Aktuelles, Fachartikel

Das Pferdebein richtig schützen

Jedem Reiter liegt das Wohl seines Vierbeiners am Herzen. Egal, ob junge Pferde ausgebildet werden, im alltäglichen Training oder nachher… Artikel lesen

Felicitas Meyer
06.07.2021 5 min lesen
Symbolbild: pixabay

Jedem Reiter liegt das Wohl seines Vierbeiners am Herzen. Egal, ob junge Pferde ausgebildet werden, im alltäglichen Training oder nachher im Wettkampf- das Risiko einer Verletzung der empfindlichen Pferdebeine ist immer gegeben. Eine Prävention ist daher ratsam. Doch wann empfiehlt sich welche Art von Protektoren?

 

Warum Prävention

Bei dem Einsatz der Freizeit- und Sportpferde kann es sowohl im Training als auch im Wettkampf zu Verletzungen verschiedenster Art kommen. Das kann von Streifverletzungen bis hin zu oft langwierigen Sehnenschäden reichen. Während bei einem Ritt durch unwegsames Gelände oder beim Springen besonders die Gefahr des Streifens oder Stoßens gegeben ist, kann im Dressurviereck das Risiko des Umknickens und Verletzungen bei Seitengängen auftreten. Als besonders schutzbedürftig gelten dabei im allgemeinen der Fesselkopf, das Röhrbein und die Beugesehne. Auch der Pferdeballen bedarf je nach Disziplin eines Schutzes, um ein von hinten Eintreten in den Ballen oder gar Abtreten eines Eisens zu vermeiden. Art und Umfang des Einsatzes ist dabei immer dem aktuellen Anlass anzupassen. Individueller Geschmack und Vorlieben können durch die angebotene Vielzahl an Gamaschen und Bandagen berücksichtigt werden.

Die Anwenderfreundlichen

Hier können die sogenannten Gamaschen genannt werden.  Sie bieten einen guten Schlag- und Kratzschutz. Verschlossen werden sie meist mit leicht zu handhabenden Klettverschlüssen. Abgesehen von den verwendeten Materialien sind sie in Form und Funktion verschieden.

Löffelgamaschen

Der verdickte löffelförmige Protektor Anteil verläuft auf der Innenseite des Beines über den Fesselkopf bis kurz unter das Vorderfußgelenk. Der untere Verschluss wird oberhalb des Fesselkopfs angebracht. Sie bestehen primär aus Leder, Lederimitat oder Neopren. Diese Gamaschen bieten einen zusätzlichen Knochen- und Sehnenschutz. Sie sind leicht anzubringen.

Hartschalengamaschen und Streichkappen

Ein schlag- und kratzfester Kunststoff bildet die Außenschale, eine weiche, stoßabsorbierende Polsterung auf der Innenseite bietet hohen Tragekomfort. Mit ihnen wird der hintere und seitliche Bereich des Fesselkopfgelenks und die Beugesehne umfassend geschützt. Gerade bei hinten eng fußenden Pferden, die sich durch den Beschlag erheblich verletzten könnten, sind sie sinnvoll. Zudem lassen sie sich leicht reinigen.

Fesselkopfgamaschen

Sie sind gezielt für die Dressurarbeit konzipiert und werden in Neopren, Leder oder Kunststoff-Neopren-Kombinationen angeboten. Sie verringern das Verletzungsrisiko bei Seitengängen, da sie den Fesselkopf samt Röhrbein bis unterhalb des Karpalgelenks vollständig umschließen.

Transport-/ Stallgamaschen

Erstere schützen während des Transportes die Beine vor Schlägen oder Stoßverletzungen. Sie sind aus Kunststoffmaterialien mit Fütterung oder werden mit Bandagierkissen unterlegt. Die Stallgamaschen sind in Form und Material ähnlich und kommen meist zu therapeutischen Zwecken zum Einsatz. So haben sie beispielsweise gegenüber Bandagen den Vorteil, dass sich Wund- und Medikamentenverbände, aber auch Kühlwickel einfacher und sicherer fixieren lassen.

Bandagen

Dieser Beinschutz bietet ebenfalls einen guten Schlag- und Kratzschutz, dient der Wundvorbeugung und kann Bindegewebe besser stützen, was zum Beispiel bei ausgeheilten Sehnenschäden oder -verletzungen sinnvoll sein kann. Manch einer sieht bei dieser Ausrüstung vielleicht sogar sein Verständnis eines modischen Accessoires bedient. Dennoch ist das Bandagieren zeitaufwendiger als das Anlegen von Gamaschen, es bietet mehr Fehlerquellen. Daher ist zuerst einmal auf die richtige Länge der Bandage zu achten. Für Großpferde werden sie meist in einer Länge von drei bis vier Metern angeboten, für Ponys und Kleinpferde empfehlen sich zwei bis zweieinhalb Metern. Für sehr kleine, wie zum Beispiel Shettys, sollte man noch kürzere wählen. Man unterscheidet zwischen Fleece-, Woll- und Flexbandagen Die Bandagierunterlage sollte weich und etwas dicker sein, damit diese Druckspitzen verhindern beziehungsweise ausgleichen kann.

Tipps zur Technik

Die Bandagierunterlage so anlegen, dass sie mit der Oberkante direkt unter dem Karpal- oder Sprunggelenk liegt und die Unterkante bis etwa zur Mitte des Fesselkopfes reicht. Die Vorderkante liegt parallel zum Bein und wird von vorne außen nach hinten innen gewickelt. Auf faltenfreien Sitz achten. Etwa eine Umdrehung der Bandagerolle abwickeln und das Ende kurz unter dem Gelenk mittig anlegen, sodass die Rolle dabei nach außen zeigt. Tipp: Bandage vorbereiten, dass sie sich leicht abwickeln lässt und kontrollieren, ob die Klettverschlüsse auf der richtigen Seite liegen. Dann wird sie ausreichend fest (nicht zu fest!) nach hinten innen um das Pferdebein von oben schräg nach unten mit einem Abstand von etwa 4 cm von einer Lage zur nächsten abgerollt. Wenn der Fesselkopf umwickelt ist, bandagiert man wieder rauf, dabei kann ein etwas größerer Abstand von etwa 6 cm gewählt werden. Mit dem Klettverschluss verschließen, fertig. Idealerweise reicht die Bandage genau bis dorthin, wo mit dem Bandagieren begonnen wurde. Beim Hinterbein bedenken, die Abstände zwischen den Lagen etwas größer zu wählen, damit die Länge der Rolle einmal runter und wieder rauf reicht.

Neue Bestimmungen für Hinterbeingamaschen im Wettkampf

Wo auf Dressurprüfungen generell weder Gamaschen noch Bandagen zugelassen sind sieht es in den anderen Disziplinen anders aus. Dort wurden neue Bestimmungen festgelegt. Auf der Generalversammlung in Montevideo (Uruguay) vergangenen Monat stimmten Delegierte des Weltreiterverbandes über Regelwerksänderungen für den Turniersport ab.  Darunter ein Verbot für Hinterbeingamaschen im Springen, das ab 2019 stufenweise erfolgen soll. Für die Ponyreiter, Children, Amateure und Veteranen gilt dieser Beschluss als erstes, ab 2020 betrifft es Junioren/Junge Reiter/U25 und schließlich ab 2021 die Senioren. Als Vorteil dieses Vorgehens wird die größere Chance auf Erfolg gesehen, dass es auch umgesetzt wird und dass eindeutiger definiert werden kann, welche Streichkappen und Gamaschen eingesetzt werden dürfen. Eventueller Nachbesserungsbedarf kann so fortlaufend beurteilt werden.

Grund für diese Veränderung ist das Verständnis für Chancengleichheit und nicht zuletzt das Pferdewohl. Besagt doch eine Theorie, dass sich die Leistungsfähigkeit des Pferdes beeinflussen lässt, wenn es mit empfindlichen Beinen durch (zu) eng verschnallte Gamaschen jeglichen Kontakt mit einer Hindernisstange um jeden Preis vermeiden will. Dadurch soll sich die Springhöhe und -weite steigern lassen. Auch die FN hat in der Leistungsprüfungsordnung (LPO) klar ab 2018 definiert, dass aus diesem Grund Gegenstände der Schutzausrüstung zum einen korrekt anzubringen sind und mit Betreten des Vorbereitungsplatzes nicht mehr verändert werden dürfen.

Worauf es ankommt

Grundsätzlich gilt sowohl für Gamaschen als auch Bandagen: sie müssen passen, dürfen keine Scheuer- oder Druckstellen verursachen und sollten nicht zu lang am Pferdebein verbleiben, da sie den Lymph- und Blutfluß einschränken können. Bandagen sind nicht für nasse Witterung geeignet, da sie sich mit Wasser vollsaugen und so dem Pferd sehr unangenehm werden. Die Verschlüsse liegen immer außen, damit sie sich nicht beim Laufen verhaken oder öffnen können und erlauben bestenfalls eine Größenanpassung. Klettverschlüsse ermöglichen eine schnelle und einfache Handhabung. Mit genügend Zug, aber ohne übermäßige Krafteinwirkung fixiert, sitzt die Ausrüstung perfekt, ohne das Bein zu quetschen.

 

Text: Agentur Hafensänger

Der Artikel enthält themenbezogene Werbung und Produktempfehlungen.