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Einstieg in die Pferdezucht – Teil II Geburt und erste Stunden

Warendorf (fn-press). Die Entscheidung pro Pferdezucht und Fohlen ist gefallen, die Stute ist tragend. Nun heißt es warten, bis fast… Artikel lesen

Martina Brueske
16.03.2022 5 min lesen
Fohlen (Foto: twenty20photos

Warendorf (fn-press). Die Entscheidung pro Pferdezucht und Fohlen ist gefallen, die Stute ist tragend. Nun heißt es warten, bis fast ein Jahr später ein hoffentlich gesundes und munteres Fohlen das Licht der Welt erblickt. Hier gibt es Antworten darauf, woran man erkennt, dass es „losgeht“, wie eine normale Geburt abläuft und was in den ersten Stunden eines Fohlens unbedingt zu beachten ist.

Es geht los? Wie läuft die Geburt ab?
Rund elf Monate oder auch als Faustregel 336 Tage dauert es, bis ein Fohlen geboren wird, manche Stuten lassen sich aber auch länger Zeit. Dass es bald losgeht, erkennt man daran, dass das Euter der Stute anschwillt und sich kleine Harztropfen an den Zitzen bilden. Ein, zwei Tage vor der Geburt erschlaffen die Muskeln und Bändern im Beckenbereich. Heute gibt es verschiedene Geburtsmeldesysteme (Gurt, Halfter, Chip), die über Smartphone melden, wenn sich im Stall etwas in Richtung Geburt tut. Viele Stuten bevorzugen die ruhigen Nachtstunden, um ihr Fohlen ungestört zur Welt zu bringen. Nach dem Platzen der Fruchtblase und einem schwallartigen Abgang des Fruchtwassers beginnen die Presswehen und die Stute legt sich hin. Wenn alles gut läuft, ist als Nächstes eine bläulich schimmernde Blase, die Eihaut, im Schambereich zu erkennen, danach folgen die beiden Vorderbeine und die Nüstern. Sind erst einmal Kopf und Schultern des Fohlens zu sehen, ist der Rest meist ein Kinderspiel. Ganz wichtig ist jedoch, dass die Eihaut bei der Geburt auch wirklich aufreißt, damit das Fohlen atmen kann. Schleim in den Nüstern kann durch Umfassen der Nase mit den Fingern aus den Nüstern ausgestrichen werden. Die eigentliche Geburt dauert oft nur 20 Minuten, sollte sich das Ganze spürbar verzögern, ist rasche fachmännische Hilfe gefragt. Als Züchter sollte man daher stets wachsam und vorbereitet sein und die Telefonnummer des Tierarztes bereithalten.

Ganz abgeschlossen ist die Geburt erst, wenn auch die Nachgeburt (Plazenta) vollständig abgegangen ist da ist. Zwei Dinge sind hier wichtig. Man sollte keinesfalls versuchen, die Nachgeburt aktiv aus der Stute zu ziehen, und gegebenenfalls durch Hochbinden – zum Beispiel mit einem Strohband – verhindern, dass die Stute darauf tritt. Zudem muss man penibel darauf achten, dass die Nachgeburt vollständig abgegangen ist. Verbleibt auch nur ein kleiner Rest in der Stute, kann dies zu ernsthaften gesundheitlichen Komplikationen, wie zum Beispiel einer Geburtsrehe, führen. Ein Nachgeburtsverhalten liegt vor, wenn die Nachgeburt nicht innerhalb einer Stunde nach der Geburt abgegangen ist. Sollte die Nachgeburt bis zwei Stunden nach der Geburt immer noch nicht abgegangen sein, ist unbedingt der Tierarzt zu rufen. Überhaupt ist es ratsam, am nächsten Tag den Tierarzt zu rufen, um eine professionelle Nachsorge von Stute und Fohlen zu gewährleisten.

Was passiert in den ersten Lebensstunden des Fohlens?
Direkt nach der Geburt ist das Fohlen noch über die Nabelschnur mit der Mutter verbunden. Diese reißt jedoch an einer „Sollbruchstelle“, sobald die Stute aufsteht. Der Nabelstumpf beim Fohlen sollte danach desinfiziert werden. Auf keinen Fall sollte man die Nabelschnur durchschneiden, da die Gefahr einer Blutung groß ist. Die ersten Stunden im Leben eines Fohlens sind in vielerlei Hinsicht entscheidend. Ein gesundes Fohlen legt sich zunächst in Bauchlage, wird dann aufstehen und den Weg zum Euter suchen. Die erste Milch, die es aufnimmt, die sogenannte Kolostral- oder Biestmilch, ist extrem wichtig für das Immunsystem des Fohlens. Erfahrene Züchter haben daher immer ein sauberes Fläschchen mit Sauger und ein geeignetes sauberes Gefäß zum Abmelken in der Geburtskiste, um im Notfall das Kolostrum der Stute abzumelken und über das Fläschchen an das Fohlen geben können. Hat es das neugeborene Pferdekind bis dahin geschafft, werden die meisten Züchter erst einmal durchatmen. Dennoch sollte man die ersten 24 Stunden aufmerksam bleiben, denn gerade in dieser Zeit kann noch viel passieren. Für das Fohlen wird es noch einmal anstrengend, denn bevor es mit der Verdauung so richtig klappt, muss es das sogenannte Darmpech loswerden. Hengstfohlen tun sich hier meist etwas schwerer. Sollte es Probleme geben, kann der Züchter mit einem Einlauf/Klistier etwas nachhelfen. Ist auch dies überstanden und das Fohlen säuft, schläft und macht dazwischen seine ersten Gehversuche, kann sich auch der Züchter endlich wieder etwas Zeit für sich selbst nehmen.

Kleiner Tipp: Als Hilfestellung, ob mit dem neugeborenen Fohlen alles in Ordnung ist, kann das in der Universität Gießen entwickelte „Giessener Vorsorgeschema“ herangezogen werden.

Wie wächst das Fohlen am besten auf?
Licht, Luft und viel Bewegung sind das A und O in den ersten Wochen eines Pferdekindes. Auch wenn manche Kleinen zu Beginn noch etwas wackelig und krumm auf den Beinen stehen, sollte man sich nicht gleich Sorgen machen. In der Regel reckt und streckt sich das in den ersten Tagen zurecht. Ein bisschen Erziehung gehört von Anfang an dazu, wenn man nicht später einen ausgewachsenen Wildfang haben möchte. Wer sein Fohlen schon früh und spielerisch an ein Halfter und das Führen neben der Stute und ans Hufe-Aufheben gewöhnt, hat es später im Umgang deutlich leichter. Es versteht sich von selbst, dass dies alles in ruhiger Atmosphäre geschehen sollte. Hilfreich dabei ist, wenn schon die Mütter vertrauensvoll und gelassen auf die Menschen in ihrer Umgebung reagieren, denn die Fohlen schauen sich das von ihnen ab.

Übrigens: Innerhalb der vom Zuchtverband festgelegten Frist – in der Regel 28 Tage – muss die Geburt des Fohlens beim Zuchtverband gemeldet werden. Das kann bei den meisten Verbänden auch online erfolgen. Die Abfohlmeldung bleibt jedoch weiterhin beim Züchter und wird erst bei der Fohlenregistrierung benötigt.

Wie sieht die finanzielle Seite der Pferdezucht aus?
Züchten ist für die meisten ein Hobby und kostet Geld, dessen sollte man sich vor der Entscheidung immer klar sein. Ob später davon wieder etwas zurückkommt, eventuell durch einen gewinnträchtigen Verkauf des Fohlens, darauf gibt es keine Garantie. Wer ein Fohlen zieht, muss damit rechnen, dass er es bis ins reitbare Alter aufziehen und dann für die Grundausbildung sorgen muss. Denn es gibt einen Markt für Fohlen und einen für Reitpferde, dazwischen ist es oft schwierig, einen Käufer zu finden beziehungsweise einen kostendeckenden Preis zu erzielen. Die wesentlichen Kosten fallen für die Haltung und die Fütterung der Stute an, dazu kommen die Kosten für den Tierarzt und das Besamungsmanagement inklusive der Deckgebühr für den Hengst. Dies alles kann nach den vorhandenen Möglichkeiten stark variieren. Sicherlich ist die Zucht eines Shetlandponyfohlens in Robusthaltung günstiger als die eines deutschen Reitpferdes. Hier können sich die Kosten bis zum Abfohlen schnell einmal auf über 5.000 Euro summieren, vor allem, wenn die Stute nicht im eigenen Stall in Eigenregie gehalten werden kann.

Mehr Informationen zum Einstieg in die Pferdezucht bietet das PM-Online-Seminar: „Das 1×1 der Pferdezucht & Management der Zuchtstute aus tierärztlicher Sicht“ am Dienstag, 22. März von 20 bis 21.30 Uhr mit Dr. Teresa Dohms-Warnecke, stellvertretende Geschäftsführerin des Bereichs Zucht der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und Tierärztin Dr. Jutta Sielhorst..

Teil 1: Einstieg in die Pferdezucht: Von der Idee bis zur Trächtigkeit