Wildpferdefang in Dülmen

Vor rund siebenhundert Jahren wurden die Wildpferde im Merfelder Bruch, bei Dülmen im Münsterland, zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Das Naturschutzgebiet bietet ihnen heute einen abwechslungsreichen Lebensraum aus Moor, Heide sowie Nadel- und Eichenwäldern. Die Wildpferdebahn umfasst 400 Hektar, auf denen die Pferde ihrem natürlichen Trieb nach gehen können. Größtenteils sind sie dabei sich selbst überlassen und werden nur im Winter mit Heu zugefüttert. Die Familie Herzog von Croy verwaltet das Gebiet, auf dem die Wildpferde leben. Es ist das einzige verbliebene Reservat dieser Art, in ganz Europa. So liegt es der Familie sehr am Herzen, dass der Lebensraum so ursprünglich bleibt, wie es auch die knapp 400 Wildpferde sind. Denn eine Veränderung der Umgebung würde auch das Pferd in seinem Ursprung ändern. Auf langfristige Sicht könnte das einen anderen Pferdetypus hervorbringen.

Arterhaltung statt Pferdezucht

Die Wildpferde im Merfelder Bruch sind eine Primitivrasse, was in diesem Sinne ursprünglich bedeutet. Über Jahrhunderte hinweg wurde das Erbgut erhalten. Durch natürliche Selektion hat sich diese Rasse dem Nahrungsangebot und den Witterungsverhältnissen perfekt angepasst.
Die Pferdezucht, wie man sie heute kennt, ist darauf ausgerichtet ein bestimmtes Ziel zu verfolgen. So soll das Pferd schneller sein, eleganter im Gang oder höher im Sprung. Dabei werden andere Erbanlagen weggezüchtet, um ein bestimmtes Merkmal hervorzuheben. Instinkte und angeborene Verhaltensweisen können verloren gehen.
Das soll in Dülmen nicht passieren. Auf der Internetseite der Herzog von Croy’schen Verwaltung, ist die Meinung zu lesen, dass es „eines Tages notwendig sein wird, die Haustierbestände des Menschen mit natürlichen Erbgut in seiner ganzen Fülle ‚aufzubessern‘.“

Der Nutzen des jährlichen Spektakels

Einmal im Jahr, an jedem letzten Samstag im Mai, wird die Herde zusammengetrieben. Die einjährigen Hengste, oder Jährlingshengste, werden per Hand und ohne Hilfsmittel herausgefangen. Die Tiere werden in eine Arena getrieben, die rundherum mit Tribünen ausgestattet ist. Denn dieses notwendige Ereignis ist längst zu einem Publikumsspektakel geworden.
Die Jährlingshengste müssen die Herde verlassen, da sie bald geschlechtsreif werden. Sonst fangen sie an um Stuten zu buhlen und liefern sich erbitterte Kämpfe beim Versuch eine neue Rangordnung festzulegen. Die Kulturlandschaft bietet nicht ausreichend Platz für eine stetig wachsende Herde, was das Herausfangen der Hengste so notwendig macht.
Seit nunmehr über hundert Jahren findet der Wildpferdefang statt. Die Hengstfohlen werden anschließend in einer Auktion versteigert. An die neuen Lebensbedingungen gewöhnen sie sich schnell. Den Tieren wird ein gutmütiger und gelassener Charakter nachgesagt, was sie besonders bei Kindern als Reitpferde beliebt macht.

In diesem Jahr begleiten wir von Horseweb den Wildpferdefang im Merfelder Bruch am Samstag, den 26. Mai. Dann gibt es von uns aktuelle Meldungen, Fotos und Geschichten direkt aus der Arena. Wir halten Sie auf dem Laufenden.