Ein Fest der Inklusion im Pferdezentrum Stadl-Paura

von Jaqueline Weidlich
28. Mai 2018
28.05.2018
ca. 7 Minuten

Das CDN-B* und CPEDI3* vereinte am vergangenen Wochenende im Pferdezentrum Stadl-Paura zwei Welten des Dressursports.

Es war eine amikale, ja fast familiäre Atmosphäre, die am vergangenen Wochenende im Pferdezentrum Stadl-Paura herrschte. Der Wettkampfgeist rückte etwas in die Ferne. Stattdessen machten sich Empathie, gegenseitige Glückwünsche und ernst gemeinte Freude über den Erfolg eines jeden Einzelnen breit. Das CPEDI3* und CDN-B* vereinte zwei Welten des Dressursports an einem Ort. In Kooperation mit dem österreichischen Para-Dressurreiter Thomas Haller wurde ein Dressurfest für Para-Reiter und Nicht-Para-Reiter veranstaltet. 100 nationale Reiter mit 117 Pferden sowie 29 internationale Para-Reiter mit 32 Pferden reisten in das historische Pferdezentrum. Sie kamen aus zehn Nationen, darunter exotischen Staaten wie Russland, Hong Kong oder Singapur. Die meisten Erfolge verzeichnete die belgische Equipe. Auch eine überragende Amazone aus Singapur und respektable Leistungen unserer heimischen Equipe machten dieses Wochenende zu einem ganz besonderen Fest des Dressursports.

„Ich war einerseits sehr beeindruckt von den Leistungen jedes einzelnen Para-Teilnehmers und zum anderen von der Motivation und dem Fleiß der Mitarbeiter des Pferdezentrums und auch der zahlreichen Helfer des ABZ Lambach, die unter der Koordination von Verena Hochradl maßgeblich zum guten Gelingen der Veranstaltung beitrugen“, so Geschäftsführer Johannes Mayerhofer.

Auch der Veranstalter des CPEDI3*, Thomas Haller, zeigte sich mit der Veranstaltung zufrieden: „Ich bin über den ganzen Ablauf des Turnieres sehr glücklich, weil alles von A bis Z gut funktioniert hat. Alle haben ihr Bestes dazu beigetragen und ich möchte mich bei den freiwilligen Helfern und dem Geschäftsführer des Pferdezentrums Stadl-Paura, Johannes Mayrhofer, bedanken. Ich bin stolz, Teil eines so professionellen Teams zu sein und freue mich, wenn wir das Turnier nächstes Jahr wieder durchführen können und dann vielleicht auch Para-Reiter bei nationalen Bewerben mitreiten.“

Gelebte Inklusion

Die Veranstalter Johannes Mayrhofer und Thomas Haller waren bemüht, die Inklusion nicht nur durch die gemeinsame Veranstaltung, sondern auch durch eine gemeinsame sportliche Leistung auszudrücken. In der neu ins Leben gerufenen Inklusionswertung wurden sämtliche Para-Reiter mit einem Nicht-Para-Reiter, der in den Bewerben LP und M an den Start ging, in ein Team gelost. Die errittenen Wertungen der beiden Teammitglieder wurden addiert und in einem eigenen Ergebnis ausgedrückt. Die drei besten Teams erhielten Sachpreise und wurden in einer eigenen Siegerehrung bejubelt. Hier gewannen Laurentia Tan und Alexandra Eiband vor Ciska Vermeulen und Katharina Haas sowie Natalia Martyanova und Martina Huebner.

„Die Inklusionswertung kam noch viel besser an, als ich es erwartet hätte. Vor allem Nicht-Para-Reiter waren von der Idee begeistert“, sagt Veranstalter Thomas Haller.

Auch die Para-Teilnehmer fanden für dieses Pilotprojekt durchwegs lobende Worte. So etwa die belgische Grad-III-Reiterin Barbara Minneci: „Das war sehr lustig! Ich habe gestern meiner Partnerin zugesehen. Ich halte das für eine sehr gute Idee, weil man so miteinander ins Gespräch kommt und eine gute Atmosphäre herrscht.“

 

Sportliche Ergebnisse

Grad I: Laurentia Tan gelingt das Triple

Laurentia Tan ist eine Klasse für sich. Das stellte die Amazone aus Singapur auch am heutigen Finaltag unter Beweis. Die aktuelle Nummer vier des FEI World Rankings der Grad-I-Para-Dressur war mit zwei Pferden nach Stadl-Paura gereist. Sowohl im Team Test, als auch im Individual hatte sie mit beiden Pferden hohe Wertnoten bekommen und zwei Doppelsiege gefeiert. Am heutigen Tag glänzte sie mit ihrem Hannoveraner Fürst Sherlock zu schönen klassischen Klängen im Kürviereck. Sie hatte eine technisch anspruchsvolle Choreographie vorbereitet. Diese meisterte die 39-Jährige bravurös. Tan und ihr Hannoveranerwallach überzeugten mit einem harmonischen und fehlerfreien Ritt und bekam überaus verdient die mit Abstand höchste Wertnote des CPEDI3*-Wochenendes verliehen. Mit 78,767 % brachten sie rund acht Prozentpunkte zwischen sich und das übrige Teilnehmerfeld. Die Singapurerin lieferte damit eine weitere Machtdemonstration ab und reiste mit drei Siegen und zwei zweiten Plätzen aus Stadl-Paura ab.

Die weiteren Plätze am Podest wurden von der Tschechin Anastasja Vistalova mit Dominique und von dem Russen Vladislav Pronskiy mit Silva le Andro besetzt.

Auch eine rot-weiß-rote Reiterin war in diesem Bewerb erfolgreich am Start. Julia Sciancalepore hatte mit ihrem erst sechsjährigen Wallach Heinrich IV an den beiden vorangegangenen Tagen zwei dritte Plätze erritten. Im Finale verlieh ihr das Richterkollegium 68,767 %, womit sie das Podest knapp verpasste und sich auf Rang vier platzierte.

Grad II: Benzinger feiert Kürtriumph

Martina Benzinger hat sich an diesem Wochenende wohl selbst das schönste Geburtstagsgeschenk gemacht. Die international erfahrene Amazone hatte schon am Freitag zweifachen Grund zum Feiern. Denn neben ihrem 57. Geburtstag ritt sie im Grad-II-Auftaktbewerb zum Sieg. Nachdem sie am gestrigen Samstag zurückstecken und sich knapp dem Italiener Maurilio Vaccaro geschlagen geben musste, stellte sie ihr Können in der heutigen Kür noch einmal so richtig unter Beweis. Mit ihrem vierbeinigen Partner, dem Westfalenwallach Fritzzantino, stellte sie in diesem Bewerb mit 72,778 % die uneinholbare Bestmarke auf und ließ bei der Siegerehrung die deutsche Bundeshymne erklingen.

Der Vortagessieger Maurilio Vaccaro erhielt mit seinem Bonaire van de Mottelhoeve in der Kür eine Wertung von 70,745 % und landete damit auf Rang zwei vor dem Belgier Jose Lorquet mit Fidelgo van het Hagehof.

Grad III: Barbara Minecci besiegelt dreifachen Triumph

Sie ist zweifellos eine der elegantesten Erscheinungen am CPEDI3* in Stadl-Paura. Die Belgierin Barbara Minecci sorgte im Damensattel auf ihrem schicken Fuchswallach Stuart nicht nur für einen imposanten Eindruck, sondern auch noch für hochklassigen Dressursport. Die 48-Jährige, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist, dominierte die Klasse der Grad-III-Reiter von Beginn an. Sowohl der Team Test, als auch der Individual wurden zu ihren Gunsten entschieden.

Ihre heutige Kür begann mit einem Einreiten im Schritt zu den düsteren Klängen von Alan Silvestris „Seeing is Believing“ bereits imposant. In der Trabarbeit wechselte die Musik zu dem fröhlichen Stück „Remy Drives A Linguini“ von Michael Giacchino. Minneci vollführte eine technisch anspruchsvolle und harmonisch umgesetzte Kür. Unter großem Jubel des Publikums setzte sie zum letzten Mal an diesem Wochenende zur Grußaufstellung an und wusste wohl schon selbst, dass sie mit diesem hochklassigen Ritt den Sieg in der Tasche hatte. „Das Pferd fühlt sich hier sehr wohl. Es ist eine wunderbare Veranstaltung, die Plätze sind sehr gut und die Organisation war großartig und daher hat auch das Pferd seine Bestleitung erbracht“, resümiert Minneci. Lobende Worte fand die Belgierin auch für die am Samstag ausgetragene Inklusionswertung, in der Para-Reiter und Nicht-Para-Reiter in Teams gewertet wurden. „Das war sehr lustig! Ich habe gestern meiner Partnerin zugesehen. Ich halte das für eine sehr gute Idee, weil man so miteinander ins Gespräch kommt und eine gute Atmosphäre herrscht.“ Die Stärke der belgischen Equipe wusste sie leicht zu begründen: „Wir arbeiten daheim hart und haben einen tollen Teamgeist. Wie sind am Turnier nicht alleine, sondern alle zusammen. Es haben alle sehr gut performt und wir werden glücklich nach Belgien zurückkehren!“

Die starke belgische Teamleistung wurde auch in diesem Bewerb unterstrichen. Landsfrau Diana Bottger und Zario R sorgten mit 70,367 % für einen belgischen Doppelsieg.

Gleich hinter den beiden Amazonen klassierte sich Veranstalter Thomas Haller mit seinem zehnjährigen Haller’s Faustus auf dem dritten Platz. „Faustus erfüllt immer alle seine Pflichten. Ich bin sehr zufrieden mit seiner Leistung!“, lobt Haller sein neues Pferd. Mit 68,711 % in der Kür ihres erst zweiten gemeinsamen internationalen Turnieres darf das Duo auch mehr als zufrieden sein.

Grad IV: Überraschungssieg durch Monika Bartys

Nachdem er die beiden Auftaktbewerbe an den vorangegangenen Tag dominiert hatte, galt der Russe Vladislav Kolosov als klarer Favorit. In der finalen Kür sollte ihm aber einer seiner Mitstreiter die Show stehlen. Monika Bartys, die vor dem CPEDI3* erst an drei internationalen Turnieren angetreten war, verzauberte in der Kür mit ihrem vierbeinigen Partner Caspar. Mit einer Wertung von 67,517 % ritt sie in genialer Manier zum Kürsieg. Damit verschaffte sie der polnischen Equipe den ersten Triumph des Wochenendes. Vladislav Kolosov musste sich hingegen auf Laurentio II mit dem zweiten Rang zufrieden geben. Der Italiener Frederico Lunghi platzierte sich mit Laudario auf Rang drei.

Grad V: Vermeulen erobert Spitze zurück

Bei den Grad-V-Reitern war in den vergangenen beiden Bewerbstagen ein spannendes Duell zwischen zwei Teammitgliedern entstanden. Während am ersten Tag Ciska Vermeulen in überragender Manier zum Sieg geritten war, musste sie im Individual am Samstag einen unglücklichen Fehler in Kauf nehmen und überließ damit ihrem Landsmann Kevin Van Ham den Vortritt. In der heutigen finalen Kür schlug die erfolgreiche Amazone, die bereits auf großen internationalen Championaten Schleifen gesammelt hatte, gekonnt zurück. Mit einer konzentriert gerittenen Kür mit vielen Höhepunkten in der Galopparbeit und ausdrucksstarken Trabpassagen ritt sie zu den Klängen von Aretha Franklins „A Natural Woman“ zum überlegenen Sieg in dieser Klasse. 74,242 % hatten sie und ihr Rohmeo für den finalen Ritt vom internationalen Richterkollegium verliehen bekommen.

Auf den weiteren Podestplätzen fiel die Entscheidung denkbar knapp. Mit einem hauchdünnen Vorsprung von 0,067 Prozentpunkten freuten sich Kevin van Ham und sein Eros van ons Heem über Rang zwei und verwiesen die Russin Natalia Martyanova mit Biker auf den dritten Platz. Die Österreicherin Susanne Wernard ritt mit ihrem österreichischen Wallach Santos zu einer Platzierung auf Rang vier.

Francz gewinnt nationalen Hauptbewerb

Auf nationaler Ebene kamen am Sonntag insgesamt neun Bewerbe von der Klasse lizenzfrei bis zur Klasse S zur Austragung. Im Hauptbewerb, der FEI Junge Reiter Einzelwertung, einer Prüfung der Klasse S, kam es zu einem oberösterreichischen Sieg. Die für das Gestüt Lindhof reitende Sophie Marlene Francz setzte sich mit ihrem österreichischen Wallach Show Man M mit 66,667 % gegen die Konkurrenz durch. Sie gewann vor der Tirolerin Martina Huebner mit Bardolino und dem Oberösterreicher Joachim Gritsch mit Winehouse.

Die Ergebnisse vom Sonntag, 27.05.2018 im Überblick

 

11/0 Para Equestrian Freestyle Test Grade IV
1 (0403) CASPAR – BARTYS Monika (POL) 67,517%
2 (0404) LAURENTIO II – KOLOSOV Vladislav (RUS) 66,809%
3 (0401) LAUDARIO – LUNGHI Frederico (ITA) 64,050%

 

12/0 Para Equestrian Freestyle Test Grade V
1 (0502) ROHMEO – VERMEULEN Ciska (BEL) 74,242%
2 (0503) EROS VAN ONS HEEM – VAN HAM Kevin (BEL) 72,067%
3 (0504) BIKER – MARTYANOVA Natalia (RUS) 72,000%
4 (0506) SANTOS – WERNARD Susanne (AUT) 63,559%

 

13/0 Para Equestrian Freestyle Test Grade I
1 (0107) FUERST SHERLOCK – TAN Laurentia (SGP) 78,767%
2 (0103) DOMINIQUE – VISTALOVA Anastasja (CZE) 70,811%
3 (0106) SILVA LE ANDRO – PRONSKIY Vladislav (RUS) 69,500%
4 (0101) HEINRICH IV – SCIANCALEPORE Julia (AUT) 68,767%
5 (0105) SYBILLA – CYCAK Magdalena (POL) 64,745%
6 (0109) STERNGREIFER – VLADOVICOVA Lucia (SVK) 62,611%

 

14/0 Para Equestrian Freestyle Test Grade II
1 (0204) FRITZZANTINO – BENZINGER Martina (GER) 72,778%
2 (0205) BONAIRE VAN DE MOTTELHOEVE – VACCARO Maurilio (ITA) 70,745%
3 (0202) FIDELGO VAN HET HAGEHOF – LORQUET Jose (BEL) 66,934%
4 (0206) ABSOLUT FOLDAGER – DMITRIEV Aleksandr (RUS) 66,311%
5 (0203) BAJKONUR – RUDOLFOVA Kristyna (CZE) 63,645%
6 (0208) STOCKHOLM – KUNTNER Michaela (AUT) 63,400%
7 (0207) DON’S DAY DREAM – TAN Maximilian (SGP) 62,745%

 

15/0 Para Equestrian Freestyle Test Grade III
1 (0303) STUART – MINNECI Barbara (BEL) 76,045%
2 (0304) ZARIO R – BOTTGER Diana (BEL) 70,367%
3 (0302) HALLER’S FAUSTUS – HALLER Thomas (AUT) 68,711%
4 (0305) DON ADRIANO 2 – HICK Bärbel (GER) 66,511%
5 (0308) AMADEUS 791 – KRIVOSUDSKA Lucia (SVK) 66,078%
6 (0306) SARAGO RAPHAEL – SCHRADER Fleur (HKG) 65,567%

 

29/0 FEI – Junge Reiter Einzelwertung
1 (AM9T) Show Man M – Francz Sophie Marlene (O) 66,667%
2 (AH92) Bardolino 4 – Huebner Martina (T) 66,447%
3 (AC13) Winehouse – Gritsch Joachim (O) 63,904%
4 (A723) Barnaby – Frey Sandra (O) 63,289%
5 (9A22) Cascada JS – Semper Julia (O) 61,535%
6 (AE46) Diego 37 – Stöglehner Thomas (O) 58,728%

 

Inklusionswertung CDN-B* & CPEDI3*

  1. Eiband Alexandra / Laurentia Tan         139,97
  2. Haas Katharina / Ciska Vermeulen        139,127
  3. Huebner Martina / Natalia Martyanova            137,082
  4. Köfler Theresa / Anastasja Vistalova      136,924
  5. Mayr Ernst / Barbara Minneci    136,672

Die gesamte Wertung gibt es hier.

(pm)

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