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Trotz toter Minishetlandponys erhielt die Züchterin nur eine Bewährungsstrafe

In Melsungen landete eine 42-jährige Züchterin von Shetlandponys vor Gericht, der Vorwurf lautet, dass sie die Versorgung und Pflege ihrer über… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
25.04.2018 3 min lesen
Symbolbild (Foto:pixabay)
In Melsungen landete eine 42-jährige Züchterin von Shetlandponys vor Gericht, der Vorwurf lautet, dass sie die Versorgung und Pflege ihrer über 70 Tiere – es handelt sich um Mini-Shettlandponys – so dermaßen vernachlässigt haben, dass dadurch mehrere Tiere zu Tode kamen. „Es tut mir so unendlich leid, es sind ja schließlich meine Pferde, ich bin doch keine Pferdemörderin“, so die Angeklagte zu ihrer Anklage.
Konkret wurden sieben Fälle vorgetragen, in zwei Fällen geht es um Ponytode, in einem anderen geht es um einen qualvollen Fohlentod vergangenen Jahre, wo sogar ein Beweisvideo vorliegt. Das Fohlen fand eine Spaziergängerin, welche auch Tierärztin ist, regungslos auf einer Weide. Sie sagte vor Gericht „Das Tier befand sich in einem kritischen, lebensbedrohlichen Zustand. Es war stark abgemagert. Es wollte aufstehen, konnte aber nicht.“ Weiter berichtete sie, dass sie der Pony-Halterin bescheid gegeben hätte, diese aber sich wörtlich „nicht einmischen“ wollte.
Die Tierärztin wollte sich nicht mit der Antwort abfinden und schaute die darauffolgenden Tage immer wieder mal nach dem Pony, doch der Zustand verschlimmerte sich sehnlichst. So kontaktierte sie den Amtstierarzt Dr. Dirk Kusan und berichtete ihm von dem Fall. Als dieser dann zu dem Pony auf der weide kam, war dieses schon Tod. Und: „Der Zustand der Tiere hat mich schon überrascht.“ Sein Amt habe dann auch Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft gestellt sowie tierschutzrechtliche Auflagen erteilt. Als Folge der Strafanzeige hatte es eine Hausdurchsuchungen und „Weidenbegehungen“ bei der Angeklagten gegeben, auch deshalb, um überhaupt herauszubekommen, wieviele Pferde sich überhaupt im Besitz der Frau befinden und um deren Gesundheitszustand zu überprüfen. Bei der Durchsuchung wurden 70 Equidenpässe Sichergestellt.
Dr. Kusan weiter: „Schon davor hatte die Halterin von uns die Anweisung bekommen, den Bestand ihrer Tiere zu reduzieren.“, dem hatte sich die Boy-Halterin aber immer wieder durch „Schein-Verkäufe“ versucht zu entziehen.
Vor Gericht gab es zahlreiche weitere Zeugen, die den schlechten Zustand der Ponys auf dem Hof bestätigten, darunter auch mehrere Tierärzte. Eine Homberger Tierärztin hatte den Ernährungszustand zahlreicher Tiere „als schwierig bis kritisch“ bezeichnet.
So hat man auch bei der Hofdurchsuchung mehreren Ponys mit unbehandelten Erkrankungen gegeben, wie Entzündungen der Horn- und Bindehaut, Gebissfehler sowie Durchfallerkrankungen. Seit dem gibt es neun bekannte Fälle, bei dem Ponys ums Leben gekommen sind, die zwei angeklagten toten Tiere stünden nur stellvertretend für alle verendeten.Die Angeklagte versuchte sich dadurch zu rechtfertigen, dass die Zucht einen erheblichen Zeit- und Geldaufwand mit sich brachte, den sie aufgrund ihrer vollen Berufstätigkeit nicht nach kommen konnte. So hatte sie nur nach Feierabend und Sonntags Zeit für die Tiere.
Der Staatsanwalt fordert Freiheitsstrafe von zwölf Monaten und eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 60 Euro. Und zusätzlich ein Pferdehalteverbot von drei Jahren, da es der Angeklagten an Einsicht fehlt.
Der Richter verurteilte die Angeklagte schließlich zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt ist. Außerdem muss sie 1.000 Euro Strafe an das Tierheim in Beuern zahlen. Mit den Jahren sei eine Überforderung eingetreten, so der Richter. Wenn die Tiere derart in den Mittelpunkt gerieten, stimme etwas mit dem Leben nicht. Es gelte, dass sie sich dringend an die Vorgaben des Veterinäramtes halte. Das hatte der Angeklagten zuletzt ein maximale Haltung von 20 Tieren zugestanden. Und ein Zuchtverbot ausgesprochen.

Quelle:  www.lokalo24.de