Reitmeister Günther Festerling gestorben

von Jaqueline
10. Januar 2018
10.01.2018
ca. 3 Minuten

Griesstätt. Im Alter von 86 Jahren starb Reitmeister Günther Festerling gestorben. Er war durch Prüfung 1964 – zusammen mit Theo Hansen – erster deutscher Reitmeister.

Einen Tag nach seinem 86. Geburtstag starb im Kreiskrankenhaus in der Nacht zum 6. Januar der Ehrenvorsitzende der Bundesvereinigung der Berufsreiter und Reitmeister Günther Festerling (Griesstätt/ Oberbayern). Im westpreußischen Elbing geboren, hatte Günther Festerling durch seinen Vater, einen Kavallerieoffizier, bereits in frühester Kindheit Kontakt zu Pferden und Pferdesport. Nach einer Landwirtschaftslehre begann er 1950 seine Karriere als Berufsreiter. 1956 absolvierte er seine Berufsreitlehrerprüfung, der 1964 die Prüfung zum Reitmeister folgte. Von 1972 bis 1976 leitete er die Deutsche Reitschule in Warendorf, anschließend übernahm er die Leitung der Bayerischen Landesreit- und Fahrschule. 1980 machte er sich mit einem eigenen Ausbildungsstall selbstständig. Selbst in Dressur- und Springprüfungen bis zur schweren Klasse erfolgreich, setzte sich Festerling vor allem für die Aus- und Fortbildung des Berufsreiternachwuchses ein. So engagierte er sich nicht nur ehrenamtlich als Vorsitzender des Prüfungsausschusses für Berufsreiter in Bayern, sondern war auch Vorstandsmitglied im Deutschen Reiter- und Fahrerverband (DRFV), in der Bundesvereinigung der Berufsreiter und -fahrer (BBR) sowie im Ausschuss Ausbildung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Für seinen jahrzehntelangen Einsatz um die Berufsreiter wurde er 1997 von der FN mit dem Deutschen Reiterkreuz in Gold ausgezeichnet, zudem ist er erster Träger der 2012 von der BBR initiierten Felix-Bürkner-Ehrenmedaille. Seine Anlage führte 22 Jahre lang die aus Meerbusch bei Düsseldorf stammende Monika Lüner weiter, „was eine große Ehre für mich war. Günther Festerling war ein großartiger Lehrmeister und ein Topmensch“, sagte die Dressurreiterin. Die Beerdigung findet nächsten Dienstag in Griesstätt bei Rott am Inn statt.

Zu seinem 85. Geburtstag vor einem Jahr schrieb das Oberbayerische Volksblatt u.a.:

Sein Vater war schon in seinem Geburtsort Elbing in Westpreußen ein sehr erfolgreicher Turnierreiter, speziell in Vielseitigkeit und Dressur. In Ulm an der Donau, wohin sein Vater als Wehrmachtsangehöriger versetzt wurde, wurde der Jubilar eingeschult. Über Stationen wie Beskow in Brandenburg, kurz vor Kriegsende dann Wernigerode im Harz, 1948 Emsland fand man schließlich eine Bleibe in der Lüneburger Heide. Dort absolvierte der Jubilar eine landwirtschaftliche Lehre. Kurz darauf erfolgte ein weiterer Umzug nach Baden-Württemberg, wo der Vater als Reitlehrer tätig war. Von da an hatte Günther Festerling engen Kontakt zur Reiterei und in seinem Vater einen hervorragenden Lehrmeister. 1956 legte er an der Westfälischen Landesreitschule in Münster die Berufsreitlehrerprüfung ab.

Nach Tätigkeiten als Reitlehrer in Stuttgart und Tübingen kam er 1959 nach Trossingen. Dort lernte er seine Frau Josefa aus Griesstätt kennen, die damals im weltweit bekannten Akkordeon-Orchester der Firma Hohner spielte. 1962 gaben sie sich in Trossingen das Ja-Wort und wurden stolze Eltern zweier Töchter. 1964 legte der anerkannte Pferdefachmann in Warendorf die Reitmeisterprüfung, die höchste Prüfung in der Reiterei, mit Erfolg ab. 1967 zog er mit seiner Familie nach Griesstätt und betrieb dort einen neu errichteten Reitstall. Als er 1971 als Leiter der Deutschen Reitschule nach Warendorf verpflichtet wurde, verpachtete er seine Anlage in Haid. Die japanische Springreiter-Mannschaft trainierte dort vor und nach den Olympischen Spielen in München.

Viel Freude bereitete ihm die Leitung der Bayerischen Landesreitschule in München-Riem, die er 1975 übernommen hatte und 1980 wieder abgab, als er seinen eigenen Reitstall in Griesstätt als Ausbildungsstall für Pferde und zur Fortbildung für junge Berufsreiter aufbaute. Aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland kamen damals die Kunden.

Noch viel unterwegs in Sachen Pferd und Reiterei war er auch nach dem Verkauf des Stalls im Jahr 1992. Er engagierte sich nicht nur in Reiter-Gremien und Prüfungsausschüssen, sondern auch in der Bundesvereinigung der Berufsreiter, deren Vorstandschaft er ab 1981 angehörte, und die er von 1993 bis 2002 prägte.

Viele wertvolle Preise, Pokale und Fotos in Schränken, Regalen und an den Wänden erinnern an die zahlreichen eigenen sowie die Erfolge seiner Schüler, ebenfalls an erfolgreiche Pferde.

 Quelle: ludwigs-pferdewelten.de

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