Aktuelles, Zucht

BCH 2020: Vitalos und Feine Bella gewinnen bei den Vierjährigen Hochkarätige Starterfelder auf dem Reitpferdeplatz

Warendorf (fn-press). Die Entscheidung bei den vierjährigen Reitpferden ist gefallen. Bei den Hengsten setzt sich der Hannoveraner Landeschampion Vitalos gegen… Artikel lesen

Martina Brueske
15.08.2021 5 min lesen
Logo Bundeschampionate

Warendorf (fn-press). Die Entscheidung bei den vierjährigen Reitpferden ist gefallen. Bei den Hengsten setzt sich der Hannoveraner Landeschampion Vitalos gegen die Konkurrenz durch. In der Abteilung der Stuten und Wallache sichert sich die Westfalenchampionesse Feine Bella den Sieg. 

„Auch Richter haben das Recht, ein Gänsehautfeeling zu erleben“, begann Richter Gerd Sickinger seinen Kommentar zum neuen Bundeschampion der vierjährigen Hengste. Gleich drei Mal vergab die Richtergruppe zusammen mit Fremdreiterin Lisa Marie Koch die Höchstnote 10 an den imposanten Fuchshengst Vitalos aus der Zucht von Josef Bramlage aus Sögel: für den schwung- und taktvollen Trab („Der Hengst geht fast schon überheblich“), für den gleichmäßig, ausbalancierten Bergaufgalopp und die Rittigkeit. „Die Anlehnung ist so präzise, bei einem vierjährigen Pferd, das geht fast nicht besser“, so Sickinger. Zusammen mit einer 9,0 für den Schritt und für seine typvolle, maskuline Erscheinung kam Vitalos auf eine 9,6 in der Gesamtwertung. Paul Schockemöhle hatte den Vitalis-De Niro- Sohn als Fohlen entdeckt. Angeritten kam er dann in den Dressurstall Helgstrand, für den er in Warendorf von Leonie Richter vorgestellt wurde.

Dank der hochkarätig besetzten Prüfung blieb das Finale bis zum Schluss spannend. Letztes Pferd auf der Liste war der Hannoveraner Ibiza Dream (v. Asgard’s Ibiza), einer der wenigen Wiederholer vom Dreijährigen-Championat des Vorjahres. In diesem Jahr saß Sina Aringer (Warendorf) im Sattel des Fuchshengstes mit der auffälligen Vorhandmechanik im Galopp, von der sich die Zuschauer sogar zu einem Szenenapplaus hinreißen ließen. „Ein Galopp, der seinesgleichen sucht, wobei der Dreitakt aber stets erhalten blieb“, sagte Gerd Sickinger. Auch in puncto Rittigkeit ließ der Hengst laut Richterurteil kaum Wünsche offen, so dass er auch dafür mit der Höchstnote 10 belohnt wurde. Zusammen mit je einer 9,0 für Trab und Schritt sowie einer 9,5 für Typ und Exterieur kam Ibiza Dream auf eine Endnote von 9,5. Mit seinem zweiten Platz tritt der Hengst in die Hufspuren seiner Mutter Diamond Lady (v. Dimaggio – Benetton Dream), die selbst Vize-Bundeschampionesse, Hannoveraner Championesse und Schausiegerin war. Zur Vorbereitung auf das Bundeschampionat brachte Züchter und Besitzer Axel Windeler aus Verden den im Deckeinsatz stehenden Hengst ab April zwei Mal wöchentlich zu Sina Aringer zum Training. „Der Kontakt ist bei der Hengstleistungsprüfung in Schlieckau zustande gekommen“, berichtete die 29-Jährige, die im vergangenen Jahr mit Fynch Hatton und Rockaby bereits einen Bundes- und einen Vizebundeschampion vorstellte.

Mit seinem Auftritt verwies Ibiza Dream den bis dahin zweitplatzierten Total McLaren auf den Bronzerang. An dem Oldenburger Hengst gefiel den Richtern vor allem der kraftvoll bergauf gesprungene Galopp (10,0) und der Typ (9,5). „Ein modernes Reitpferd und ein Hengst mit Adel, Rahmen und Aufriss“, kommentierte Sickinger. Zusammen mit einer 9,5 für den Trab, einer 9,0 für den Schritt und einer 8,5 für die altersgemäße Ausbildung und Rittigkeit erhielt der Hengst als Endnote die 9,3. Vorgestellt wurde Total McLaren von Jana Schrödter, die wie Leonie Richter für den Stall Helgstrand reitet, in dessen Besitz sich der Hengst auch befindet. Gezogen wurde der in Dänemark gekörte Total McLaren von Ralf Knauf (Haan) aus der Deja vu, einer Tochter des De Niro und der zweifachen Bundeschampionesse Silberaster OLD.

Fast hätte es auch der Größte im Starterfeld in die Medaillenränge geschafft: der Oldenburger Dunkelfuchshengst Fashion Prinz (v. Fürst Romancier – Sarkozy) aus der Zucht des Gestüts Lewitz, im Besitz des Hofs Kasselmann und mit Frederic Wandres im Sattel. „Wenn dieser Hengst das Viereck betritt, dann ist er der Herr im Haus“, sagte Gerd Sickinger über den sich trotz seiner Größe leichtfüßig bewegende Hengst, der auch Testreiterin Lisa Marie Koch ein sehr gutes Reitgefühl vermittelte. Fashion Prinz beendete das Finale mit der Note 9,2.

Vierjährige Stuten und Wallache: Sieg für Feine Bella

Mit ihrer Endnote 9,6 bestätigte Feine Bella den Eindruck, den sie schon mit ihrem Sieg in der Finalqualifikation hinterlassen hatte. „Das muss man sich schon fragen, wo kann ein Pferd etwas noch besser machen“, sagte Gerd Sickinger, der die Vorstellung der Championatsaspiranten auf dem Viereck kommentierte, und meinte damit den auf beiden Händen gleichmäßig bergauf gesprungenen Galopp der Siegerstute Feine Bella. Für den gab es die glatte 10, ebenso wie für die altersgemäße Erfüllung der Aufgaben und die Rittigkeit (Trab 9,0, Schritt 9,5). „Man hatte das Gefühl, man muss nur denken und sie tut’s“, sagte Sickinger und gab damit auch die Meinung von Bianca Nowag wieder, die als Fremdreiterin die vierjährigen Stuten und Wallache unter dem Sattel testete. Ergänzend dazu erhielt die mit einer „wunderschönen Oberlinie“ und guten Reitpferdepoints ausgestattete braune Stute auch eine 9,5 für Typ und Exterieur. Gezogen wurde Feine Bella von der Züchtergemeinschaft Peter Artmeier (Witten), Wilfried Becker (Sprockhövel), Axel Delling (Overath) und Dirk Wibbecke (Bochum). Vor zehn Jahren erwarb das Quartett auf der Auktion ein Stutfohlen von Bordeaux – Donnerhall aus bester Familie, denn deren Großmutter Franziska von Fürstenball ist auch die Großmutter von Isabell Werths Bella Rose. Inzwischen hat diese Stute selbst vier Fohlen vorzuweisen, das zweitälteste davon ist Feine Bella. Im vergangenen Jahr absolvierte diese, vorbereitet durch Hendrik Schulte-Märter, ihre Stutenleistungsprüfung als Zweitbeste und wurde Siegerin der Elitestutenschau in Münster. Nach mehrmonatiger Ruhepause übernahm dann in diesem Jahr Wibke Hartmann Stommel aus Münster die weitere Ausbildung von Feine Bella. Für die erfahrene Championatsreiterin, die seit 2008 regelmäßig auf den Bundeschampionaten anzutreffen ist es die zweite Bundeschampionesse bei den Reitpferden und ihr 15. Titelgewinn bei den Bundeschampionaten insgesamt.

Während Feine Bella als unangefochtene Siegerin den Platz verließ, ging es auf den folgenden Plätzen eng zu. Unter dem rhythmischen Beifall des Publikums beendete die Oldenburger Stute Verona Diamond als letztes Pferd die Aufgabe. Vorgestellt wurde die vom Zuchthof Alberding aus Essen (Oldenburg) gezogene Tochter des Vivaldi – Don Diamond von der zweifachen U21-Mannschafts-Vizeeuropameisterin Luca Sophia Collin aus Düsseldorf. Sie bringt mit Verona Diamond nun auch ihr erstes junges Pferd an den Start. „Ich bin ich in Rastede meine erste Reitpferdeprüfung geritten und nun zum ersten Mal überhaupt auf dem Bundeschampionat“, berichtete die 20-Jährige strahlend. Wie auch die neue Bundeschampionesse zeichnet sich Verona Diamond durch ihre besondere Kooperations- und Leistungsbereitschaft aus (9,5). „Ein Pferd wie gemalt“, sagte Gerd Sickinger, „mit einem tollen Hinterbein und einer tollen Mechanik im Trab“ (jeweils 9,0 für Trab und Exterieur).

Mit einem Gesamtergebnis von 8,9 tauschte Verona Diamond den Platz mit Rock Festival (v. Rock Forever – Fürstenball), der in der Finalqualifikation noch vor ihr Zweiter gewesen war. Im Finale gab es für den statiösen braunen Wallach aus der Zucht und im Besitz seiner Reiterin Joline Durand (Hörstel) drei Mal die 9,0 für Schritt, Trab und die Rittigkeit, dazu die 8,5 für den Trab sowie für Typ und Exterieur. Insgesamt bedeutete die Wertnote 8,8. „Wenig Schlaf und ausführliche Analysen aller Ritte“, war Durands Antwort auf die Frage, wie man mit dem Druck umgeht, als Vorjahressieger in die Prüfung zu starten. Insgesamt ist die Pferdewirtschaftsmeisterin in diesem Jahr mit vier Pferden in Warendorf am Start, drei davon haben das Finale erreicht.

Nur knapp am Podium vorbei beendete die Vorjahres-Zweite First Date OLD (v. For Dance – Weltmeyer) das Finale mit der Gesamtnote 8,7 auf Platz vier. Die dunkelbraune Oldenburger Landeschampionesse aus der Zucht und im Besitz von Dr. Hans-Hermann Lagershausen wurde wie schon 2020 von Veronika Steinhof vorgestellt und erhielt sowohl für den Schritt als auch im Galopp die Note 9,0.

Hier gibt es die Ergebnisse der vierjährigen Reitpferde (Stuten und Wallache) sowie der vierjährigen Hengste.

Alle Informationen rund um die Bundeschampionate gibt es unter www.bundeschampionate.tv.