Dressur, Polizei/Feuerwehr Meldung

Rothenberger: Der Stand der Dinge am Morgen danach

Auf der Homepage von dem Dressur-Stall Rothenberger kommt jetzt die erste Meldung von dem Tag danach: „Eigentlich fing der 28…. Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
01. 03 3 min lesen
Symbolbild. (Foto: pixabay)
Auf der Homepage von dem Dressur-Stall Rothenberger kommt jetzt die erste Meldung von dem Tag danach:

„Eigentlich fing der 28. Februar 2019 auf dem Erlenhof als ganz normaler Morgen an. Um halb sechs erwachte der Stall allmählich, und es war nichts Ungewöhnliches festzustellen. Eine Viertelstunde später wurde Sanneke wach, weil unsere Hündin Nera unten im Haus unruhig war und nervös bellte. Das war unser Glück im Unglück – wäre Sanneke nicht ausnahmsweise genau dann genau da gewesen, wäre alles für unsere Pferde viel schlimmer gekommen. So blickte sie aus dem Fenster … und sah den Rauch aus dem Stall aufsteigen (der Wind stand so, dass noch nicht einmal etwas zu riechen war). Ohne an sich selbst zu denken, weckte sie Sönke und rannte dann in Boxershorts in den Stall, um nach den Pferden zu sehen.

Zu diesem Zeitpunkt – also innerhalb weniger Momente – hatte sich der Brand schon so weit entwickelt, dass ihnen eine Hitzewand entgegenschlug und für die Pferde, die im vorderen Bereich des Stalles standen, jede Hilfe zu spät kam – wie der Tierarzt später zu Sönke sagte, sie waren so schnell tot, dass sie das Verbrennen nicht mehr gespürt haben.

So müssen wir leider Abschied nehmen von Sannekes treuem Juniorenpferd und unserem verlässlichem Weidegruppen-Friedensstifter Paso Doble, von Kid Gentleman, der Sönke das Einmaleins des Springsports gelehrt hat, von Semmies wunderhübscher Nachwuchshoffnung Fayola und von Zum Glück, an dem Sönke große Freude hatte. Auch das Pony einer schwedischen Nachwuchsreiterin, das von Semmieke trainiert wurde, wurde ein Opfer des Brandes.

Einen siebten Sinn hatten nicht nur Sanneke und Nera, sondern auch Cosmo – so wild er sich benehmen kann, wenn ihm danach ist, gestern folgte er Sönke – ohne Halfter! – aus dem brennenden Stall wie ein Lämmchen, legte ihm die Nase zwischen die Schulterblätter, als wollte er ihm Atem spenden, und folgte ihm hügelaufwärts in sein Notquartier bei Familie Krause. Auch Goldi zeigte die besten Seiten ihres Ponycharakters und ließ sich von Sanni in aller Ruhe aus dem Stall führen.

Während dann einige der anderen Pferde den Wink der geöffneten Boxentüren verstanden und ins Freie flüchteten, waren andere in ihrer Panik nur schwer dazu zu bewegen, das Inferno zu verlassen. So zogen sich Sönkes Stuten Luna und Kantate schwere Verbrennungen zu, ihr Zustand ist sehr kritisch. Etwas besser erging es St. Anton; auch er erlitt zwar Verbrennungen ersten Grades, aber die Ärzte betrachten ihn zuversichtlich.

Nun kommt also die Zeit der Bestandsaufnahme – unsere Rauchmelder haben funktioniert, aber sie konnten natürlich keine Boxentüren öffnen … was den Brand ausgelöst hat, wissen wir nicht, und wir möchten auch den Ermittlungen der Polizei nicht vorgreifen … er zerstörte unser Stallgebäude und sprang auf unsere Reithalle über, die er schwer beschädigte – und vor Allem des Danksagens.

Danke an Sanni, die sich Verbrennungen am Oberschenkel und eine leichte Rauchvergiftung zugezogen hat, weil sie nur an die Pferde gedacht hat und nicht an sich selbst. An Sönke, der ebenfalls leichte Verbrennungen im Gesicht erlitten hat, aber viel mehr leidet, weil er nicht mehr tun konnte. An unser Stallpersonal, das nach einem kurzen Gesundheitscheck in der Klinik sofort wieder in den Stall kam, um zu helfen. An unsere Familie, an die vielen Freunde, die sofort fraglos geholfen haben. An die Tierärzte, die unsere Pferde versorgt haben. Und nicht zuletzt an die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr, die alles gegeben haben, um dem Grauen Einhalt zu gebieten.

Wir können es noch nicht in Worte fassen, daher muss im Moment das eine reichen: DANKE!“

Bilder von dem Ort ges Geschehens findet man auf der Homepage Dressur-Stall Rothenberger.

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Jaqueline Weidlich

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