein paar Sekunden blieben ihr noch. Sie galoppierte kurz neben dem Viereck hin und wieder zurück und schon bildete das eingespielte Paar wieder eine geschlossene Einheit. „Vom Gefühl war es fehlerfrei und gut“, sagte Klimke über ihre Vorstellung. Ein Blick auf die Anzeigetafel habe ihr allerdings verraten, dass „das letzte Halten eine Zehn werden muss, sonst schaffen wir es nicht mehr“. Denn Bundestrainer hatte ihr vorher mit Blick auf das Teamergebnis etwas Druck gemacht. „Ich habe gesagt, über 80 Prozent, nun waren es 79,84, aber damit können wir leben“, sagte Hans Melzer. Umgerechnet sind dies 20,2 Minuspunkte, die Klimke zur vorläufigen Position eins verhalfen.

Mit ihrem Ergebnis brachte sie die deutsche Mannschaft zwar nicht in Führung, jedoch in Schlagdistanz auf das britische Team. Zuvor hatten bereits Michael Jung (Horb) und fischerWildWave mit 23,3 Minuspunkten ihr bislang bestes Dressurergebnis auf Vier-Sterne-Niveau abgeliefert. Entsprechend zufrieden war Jung mit dem Ausgang der Dressur. „Wir haben in den letzten Monaten, auf den letzten Turnieren, vor allem aber in den letzten Wochen überall noch einmal intensiv gearbeitet und er hat sich stetig verbessert. Letztlich ist es das, was man sich immer wünscht, dass es immer bergauf geht in Richtung Championat und dass man dann auf dem Championat die beste Leistung abliefern kann. Das hat jetzt in der Dressur schon einmal geklappt.“ Bis auf den zweiten Galoppwechsel, bei dem fischerWildWave etwas unter ihm „weggeschwommen“ sei, sah er die Dressur als eine gelungene Mischung aus „Pep und Ausdruck“ auf der einen und „Losgelassenheit“ auf der anderen Seite an. So sei der Wallach auch zum Schluss unter dem großen Applaus der Zuschauer ganz ruhig geblieben.

Bereits am Vortag waren Andreas Dibowski (Döhle) und FRH Corrida (25,6 Minuspunkte/Platz elf) sowie als Anna Siemer mit FRH Butts Avondale für das deutsche Team an den Start gegangen. Die 38-jährige Pferdewirtschaftsmeisterin gibt in Avenches ihr Debüt in einem deutschen „Senioren“-Team und wird auch in der Geländeprüfung als erste Deutsche an den Start gehen. Dafür nimmt sie 31,5 Minuspunkte mit.

Etwas besser als Anna Siemer – 30,5 Minuspunkte – schnitt Dirk Schrade (Heidemühlen) ab. Er machte am Freitagmorgen als zweiter deutscher Einzelreiter den Anfang auf dem Viereck und erlebte dabei eine ganz neue Seite seines Schimmels Casino. Der elfjährige Holsteiner, den er von Peter Thomsen übernommen hat, gebärdete sich angesichts der ungewohnten Kulisse etwas wild, insbesondere zu Beginn der Galopptour und im starken Galopp. „So kenne ich ihn wirklich nicht, er ist sonst eher von der triebigen Sorte“, sagte Schrade. „Aber man macht immer wieder neue Erfahrungen mit einem Pferd, das macht es ja auch so interessant. Es ist natürlich ein bisschen schade, weil er eine sehr solide und korrekte Dressur gehen kann.“ Für den Mannschafts-Olympiasieger von 2012, der seit vier Jahren einen Ausbildungs- und Turnierstall in Heidmühlen in Schleswig-Holstein betreibt, ist es der erste Start nach einer längeren Championatsabstinenz. „Das will man natürlich immer, aber es ist nicht so einfach, wenn man damit sein Geld verdient. Dank seiner Besitzerin Freya Rethmeier kann ich das Pferd nun aber auch länger halten und das macht natürlich Spaß. Das ist ja, warum wir das Ganze machen“, so Schrade.

So geht es weiter:
Am Samstag beginnt um 11 Uhr die Geländeprüfung über den 5.765 Meter langen Kurs kreuz und quer in und ums das Rennbahngelände in Avenches. Als erste Deutsche geht Anna Siemer um 11.28 Uhr auf die Strecke. Der erste Einzelreiter Christoph Wahler, der am ersten Dressurtag mit Carjatan S 26,0 Minuspunkte erzielte, folgt um 12.16 Uhr, danach starten Andreas Dibowski um 12.44 Uhr und Dirk Schrade um 13.36 Uhr. Den Abschluss machen – wie in der Dressur – Michael Jung um 14.20 Uhr und Ingrid Klimke um 15.36 Uhr. Planmäßig wird der letzte Teilnehmer gegen 16.10 Uhr im Ziel erwartet.

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