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Einstreumaterialien für die Pferdebox

Für gesunde Luft im Stall Jeder Pferdehalter kennt das: Neben der Beschäftigung mit dem Pferd steht auch das tägliche Ausmisten… Artikel lesen

Felicitas Meyer
27.07.2021 6 min lesen
Symbolbild: pixabay

Für gesunde Luft im Stall

Jeder Pferdehalter kennt das: Neben der Beschäftigung mit dem Pferd steht auch das tägliche Ausmisten der Pferdebox auf dem Plan. Offensichtliches wie Pferdeäpfel und nasse Urinstellen werden selbstverständlich entfernt. Begleitet wird die Arbeit aber mit Nebenwirkungen wie Staubbelastung und unangenehmen Gerüchen, was sich auf die Gesundheit von Mensch und Tier auswirkt. Daher kann es sich lohnen, über die seit längerer Zeit am Markt befindlichen Alternativen zum herkömmlichen Stroh nachzudenken.

 

Es gibt heutzutage viele verschiedene Haltungsformen für Pferde. Leben die Freizeitpartner nicht in ständiger Weidehaltung, ist der Ort, an dem das Pferd ruht und frisst in der Regel seine Box, zumindest aber ein überdachter und eingestreuter Unterstand, den die Tiere als Ruhe- und Futterplatz nutzen können. Dieser Ort wird meist auch zum Erleichtern genutzt. Je nach Pferd und Fütterung fallen pro Tier täglich zwischen 10 und 20 kg Kot und 5 bis 10 l Urin an, was zusammen mit der Einstreu schnell 20 bis 30 kg Mist pro Pferd und Tag bedeutet. Daraus ergeben sich auch die wichtigsten Gründe, warum eine Pferdebox eingestreut wird: Zum einen stellt das Streu einen trockenen, weichen und damit behaglichen Bereich dar, den die Pferde gern als Liegeplatz nutzen. Zum anderen sorgt die Saugfähigkeit des Einstreumaterials dafür, dass dies auch so bleibt. Es ist also unabdingbar, dass die Feuchtigkeit (Urin) gut und sicher aufgenommen wird. Wichtig ist dabei, dass die Einstreu täglich kontrolliert wird, Pferdeäpfel abgesammelt und nasse Stellen wieder durch trockenes Material ausgetauscht werden. Denn Kot und Urin beginnen mit zunehmender Verschmutzung in jeder Streu in einen Fäulnisprozess überzugehen, was das übelriechende Gas Ammoniak entstehen lässt. Dieses ist giftig und belastet die empfindlichen Atemwege der Pferde. Kommen noch Staub und Schimmelsporen aus zum Beispiel inadäquaten Streu-Lagerungen hinzu, können Allergien bis hin zu chronischen Lungenerkrankungen die Folge sein. Dieser gesundheitliche Aspekt zählt sowohl für das Pferd, das in seiner Schlafstätte mit diesem Untergrund leben muss wie auch für den Menschen, der beim Misten und anschließenden Einstreuen der zum Teil erheblichen Staubbelastung ausgesetzt ist. Auch die Hufgesundheit gilt es miteinzubeziehen, die in einem dauerhaften feuchten oder nassen Milieu ebenfalls sehr in Mitleidenschaft gezogen wird.

 

Matratze als Basis

 

Erkrankungen der Atemwege durch belastete Stallluft sollen laut Schätzungen bei Hauspferden sogar sehr häufig vorkommen. Den Stall besonders oft auszumisten, ist laut wissenschaftlichen Untersuchungen allerdings nicht das All-Heilmittel. Demnach soll die sogenannte Matratzenstreu, bei der eine Grundeinstreuung sechs bis acht Wochen auf dem Boden verbleibt und Stellen, die von Pferdeäpfeln und Urin befreit wurden, wieder nachgestreut werden, die geeignetere Methode sein. Sie isoliert gegen den kalten Stallboden und die sich in der Matratze bildenden Mikroorganismen spalten den Ammoniak und binden Stickstoff, was zu einer besseren Stallluft beiträgt. Allerdings muss bei dieser Form aus hygienischen Gründen täglich übergestreut werden.

Nach wie vor ist das Weizenstroh in vielen Pensionsställen der Klassiker zum Einstreuen. Es ist kostengünstig und kann als Dünger wiederverwertet werden, denn es verrottet schnell auf den Feldern. Meist knabbern die Pferde auch gern an dem frisch eingestreuten Stroh, was aber vermieden werden sollte, da es schwerer verdaulich ist und bei einer übermäßigen Aufnahme zu Verstopfungskoliken führen kann. Mit einer ausreichenden Gabe von anderem Raufutter kann dem leicht entgegengewirkt werden. Zudem sind die hohe Staubbelastung und das große Risiko eines Schimmelbefalls, wenn beim Pressen oder anschließender Lagerung Feuchtigkeit eindringen konnte, ein nicht unerheblicher Nachteil. Auch die Lagerungsfläche beziehungsweise der Platzbedarf für die herkömmlichen Bunde oder Rundballen, zu den die Langhalme gepresst werden, muss berücksichtigt werden. Damit ergeben sich einige Gründe, die seit einiger Zeit am Markt befindlichen Alternativen zum Stroh als Einstreu in Betracht zu ziehen. Auf dem ersten Blick sind die alternativen Einstreumaterialien zwar höher im Grundpreis, zirka 240 €/t im Schnitt, wogegen das Stroh im vergangenen Jahr im Bundesdurchschnitt zu knapp 81 € je Tonne gehandelt wurde. Sie können aber durch geringeren Verbrauch, Handhabung, Eigenschaften und Haltbarkeit wirtschaftlicher sein.

Altbewährtes – neue Form

 

Als Alternative zum Langhalm-Stroh sind die Stroh-Pellets interessant. Sie weisen eine sehr hohe Saugleistung auf, die von den Herstellern mit bis zum fünf- bis sechsfachen des Eigengewichts eines Pellets beziffert wird. Durch ein spezielles Herstellungsverfahren unter sehr hohen Temperaturen sind die Pellets staub- und keimfrei, was sie dadurch besonders für Allergiker und hustende Pferde prädestiniert. Ein weiterer Vorteil ist das deutlich geringere Mistaufkommen, die Angabe beläuft sich auf bis zu 60 % weniger Mist. Der Kot soll sich leichter absammeln und feuchte Stellen einfacher entfernen lassen. Letztere werden in der Box zum Abtrocknen verteilt. So spart man auch Einstreu. Mist mit Pellets aus 100 % Getreidestroh lässt sich außerdem als Wirtschaftsdünger oder in Biogasanlagen verwerten, da er sich schnell zersetzt. Je nach Pferd und dessen Bedürfnissen sollte eine Grundschicht aus ungefähr 5 cm auf der Bodenfläche der Box, oder des Unterstandes bei Offenstallhaltung, ausgebracht werden. Weniger ist nicht ratsam, damit die Tiere nicht bis zum Boden durchtreten können. Beim erstmaligen Ausbringen werden die Pellets angefeuchtet, damit diese aufquellen und sich so leichter auflösen. Dadurch bildet sich eine weiche, rutschfeste Basis für die Matratze und die Funktionsfähigkeit der Einstreu soll bei täglichem Absammeln und Ersetzen beziehungsweise Umverteilen der feuchten Stellen für Monate gewährleistet sein. Ein Gewinn in zweierlei Hinsicht: Relativierung der höheren Anschaffungskosten, da weniger Material zum Nachstreuen gebraucht wird und die einfachere Handhabung beim Misten.

Holz, Flachs oder Stroh

 

Mit dem Ziel, Einstreu saugfähiger, staubfreier und/oder Allergiker geeignet zu bekommen, werden auch noch weitere Formen und Materialien verarbeitet. Die langen Halme der Getreidestrohsorten werden zum Beispiel gehäckselt oder auch als Mehl angeboten. Neben dem Getreidestroh wird dafür auch das sogenannte Leinstroh verwendet, das aus der Flachspflanze gewonnen und zu Häcksel verarbeitet wird. Es zeigt ebenfalls gute Saugeigenschaften, weist aber eine geringere Keimbelastung auf. Zudem enthält es Bitterstoffe und wird deshalb von Pferden nicht gefressen.

Verbreitet sind mittlerweile auch die Erzeugnisse aus unbehandeltem Weichholz. Diese sind nicht mit Schadstoffen wie Dünger oder Pestizide belastet, sind durch den Herstellungsprozess staubfreier und damit gerne bei Allergikern eingesetzt. Angeboten werden die Holzprodukte als Mehl, Späne und Pellets. Letztere bestechen durch ihre schon angesprochene einfachere Handhabe beim Misten. Die feine Struktur der Späne oder des Mehls dagegen wirken sich nachteilig aus, da sich gerade die Pferdeäpfel leicht mit der Streu vermischen und sich dadurch schlecht absammeln lassen. Auch sind die beim Einstreuen der Box die zusammengebackenen Späne, die aufgrund der fest vakuumierten Verpackungseinheiten dann von Hand zerbröselt werden müssen, etwas hinderlich. Da Holz-Streu langsamer auf den Feldern vergeht, sollte im Vorfeld die Abnahme des Mistes abgesprochen werden.

Eine exotische Alternative ist das aus Asien stammende Süßgras Miscanthus, das seit einigen Jahren mit zunehmender Tendenz auf deutschen Ackerflächen angebaut wird. Vor allem zu Energiegewinnungszwecken auf den Feldern kultiviert, rückt es zunehmend auch als Einstreu in den Fokus. Zu Pellets verarbeitet zeigt es sehr gute Saugeigenschaften und eine geringe Geruchsbildung. Außerdem soll es den Pferdeurin verstoffwechseln, sodass es nicht zur Ausbildung von Ammoniak kommt. Auch hier braucht man wie bei den oben genannten Strohpellets eine Grundeinstreu, die in der Box verbleibt. Lediglich der Kot wird abgesammelt, feuchte Stellen auf trockene verteilt, die Feuchtigkeit verdunstet. Innerhalb weniger Tage sind die Pellets zertreten, das Reinigen der Box geht dadurch schnell und einfach. Da nur noch die Pferdeäpfel abgesammelt werden, fallen laut Herstellerangaben nur noch zirka 10 % Mist an. Auf lange Sicht relativieren sich dadurch auch hier die höheren Anschaffungskosten und machen Miscanthus, auch Elefanten- oder Chinagras genannt, zu einer in mehreren Gesichtspunkten wirtschaftlich sinnvollen Alternative.

 

Geschmack und Vorlieben

 

Welche Einstreu es im Alltag im Pferdestall wird, hängt also von verschiedenen Faktoren ab. In erster Linie spielen natürlich die finanziellen Mittel eine Rolle, wenn vom günstigen Stroh auf Einstreu-Alternativen umgestiegen wird, aber auch die Bedürfnisse des Pferdes stehen im Vordergrund. Leidet das Pferd unter Umständen bereits an einer Erkrankung der Atemwege, ist die Umstellung von Stroh auf ein alternatives Einstreumedium unabdingbar. Aber auch zur Vorbeugung und nicht zuletzt auch der eigenen Gesundheit willen in Bezug auf die Staubbelastung beim Misten ist es ratsam, sich nach anderweitigen Materialien umzuschauen. Dabei gibt es nicht die eine Einstreu: ausschlaggebend sind die Handlichkeit für den Pferdehalter selbst, als auch die Befindlichkeit des Pferdes. Fühlt es sich damit wohl? Sind Liegeflächen auszumachen und damit erkennbar, dass das Pferd auch zu seinen Ruhephasen kommt? Pferde schlafen zwar auch im Stehen, richtig erholsamen Schlaf finden sie aber erst im Liegen und in Seitenlage. Auch Pferde, die im Offenstall oder ganzjährig auf der Weide mit einem großzügigen überdachten Unterstand gehalten werden, wählen nachweislich bevorzugt einen weichen, trockenen und sauberen Liegeplatz. Grundsätzlich ist das Wohl der Pferde oberste Prämisse. Neben dem Aspekt, ob sich die Einstreu leicht misten lässt, ist ein weiterer Punkt der Verschmutzungsgrad, beziehungsweise die Durchfeuchtung und damit Geruchsbildung der Einstreu schon nach kurzer Zeit. Des Weiteren sollte die Entsorgung des Mistes organisiert sein.

Produktempfehlungen:

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Ecoflax Lein Einstreu

Roggenstroh

Hanfeinstreu

Strohpellets

Text: Agentur Hafensänger

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