Dressur

Dressurstall Rothenberger – Wie es nach dem Brand erst einmal weitergeht

Nach dem Brand am Dressurstall Rothenberger ist stehen viele Aufräumarbeiten an, Auf dem Gestüt und auch Emotional. Die Erlebnisse müssen… Artikel lesen

Larissa Lienig
03.03.2019 4 min lesen
Symbolbild © www.sportfotos-lafrentz.de/Stefan Lafrentz

Nach dem Brand am Dressurstall Rothenberger ist stehen viele Aufräumarbeiten an, Auf dem Gestüt und auch Emotional. Die Erlebnisse müssen verarbeitet werden. Ein großes Stück tragen die vielen Helfer bei, die in dieser schweren Zeit die Familie und ihre Pferde unterstützen.

Gonnelien Rothenberger fasst zusammen wie es weitergeht:

„Es ist wieder dunkel – Motoren und Generatoren laufen noch, und der Geruch ist fast nicht auszuhalten. Da wir gestern noch kein Wasser im Haus hatten, wir aber glücklicherweise im LKW noch sehr gut ausgestattet waren, hat Sven für uns den LKW direkt an das Wohnhaus gefahren, so dass wir eine Duschmöglichkeit und Toilette hatten.

Die ganze Familie habe ich wieder zu Hause. Ich fühle mich viel wohler jetzt, da unsere Kinder mit ihren Freunden den ganzen Tag um mich herum sind. Sven, Semmie und ich blieben davon verschont, diesen schrecklichen Morgen live miterleben zu müssen.
Es ist furchtbar mit an zu hören, was die „Daheimgebliebenen“ miterlebt haben müssen.

Sie machen sich Vorwürfe, ob sie nicht noch mehr Pferden hätten retten können oder es anders hätten angehen sollen. Da sich das Heu und Strohlager über den Ställen befand, erkannten sie die Situation nicht, wie rasch sich das Feuer ausbreitete. Angst hatten sie, dass sie vielleicht gar kein Pferd dort lebend rausbekommen würden. Damit haben sie jetzt sehr zu kämpfen. Pferde die nicht raus wollten, obwohl die Türen geöffnet wurden. Pferde die aus dem Freien wieder durch den Stall rannten … brennend an meinen Kindern vorbei galoppierten, die ihre eigenen Pferde nicht mehr erkannten, so schlimm sahen sie aus … während die Kinder nur noch schwarz vor den Augen sahen, diese Hitze, dieses Brennen in den Augen.

Sönke, der sich Vorwürfe macht, dass er es fast nicht geschafft hätte, Cosmo aus seinem Stall zu befreien. Durch die Hitze waren die Türen fast nicht mehr zu öffnen. Durch den Rauch konnte er erst auch gar nicht erkennen, wo Cosmo war, bis er, als sich die Tür bewegte, rasch nach
vorne kam und hinter Sönke herging. Sein Atem immer in Sönkes Nacken. Wie Sönke dann wieder nach vorne rannte, versuchte Zum Glück zu retten, dabei Cosmo nicht aus den Augen zu verlieren – er durch die Hitze nicht mehr heran kam, er zusehen musste wie er sein Traumpferd
verlor, an das er so glaubte und das ihm solche Freude machte.

Es ist so schrecklich, diesen Alptraum zu verarbeiten. Die Nächte quälen sie. Ohne Svenja, die sofort in den Nachbarstall rannte, um die Pferde der Kunden zu retten, und Jan, der sofort in den Zug von Hamburg nach Frankfurt stieg, um Sanni im Krankenhaus beizustehen, wäre es
unmöglich, das alles so tapfer durchzustehen.

Was für tolle Freunde ihr habt!

Semmie, die es immer noch nicht begreifen kann, das sie nie wieder mit Fayola kuscheln kann. Wenn sie in der Box lag, fand sie es so toll, wenn Semmie sich dazu setzte und sie streichelte. Gerade hatte sie ihr die ersten fliegenden Wechsel beigebracht. Wie stolz sie beide waren. Dieses Fayola-Lächeln und diese Liebe zu diesem Pferd sind nun dahin. Sie quälen sich, nach allem was sie schon miterlebt haben, mit den Gedanken, nie mehr solche Verantwortung für ihre Tiere haben zu wollen.

Aber wenn man das achte Kapitel: „Der kleine Prinz und seine Blume“ gelesen hat, dann weiß man, dass man immer Verantwortung übernimmt, sobald man liebt!
Und ich weiß ganz genau, das sie ihre Liebe zu diesen so schönen Geschöpfen nie verlieren werden!

Heute haben wir vorsichtig das Training wieder aufgenommen. Sehr dankbar sind wir, so herzlich bei der Familie Linsenhoff-Rath aufgenommen worden zu sein – Ann Kathrin hatte mich, sobald sie es erfahren hatte, noch in Lier angerufen und uns – wie viele andere auch – jegliche Hilfe angeboten.

Semmies Stuten kamen direkt aus Lier zuerst bei Ralph und Marga auf der Riedmühle unter. Das war phantastisch, wie schnell Marga reagiert hat und alles in Bewegung setzte, damit es Daisy und Geisha an nichts fehlte. Danke!

Cosmo und Santiano waren wie auch Goldi, Gondor, Valencia und Flying Surprise bei Familie Krause untergebracht. Auch dafür möchte ich mich sehr bedanken, was Steffi, Nicola, Dini und Marc für uns getan haben, während wir nicht vor Ort waren! Das war schon etwas Außergewöhnliches!

Danke!

Nachdem wir als Familie eine Nacht weiter waren, war es für uns einleuchtend, das wir unsere Pferde gern so nah wie möglich zusammen und mit viel Ruhe haben wollten. Wir nahmen das Angebot von Ann Kathrin sehr gerne an, und so wurden gestern Daisy, Geisha, Santiano und Cosmo auf den Schafhof gefahren, wo wir schon herzlich von Matthias und Ann Kathrin empfangen wurden. Uns wurden tolle Boxen zur Verfügung gestellt, und wir versuchten, uns wieder ein bisschen zu sortieren, damit für heute das Training wieder losgehen konnte.
Das erste Training haben sie alle gut überstanden, und Cosmo fühlt sich sichtlich wohl auf dieser wunderschöne Anlage.

Danke nochmals an das ganze Team Schafhof!

Auch Luna, Kantate und Toni haben wir in der Klinik mehrmals besucht, wobei es bei den Stuten noch immer sehr kritisch aussieht, Toni aber auf dem Weg der Besserung ist. Es beruhigt uns sehr, dass unsere Pferde in der Klinik bestens aufgehoben sind.

Danke!

Ich habe alle Helfer, die schon so fleißig angefangen haben, rund herum aufzuräumen, nicht vergessen, aber es ist schon spät, und ich möchte gerne morgen dazu etwas schreiben.

Gonnelien“