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Wird der Reitsport zur Volksbelustigung hat das auch rechtliche Folgen

von Jaqueline
15. Mai 2018
15. 05
ca. 2 Minuten


Reitsportturniere nehmen seit einigen Jahren zunehmend den Charakter von Volksfesten an. Hüpfburgen und Schmink-Stunden für Kindern sollen Familien anziehen, die auf den Turnieren Geld für Eintrittskarten und Verköstigung ausgeben. Ein Gerichtsurteil vom Oberlandesgericht  Karlsruhe erregt jetzt die Gemüter, weil es seine Entscheidung an der Art der Veranstaltung festgemacht hat. Hier wurde das Pferdesportturnier nicht als Sportveranstaltung, sondern als Volksfest eingestuft. Damit ergeben sich für Veranstalter ganz neue Konsequenzen im Hinblick auf Sicherheits-Vorkehrungen und Haftung.

In dem konkreten Fall ging es um das Pfingstturnier in Weisweiler im Jahr 2011. Damals krabbelte ein zweijähriges Kind in einen offenen Pferdeanhänger und wurde in der Folge schwer am Kopf verletzt. Aufgrund der Schwere der Verletzungen wird das Kind lebenslange Betreuung benötigen. Das Gericht der ersten Instanz hatte die Haftung bei den Eltern und bei der Pferdebesitzerin gesehen, der veranstaltende Verein wurde freigesprochen. Das Oberlandesgericht hat nun anders entschieden. Der Kern der anders ausfallenden Meinung: Das Oberlandesgericht sah im Pfingstturnier von Weisweiler kein ländliches Reitturnier, sondern ein Volksfest. Als Veranstalter eines Volksfestes ist der Reitverein in der Pflicht alle Maßnahmen zu ergreifen, um Unfälle zu verhindern.

Da der Verein keine Maßnahmen zur Sicherung des Bereichs getroffen hatte, liegt nach Meinung des Gerichts ein Versäumnis vor. Mit einer Absperrung zwischen dem öffentlich zugänglichen Bereich und dem Areal auf dem die Transporter abgestellt waren, hätte demnach der Veranstalter die Sicherung kenntlich gemacht. Andere Maßnahmen zur Sicherung hätten eine Beschilderung „Zutritt verboten“ oder eine Aufsichtsperson sein können, die Kinder und Zuschauer am Betreten des Bereichs hindert. Aufgrund der anderen Einschätzung der Veranstaltung wird der Schaden nun auf drei Schultern verteilt. Waren zuvor die Eltern mit zwei Dritteln in der Haftung, da sie ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt hatten, tragen jetzt der Verein, die Pferdehalterin wie auch die Eltern je ein Drittel.

Fazit: Ein Urteil wie das nun vorliegende, hat in der Regel große Strahlkraft und kann in der Zukunft dafür sorgen, dass Gerichte sich an dieser Entscheidung orientieren. Alle Veranstalter von Turnieren sind daher gut beraten, sich in Zukunft um die besondere Sicherung derjenigen Bereiche zu kümmern, in denen sich Pferde aufhalten. Die Frage ist jedoch, welche Maßnahmen sinnvoll und ausreichend sind. Es gibt hierfür weder Vorgaben noch Empfehlungen.

Quelle: badische-zeitung.de


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