Projekt zur Förderung des Qualitätsmanagements in der Pferdehaltung

Projekt zur Förderung des Qualitätsmanagements in der Pferdehaltung

von Jaqueline
11. Januar 2018
11. 01
ca. 3 Minuten

Im Rahmen eines aktuell vorbereiteten Projektes zur bestandsbezogenen Infektionsdiagnostik in Pferdebetrieben haben Pferdehaltungen als nachweisliche Mitglieder der Tierseuchenkasse NRW (Betriebstyp 128) die Möglichkeit, bei akut auftretenden Atemwegserkrankungen, Erkrankungen des Zentralnervensystems, Aborten oder Durchfällen kostenlos eine Erregerdiagnostik durchführen zu lassen. „Initiatoren“ des Projektes sind gemeinsam mit der Tierseuchenkasse NRW: das MKULNV NRW, das LANUV NRW, die Zucht- und Sportverbände in NRW, die FN Warendorf und die Veterinärämter.

Folgende Vorgehensweise:
Der den Bestand betreuende Tierarzt untersucht die betroffenen Pferde und füllt einen Anamnesebogen mit der Tierseuchenkassennummer der Pferdehaltung und Angaben zum Pferdebetrieb aus. Wichtig sind natürlich auch Impfstatus und Angaben zur klinischen Untersuchung der betroffenen Pferde. Für die Labordiagnostik werden bei (bis zu drei) akut erkrankten Pferden Proben entnommen und an das Labor Böse Carl-Zeiss-Str.6 -31177 Harsum. geschickt. Dort soll-unter Einbeziehung der vorberichtlich genannten Symptome und abhängig vom Untersuchungsmaterial,- der ursächliche Erreger zu identifiziert werden. Die an dem Projekt interessierten Tierärzte erhalten kostenlos vorab Untersuchungsanträge, Anamnesebögen, Styroporboxen für den Versand und Beprobungsmaterial, um für den Ernstfall gerüstet zu sein.

Die Kosten der Beprobung trägt der Pferdehalter, die Kosten für die Labordiagnostik und den Übernachtversand werden von der Tierseuchenkasse NRW getragen.

Mit Hilfe der Angaben aus dem Anamnesebogen und der Laborbefunde wird eine bestandsbezogene Diagnose erarbeitet. In begründeten Fällen werden weiterführende Laboruntersuchungen veranlasst. Ziel ist, aus den Erkenntnissen und Erfahrungen des Projektes ein individuelles und langfristiges Konzept zur Verbesserung der Situation im Bestand zu entwickeln. Zu diesem Zweck geht eine Kopie der Laborbefunde und des Anamnesebogens an den Projektleiter Dr. Lutz Ahlswede. Er unterliegt der Schweigepflicht und kann zur Erzielung von Ergebnissen -besonders auch im Dialog mit Haustierarzt und Labor-über weitergehende Untersuchungen entscheiden. Ebenso wird der Hoftierarzt um einen Meldebericht gebeten, welcher die Maßnahmen und letztlich das Ergebnis dokumentieren soll.

Besondere Zielvorgabe für die tierärztliche Leistung zur Förderung eines Qualitätsmanagements in der Pferdehaltung ist hier der bestandsbezogene Infektionsschutz. Er muss die Besonderheiten bzw. die Spezialisierung der jeweiligen Pferdehaltung berücksichtigen und Empfehlungen für das Betriebsmanagement einschließen. Pferdebetriebe sind beim Aufbau eines wirkungsvollen Infektionsschutzes auf die sachkundige Beratung und Umsetzung durch Tierärzte angewiesen. Deren Aufgabe ist es, ge­meinsam mit einem Verantwortlichen des Pferdebetriebes die Gesundheit der Pferde durch Aufklärung, Erarbeitung und Umsetzung von Strategien langfristig zu fördern und zu stabilisieren. Von besonderer Bedeutung sind dabei neben einer sorgfältigen klinischen Untersuchung der Erregernachweis über ein gezieltes Probenmanagement sowie eine sichere Labordiagnostik. Hier bieten sich die am häufigsten auftretenden Symptomkomplexe der Atemwege und des ZNS sowie Aborte und Durchfälle zur Erarbeitung von Empfehlungen zur Beprobung und Labordiagnostik an. Vor allem dann, wenn die Probleme in einem oder mehreren Betrieben einer Region gehäuft auftreten. Ohne Kenntnis der Erreger lassen sich weder Prophylaxe noch Therapie sinnvoll gestalten, es können keine gezielten Desinfektions- und Quarantänemaßnahmen vorgenommen werden.

Mit dem aktuellen Projekt sollen ein Umdenken und konsequentes Handeln angestoßen werden, um den Infektionsschutz in Pferdezucht und -haltung zu verbessern und um eine möglichst optimale bestandsbezogene Impfprophylaxe zu etablieren.

Ein wichtiger Aspekt des Projektes ist es, dass die erhaltenen anonymisierten Daten ausgewertet werden. Um aber entsprechende Aussagen für die Praxis treffen zu können, muss ein recht hohes Aufkommen von Proben gewährleistet werden. Trotz der möglicherweise leidvollen akuten Fälle im Stall gilt es also mit den Beprobungen und deren Ergebnissen an der Zukunft zu arbeiten.

Das „Projektinformationsblatt“ sowie das Formular Anforderung „Beprobungsmaterial“ und der „Untersuchungsantrag, Anamnesebogen, Meldebericht“ stehen zum Download bereit.

 

Quelle: Westfälisches Pferdestammbuch

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