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Dressur, Vielseitigkeit

Lignières: Etappe 6, Tag 1

14 der 18 Konkurrenten erhielten eine Punktzahl unter 30, daher war nun die große Frage heute in Lignières: Wie tief würden… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
06.10.2019 5 min lesen

14 der 18 Konkurrenten erhielten eine Punktzahl unter 30, daher war nun die große Frage heute in Lignières: Wie tief würden die Richter wirklich gehen? Die deutsche Vielseitigkeitslegende Michael Jung wollte es herausfinden…Der Gewinn von zwei Stationen der ERM ist nur einer der vielen Höhepunkte in der Karriere des deutschen Superstars. Als er mit dem Wiesbadener Sieger Star Connection FRH bemerkenswerte 21.7 Punkte bekam, machte er sich damit zum heißen Favoriten für einen dritten Etappensieg.

“Er war so angenehm zu reiten – sehr entspannt, aber trotzdem kraftvoll”, sagt Michael über den elfjährigen Hannoveraner, der ihm zu Beginn dieser Saison zum Sieg mit dem deutschen Team in Aachen verhalf.

“Ich habe ihn immer sehr gut vor mir” erzählt er. “Er ist ein sehr einfaches Pferd mit einem super Charakter und an jedem Tag macht es Spaß, ihn zu trainieren, in jeder Disziplin. Er ist einfach phantastisch.”

Das komplette Richterkollegium – Angela Tucker (GBR) bei C, Nathalie Carrière(FRA) bei M und Andrew Bennie (NZL) bei E – stimmten dem zu und erlaubten ihm damit über 1 Sekunde Vorsprung beim morgigen Springen.

Das Feld liegt sehr eng beieinander, da einige Paare ihre persönliche Bestleistung ablieferten und so noch deutlich mehr Punkte erhielten als gewohnt. Die Zweitplatzierte Gemma Tattersall trug sicherlich zur Qualität des Feldes bei und verzeichnete 22,3 Punkte mit der temperamentvollen Stute Jalapeno III.

“Ich habe das Gefühl, dass wir uns jetzt endlich aneinander gewöhnen”, erklärt sie – und das zeigte sich, indem sie kalkulierte Risiken eingehen und noch extra Punkte in den Verstärkungen erreiten konnte.

“Wir wollen schon seit einiger Zeit an diese Punkte, hatten leider aber immer Fehler, die uns auf 25 oder 26 gebracht haben.” Die Stute wurde von Karin Donckers, ihrer ehemaligen Reiterin und belgischen Teamkollegin, bestens ausgebildet, also ging es ehrlicherweise eigentlich nur darum, sich kennenzulernen.”

Das Springen, räumt Gemma ein, ist immer noch “ein bisschen Arbeit – aber es wird besser”. Aber mit dem Blick auf ihr 5*-Debüt in Pau wird sie ja bestens vorbereitet sein.

So auch Sarah “Cutty” Cohen, die mit dem langjährigen Partner Treason eines der bekanntesten Gesichter der ERM ist. Sarah, in der Rangliste 2019 auf dem 5.Platz, musste ihr Bestes geben, um Punkte zu sammeln, und genau das tat sie. Eine präzise Vorstellung mit Leichtigkeit, bei der Treason alle seine Stärken zeigte – am Ende 23,0 – die beste internationale Note des Pferdes bisher.

“Ich dachte, es ist das letzte Event des Jahres – wir sollten unser Bestes geben”, lacht Sarah, die hofft, den siebzehnjährigen Wallach noch eine weitere ERM Saison reiten zu können.

“Er war fantastisch – er ist Mr. Beständig”, fährt sie fort. “Die Atmosphäre gibt ihm noch Aufschwung, ich musste also nur die Balance und die Kraft managen. Er ist so ein Star und er sieht so toll aus, dank Tammie (groom). Aber warten wir ab, was morgen ist!”

Das letzte Paar des Tages lieferte eine 24,5 ab und “ein strahlendes Gesicht” – Alex Bragg und Zagreb liegen damit auf Platz 4 vor dem morgigen Springen.

“Das Pferd war großartig”, strahlt er. “Er war ein wenig eckig in den Wechseln, was uns wahrscheinlich ein paar Punkte gekostet hat, aber ich bin begeistert und glücklich, damit ins Springen zu gehen.”

Das Geheimnis von Alex’ Erfolg in der Dressur, sagt er, sei der Wettkampf und das Format.

“Du musst an dich selbst glauben und glauben, dass du auf dem Podium stehen wirst”, sagt er. “Ist es offensichtlich, dass ich es da oben liebe? Ich liebe all das – dafür reite ich. Und ich werde nicht aufgeben.”

Obwohl wir einige bemerkenswerte persönliche Bestleistungen gesehen haben – darunter die des Franzosen Maxime Livio, der Api du Libaire erst seit 3 Monaten reitet und derzeit auf Rang 5 mit 25,1 Punkten liegt -, gab es auch einige, bei denen wir mehr erwartet hätten.

Tim Price und Ascona M hätten das Feld mit einer niedrigen 20 anführen können, aber ein Missverständnis beim Rückwärtsrichten führte zu Spannungen und beeinträchtigte die Note. Aber das perfekte Reiten des Kiwis und der natürliche Schwung des Pferdes haben am Ende trotzdem genug Punkte gesammelt, um mit respektablen 27,4 den 6. Platz zu erzielen.

“Ich habe immer gesagt, dass sie extrem ist – und sie kann unglaublich sein”, sagt Tim, der mit Siegeshoffnungen nach Lignières gekommen ist. “Ascona M geht in 3 Wochen nach Pau, deshalb ist dieser Fitnesstest für sie wichtig. Sie fühlte sich fantastisch an, aber die Dressur ist mit ihr immer schwierig. Ich bin froh über diese Punktzahl – sie kann das alles und könnte auch mit Michi Jung da oben auf dem Podium sein, aber bei einem Vielseitigkeitspferd hat man so viel zu beachten. Sie müssen in vielerlei Hinsicht dynamisch sein.”

Auch der aktuell Führende Chris Burton war enttäuscht, weil auch Quality Purdey sich von der Atmosphäre beeindruckt zeigte. Nach einem kostspieligen Fehler im Mittelgalopp verkrampfte sie sich im Rücken und sprang die Wechsel nach. Trotzdem schafften sie es noch, mit 30 Punkten und damit Platz 15 zu beenden.

“Diese ERM-Jungs müssen den Druck auf sie ausüben”, witzelt er und erklärt: “Sie war heute Morgen ziemlich gut, aber dann wurde sie etwas müde und wollte nicht loslassen. Aber hey – da kommt noch was und jetzt machen wir weiter. Wir müssen alle Sprünge stehen lassen, zwischen den Fahnen bleiben und versuchen, keine Pins zu zerstören.”

Chris’ 5 Punkte Vorsprung in der Serienwertung mögen unangreifbar erscheinen, wenn man seine Erfahrung im Cross betrachtet, aber er sieht sich einer engen Konkurrenz durch Jonelle Price und Gireg le Coz gegenüber, seinen nächsten Konkurrenten in der Serienwertung.

Obwohl Jardysieger Gireg le Coz nur 5 Punkte hinter Chris liegt, konnten er und Aisprit de la Loge (29.3, 13.) nicht ganz an Jonelle Price und Grovine de Revevorbeiziehen, die eine persönliche Bestzeit von 28,5 auf Rang 8 erzielten.

Jonelle: “Man merkt das ja selbst, wirklich, ich hatte heute morgen nicht den besten Ritt – er war ziemlich frech, aber wir machten das beste draus”, erklärt sie lachend.

Also, wohin bringt der heutige Tag unsere Kandidaten? Nun, wenn der Wettkampf heute zu Ende wäre, wäre alles anders – Sarah Cohen würde den 1. Platz belegen, während Jonelle Price den 2. und Chris Burton den 3. Platz belegen würde. Aber das ist die ERM – und hier ist es erst vorbei, wenn es vorbei ist.

Hier finden Sie die kompletten Dressurergebnisse.

Wie gehts weiter ?

Das Finale der Serie 2019 geht morgen mit dem Springen weiter, das in der stimmungsvollen Hauptarena von Lignières stattfindet. Unsere Top Five sind weniger als einen Springfehler beieinander, aber auch der 6.-16. Platz hat nur wenig Abstand zueinander.

Danach geht es für unsere Konkurrenten auf die schwere Cross-Country-Strecke. Mit 34 Sprüngen und einer Optimum Zeit von 6:55 Uhr ist die Zeit sicherlich machbar – aber die Geländestrecke, die sich über eine Rennstrecke schlängelt, lässt keinen Spielraum für Fehler. Mit massiven Sprüngen, kombiniert mit Abfragen für akkurates Reiten, beinhaltet es einen der schwierigsten Kurse, die wir während der gesamten Saison gesehen haben.

Der morgige Wettkampf wird ab 10.30 Uhr MEZ live übertragen, 09.30 Uhr BST, das Gelände ab 14.00 Uhr MEZ, 13.00 Uhr BST. Die Startzeiten fürs Springen finden hier, und fürs Gelände hier.

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Pressemitteilung Event Rider Masters
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