Otto Becker (Foto:Privat)

Pressekonferenz vor den Weltreiterspielen in Tyron

von Jaqueline Weidlich
25. April 2018
25. 04
ca. 8 Minuten

 

Bei der gestrigen Pressekonferenz für die Weltreiterspiele in Tyron, haben Spitzenreiter und dessen Trainer, sich zu ihren jeweiligen Disziplinen geäußert:

 

 

Voltigieren: Akrobaten hoffen auf Medaille
Die Voltigierer hoffen auf eine Medaille bei den Weltreiterspielen in Tryon. Dafür wird auch mit neuen Küren geturnt.

„Meine neue Kür hatte ich in einer ähnlichen Art schon einmal“, sagt Weltcup -Sieger Jannis Drewell. Die neue Musik und Kür stammen dieses Jahr zu der Filmmusik von „Der mit dem Wolf tanzt“. „Aber dieses Mal habe ich die Musik nicht selbst geschnitten. Das habe ich dieses Mal Kai machen lassen“, grinst der Voltigierer. Bereits vor zehn Jahren habe er die Musik schon einmal benutzt. Dieses Mal werden allerdings andere Titel aus dem Soundtrack genutzt. „Hoffentlich wird das besser, als letztes Mal“, scherzt der Berufs-Voltigierer, denn jedes Jahr eine neue Kür zu erarbeiten, sei daher nicht immer einfach. Da kämen mal Ideen von Außerhalb oder von Drewell selbst. Beim Training seien etwa 30% Training am Pferd selbst. Der Rest am Movie und auf dem Holzpferd. „Man geht aber trotzdem immer zu dritt rein. Mit dem Pferd und Longenführer“, erklärt Drewell die Situation im Wettkampf. Auch im deutschen Lager sei die Auswahl, laut Disziplintrainer Kai Vorberg, groß, da das Nivaeu sehr hoch sei. „Da kann eine Vorauswahl weh tun“, sagt Vorwerk über die Voltigierer. Aber die einzelnen Teams wollen den Titel, egal in welcher Disziplin. „Das kann klappen“, gibt sich der 36-jährige zuversichtlich. Er sehe die Franzosen bei den Herren als sehr stark an. „Im Pas de Deux sind die Italiener und Österreicher gut aufgestellt.“ Die Damen, sehe er mit Weltcup-Siegerin Kristina Boe und Corinna Knauf, gut aufgestellt. Doch bei allen Voltigierern hätten die Vorbereitungen auf die Sichtungen, unteranderem Juni beim CVI in Krumke, begonnen. Dort werde sich entscheiden, wer nach Aachen darf und danach werde nominiert.

Distanzreiten: Mit Tempo auf langer Strecke zum Titel
160 Kilometer lang ist die Strecke für die Distanzreiter, bei den Weltreiterspielen in Tryon. Doch der Kader steht noch nicht.

Nico Hörmann (Distanz) (Foto:privat)

„Wir haben hier in Deutschland keinen großen Pool an Reitern, aus dem wir schöpfen können“, sagt Nico Hörmann in seiner Funktion als Disziplin-Koordinator der Distanzreiter über den Kader. Auch die Weltranglisten Erste, Sabrina Arnold sei noch nicht gesetzt. Trotz ihres Erfolges letztes Jahr bei den Europameisterschaften in Belgien, bei denen sie EM-Gold holte, sei sie mit dem Fuchs Tarzibus noch nicht gesetzt. „Das Pferd regeneriert sich unheimlich schnell“, sagt Arnold in einem Einspieler bei der Jahrespressekonferenz der FN an Dienstag. So etwas habe sie selbst noch nicht erlebt. Für Arnold sei wichtig, dass das Pferd gesund bleibe und in Form für die 160 Kilometer lange Aufgaben sei. Die Strecke in Tryon wird sechs Etappen haben, bei der es insgesamt fünf Vet-Gates zu überstehen gibt. „Wer als erster ins Ziel kommt, hat nicht automatisch gewonnen“, gibt Hörmann zu bedenken. Ein Tierarzt müsse den Zustand des Pferdes als in Ordnung einstufen. Erst dann könne man sagen, dass der Starter gewonnen hat. Durch die Vet-Gates sei gewährleistet, dass das Pferd in der richtigen Verfassung sei, um weiter starten zu können. Dabei wird geprüft ob das Pferd Erschöpfung, Lahmheit oder Auffälligkeiten an den Schleimhäuten zeigt. Doch das sei nicht bei jeder Nation so. „Gerade in den arabischen Ländern gibt es viel zu tun, wenn es um die Gesundheit der Pferde geht“, sagt der Disziplin-Koordinator weiter. Dort wolle man zusammen mit der FEI ansetzen, damit sich das Verständnis und die Außenpräsentation der Distanzreiter ändert. Doch das sei ein langer Prozess, der viel Zeit in Anspruch nehmen werde. Sportlich gesehen gilt es, den Mannschafts-Titelverteidiger Spanien, gefolgt von Frankreich und den Niederlanden zu ärgern, da diese Nationen ein sehr hohes Niveau hätten. So könne man sich auf den Massenstart am 12. September um 7:00 Uhr morgens Ortszeit, freuen, wenn zwischen 100 und 200 Pferde an den Start gehen.

Fahren: Mit Containern zu den Weltreiterspielen
Die Kutschen der Gespannfahrer werden in zwei Containern nach Tryon verschifft. Doch das ist nicht die Einzige Herausforderung für die Fahrer, im Rahmen der Weltreiterspiele.

Georg von Stein ( Fahrer) (Foto:privat)

Insgesamt kommen 15 Pferde der deutschen Gespannfahrer zu den Weltreiterspielen nach Tryon. Damit haben sie auch das meiste Gepäck mit. „Da müssen wir schon gut packen können“, sagt Bundestrainer Karl-Heinz Geiger über den Aufwand für die Gespanne. „Es müssen ja alle Geschirre mit, inklusive eigener Marathon-und Dressurwagen.“ Die Kutschen müssen, laut Geiger etwa vier Wochen vorher verschifft werden, was das Training zu Hause nicht einfach mache. Dazu nehme jeder Fahrer auch ein Fahrrad mit, um sich die Strecke vorher genau anschauen zu können. Gesichtet werde bei den Deutschen Meisterschaften in Donaueschingen und Aachen. Danach werde nominiert. „Die Holländer sind stark aufgestellt. Die Belgier und Franzosen rücken nach. Daher ist ein Platz auf dem Podest erwünscht“, erklärt Geiger das Ziel der Mannschaft. Gefahren wird neben der Geländestrecke auch Parcours bestehend aus Pylonen und Dressuraufgabe. Dafür werden die Pferde unter dem Sattel gymnastiziert. „Das Gymnastizieren soll einen Vorteil bringen. Dabei wird neben Dressur- auch Geländetraining mit Hindernissen gemacht“, erklärt der 53 Jahre alte Geiger die Vorbereitungen. „Wenn meine Pferde zweimal die Woche unter den Sattel kommen, ist das viel“, gibt Georg von Stein zu. Er habe zwölf Pferde im Training von denen er sich für fünf entscheiden müsse. „Sieben bis Acht habe ich im A-Team. Die anderen sind junge Nachwuchspferde.“ Daher stehe die Wahl schon fast fest. „Die Pferde können an allen Zugpositionen laufen. Wichtig ist, dass sie Mut haben, Hindernisse mit hohem Tempo zu durchlaufen und sich auf den Kutscher verlassen“, sagt der in Modautal in Hessen lebende Fahrer über die Anforderungen seiner Pferde. An oberster Stelle stehe allerdings, dass die Pferde gesund blieben.

Para: „Wir wollen uns in Tryon für Olympia in Tokyo qualifizieren.“
Fünf Handicapstufen gibt es bei den Para-Dressurreitern. Auch sie sind bei den Weltreiterspielen dieses Jahr in Tryon mit dabei.

Steffen Zeibig (Para) (Foto:privat)

Seit dem Jahr 2006 sind die Parareiter als achte Disziplin bei der FEI gelistet. 2010 hatten sie ihre Premiere in Kentucky. Die Starter werden dabei in fünf verschiedene „Grades“, unterteilt. In der Stufe Grade Eins starten die Teilnehmer, die am schwersten gehandicapt sind. Hier werden die Lektionen im Schritt, teilweise auch im Trab, gezeigt. Steffen Zeibig startet in Grade drei, wo auch teilweise Galoppsequenzen gefordert werden. „Leider bekommen Para-Reiter nicht ständig Anfragen bezüglich der Pferde“, gibt der 40-jährige zu. Die Pferde der Para-Reiter müssen extra für die Reiter ausgebildet werden und dies sei zeitaufwendig. Doch er hoffe erneut auf einen Kaderplatz. „Wir wollen alle nach Tokyo, denn wir essen gerne Sushi“, grinst Equipechefin Britta Bando. In Tryon könne man sich bereits für die Olympischen Spiele in Tokyo 2020 qualifizieren. Aktuell schaue sie aber auf die Leistungen ihrer Reiter. Gesichtet werde in Mannheim bei den Deutschen Meisterschaften und um Juli in Überherrn. „Von der letzten Sichtung bis zur finalen Nominierung vergeht viel Zeit. Bis dahin müssen alle bei Laune gehalten werden“, grinst die 62-jährige Hamburgerin. Sie sehe die Briten sehr stark mit guten Pferden, aber hoffe auf eine gute Platzierung der deutschen Mannschaft.

Reining: „Haben ein gutes Team.“
In dem Mutterland der Reining gehen bei den Weltreiterspielen die Deutschen ebenfalls motiviert an den Start. Sie wollen dieses Mal eine Medaille.

Julia Schumacher (reinging) (Foto:privat)

Die Reining steht dieses Jahr ebenfalls in Tryon bei den Weltreiterspielen auf dem Programm. Die Deutsche Mannschaft will es Titelverteidiger Belgien schwer machen. Doch um in Tryon starten zu können, muss die letzte Qualifikationsrunde auf der Ranch der Familie Schumacher in der Schweiz absolviert werden. Dort will sich auch Gina Schumacher, die seit diesem Jahr bei den Senioren mitreitet, qualifizieren. Die junge Reiterin habe Ambitionen, bei den Senioren da weiterzumachen, wo sie bei Junioren aufgehört hat. „Wir können vier Teamreiter nominieren und einen Einzelreiter“, sagt Nico Hörmann, Bundestrainer der Reiner. Das internationale Niveau sei hoch und der Anspruch auch entsprechend groß an die Reiter. „Viele Reiter starten in den USA oder bilden sich da fort“, sagt Hörmann, der selbst 2010 in Kentucky an den Start ging. Dabei stürzte sein Pferd, was den Ausschluss beinhaltete. „Die Pferde sind inzwischen so gezogen, dass sie nicht anders bremsen können, als im Sliding Stop. Selbst die Fohlen rutschen schon mit dem Hintern über der Grasnarbe über die Wiese, wenn sie bremsen“, sagt Julia Schumacher über die Zucht der Quater Horses, die mit 40.000 eingetragenen Pferden in Deutschland weit verbreitet sind. Schumacher selbst habe im Alter von 14 vom Springsattel zum Westernsattel gewechselt. „Ich habe nach den ersten zwei, drei Metern des Sliding Stops Blut geleckt“, grinst die 31-Jährige, die seit 2013 bei Grischa Ludwig als Co-Trainerin arbeitet. Ihr Pferd Coeurs Little Tyke sei in guter Form. „Es kommt auf Little an, ob ich dabei bin. Aber er hat Bock auf Turniere. “, grinst die 31-jährige Reiterin. Deshalb hoffe sie auf einen Kaderplatz.

Springen: Mit Routiniers und Jungspunden zu den Weltreiterspielen
Im Lager der deutschen Springreiter stehen ebenfalls die Qualifikationen für die Nominierungen an. Dabei kann Bundestrainer Otto Becker auf junge und bereits etablierte Reiter zurückgreifen.

Für die Springreiter geht es ebenfalls im September nach Tryon zu den Weltreiterspielen. Auch wenn Ludger Beerbaum seinen Abschied aus der Nationalequipe bereits nach den Olympischen Spielen von Rio bekannt gab, gibt es andere gute Reiter, wie Daniel Deusser oder Laura Klaphake, die eine Chance auf die Nominierung für den Kader der Springreiter haben. Doch wer starten darf, entscheidet sich nach fünf Nationenpreisen. „Der erste Nationenpreis steht im April an. Bis Rotterdam zählen also alle fünf Nationenpreise“, sagt Becker, der selbst früher zur Equipe gehörte, über die Auswahl der Reiter. Bis dahin würden die Reiter die Pferde gezielt einsetzen. „Allerdings wird André Thieme Simone Blum mit Alice ersetzen, da sich die Stute vor kurzem verletzt hat.“ Er könne aus etablierten und jungen Reitern wählen und hoffe auf eine gute Basis für Tryon. Doch Becker bedauere, dass es ab 2018 im Finale keinen Pferdewechsel mehr gibt. „Das war ein Highligt für die Zuschauer, aber für die Pferde eine hohe Belastung.“ Deshalb könne er verstehen, dass diese Teilprüfung gestrichen wurde. Dennoch ist das Zeitspringen zu Beginn und eine zweite Wertungsrunde, bei denen die Strafpunkte aus der ersten Runde mitgenommen werden. Geritten werden zwei Runden, die auch für die Teamwertung zählen. Bei Gleichstand wird das Springen in einem Stechen entschieden. Die besten 25 dürfen dann um den Einzeltitel reiten und die besten zwölf dürfen in den zweiten Umlauf. Danach steht der Sieger. Daher sei es wichtig, dass die Pferde fit und die Reiter gut aufgestellt sind. Auch Reiter Marcus Ehning sehe sich mit seinen Pferden gut aufgestellt. „Die Hengste sind momentan im Deckeinsatz, aber ich habe auch noch andere junge und erfahrene Pferde im Stall“, grinst der Reiter aus Borken. Somit sei es spannend, wer letztendlich für die Weltreiterspiele nominiert werde.

Vielseitigkeit: Individueller Plan für Weltreiterspiele
Die deutschen Vielseitigkeitsreiter wollen auch bei den Weltreiterspielen in Tryon ihren Titel in Einzel- und Mannschaftswertung verteidigen. Dazu werden die Einsätze der Pferde genau geplant.

Hans Melzer(Foto:privat)

Wer von den Vielseitigkeitsreitern in Tryon bei den Weltreiterspielen dabei sein darf, entscheidet sich spätestens nach Göteborg. Da ist sich Bundestrainer Hans Melzer sicher. Denn er habe für jedes Paar einen individuellen Turnierplan zur Sichtung erstellt. „Man muss Ziele haben“, sagt Ingrid Klimke. Mit Franziskus starte sie diese Woche in der Dressur beim Turnier in Hagen. Danach schaue sie auf Balve, und werde dort starten, wenn alles gut laufe. Doch auch in der Vielseitigkeit sei das Ziel ganz klar Tryon. Bis dahin sollen alle Pferde auf den Punkt fit sein. „Jeder hat seinen individuelle Turnierplan zur Sichtung“, sagt der Bundestrainer aus Luhmühlen. Für alle sei Aachen allerdings ein wichtiger Termin, wenn es darum geht, sich für die Weltreiterspiele zu empfehlen. Denn die Titel in der Einzel-und Mannschaftswertung sollen gegen, unter anderem die Briten, verteidigt werden. Denn inzwischen ist seit einigen Jahren auch die Vielseitigkeit ein Medaillengarant. „Die Ergebnisse liegen dicht beieinander. Da muss schon sauber in Dressur, Geländer und Springen geritten werden“, sagt Melzer. Die Bedingungen in Tryon sehe er als sehr gut an. „Das Gelände hat extreme Steigungen und ist auf einem ehemaligen Golfplatz“, erklärt der 66-Jährige. Dabei hätten Pferde mit einer kleinen Galoppade einen Vorteil, da der Boden wellig sei. Doch trotzdem sei der Boden sehr gut und habe ein tolles Geläuf. „Da ist Kondition bei den Pferden gefragt“, sagt Melzer abschließend.

 

Bild & Text: Jenny Musall

MerkenMerkenMerkenMerken

Weitere Artikel

Jaqueline Weidlich - 
26. März 2019
ca. 2 Minuten
Jaqueline Weidlich - 
25. März 2019
ca. 2 Minuten
Jaqueline Weidlich - 
25. März 2019
ca. 2 Minuten
Jaqueline Weidlich - 
25. März 2019
ca. 4 Minuten
Jaqueline Weidlich - 
25. März 2019
ca. 4 Minuten
Larissa Lienig - 
25. März 2019
ca. 2 Minuten