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Pferde verschwinden nach Gnadenhof-Aufenthalt in Bad Driburg und Paderborn spurlos

Bad Driburg/Bielefeld/Paderborn (WB). »Wo ist Knödel?« – diese Frage beschäftigt unter dem gleichnamigen Hashtag im Internet derzeit Pferdefreunde aus der… Artikel lesen

Jaqueline Weidlich
14.12.2017 4 min lesen

Bad Driburg/Bielefeld/Paderborn (WB). »Wo ist Knödel?« – diese Frage beschäftigt unter dem gleichnamigen Hashtag im Internet derzeit Pferdefreunde aus der Region – und ganz besonders Nicole Niebur aus Bielefeld. Ihr hat Knödel gehört. Sie hat den 17-jährigen Wallach an den Bad Driburger Herbert H. zur Pflege auf dessen Gnadenhof »Pferde in Not« in Herste gegeben. Seit Dezember ist das Pferd verschwunden.

Was mit dem Pferd passiert ist, das will Herbert H. Nicole Niebur nicht verraten. Bis zum August habe das Tier auf einer Weide im Haxtergrund in Paderborn gestanden, die Herbert H. zwischenzeitlich gepachtet hatte, weiß diese. Auch hartnäckiges Hinterfragen habe nur Ausreden und Ausflüchte zur Folge gehabt. Bad Driburg/Bielefeld/Paderborn (WB). »Wo ist Knödel?« – diese Frage beschäftigt unter dem gleichnamigen Hashtag im Internet derzeit Pferdefreunde aus der Region – und ganz besonders Nicole Niebur aus Bielefeld. Ihr hat Knödel gehört. Sie hat den 17-jährigen Wallach an den Bad Driburger Herbert H. zur Pflege auf dessen Gnadenhof »Pferde in Not« in Herste gegeben. Seit Dezember ist das Pferd verschwunden.

Was mit dem Pferd passiert ist, das will Herbert H. Nicole Niebur nicht verraten. Bis zum August habe das Tier auf einer Weide im Haxtergrund in Paderborn gestanden, die Herbert H. zwischenzeitlich gepachtet hatte, weiß diese. Auch hartnäckiges Hinterfragen habe nur Ausreden und Ausflüchte zur Folge gehabt. »Am 4. Dezember hat er behauptet, das Pferd habe um 16 Uhr tot in seiner Box gelegen«, berichtet die Bielefelderin im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Daraufhin habe sie das tote Tier sehen wollen. Als sie um 18 Uhr ankam, sei der angeblich verstorbene Wallach nicht mehr da gewesen.

Equidenpass fehlt
»Herr H. hat behauptet, die Tierkörperbeseitigung habe ihn bereits abgeholt«, erläutert Nicole Niebur. Aus langjähriger Erfahrung im Reiterwesen weiß sie aber: »Nach nur zwei Stunden kann das noch gar nicht passiert sein. Und nach 16 Uhr fährt die Tierkörperbeseitigung auch nur noch im Notfall los.« Als sie den Equidenpass – eine Art Personalausweis, den jedes Pferd haben muss – von Knödel einforderte, musste der Gnadenhof-Betreiber ebenfalls passen. »Er sagte dann, er werde den Pass zuschicken, um alles weitere werde sich sein Anwalt kümmern«, erinnert sich die Bielefelderin. Auch das irritiert sie. »Dass ein Pferd mit 17 Jahren sterben kann, das ist ein völlig normaler Vorgang. Warum will er einen Anwalt einschalten?«, sagt sie. Knödel heißt eigentlich »Heavens Little Jewel« und hat unter diesem Namen im Westernreiten auch internationale Preise errungen. Für 75 Euro monatlich hatte Herbert H. Knödel auf seinem Gnadenhof aufgenommen. Nicole Niebur war der Auffassung, einen so genannten Schutzvertrag abgeschlossen zu haben.

Juristisch die Hände gebunden
Zum Verhängnis wurde ihr das Kleingedruckte. »Dort stand, dass das Tier für einen symbolischen Preis von einem Euro verkauft wird«, bedauert die Pferdefreundin. So seien ihr juristisch die Hände gebunden. »Dabei hatten wir zuvor bei einer anderen Stelle mit einem solchen Schutzvertrag beste Erfahrungen gemacht«, sagt die Bielefelderin. Diese gebe es heute aber nicht mehr. »Knödel hatte arge gesundheitliche Probleme, und ich wollte ihm seine Rente in einer Herde und ganz viel Bewegung ermöglichen«, beschreibt die Bielefelderin den Grund, warum sie Knödel in die Obhut von Herbert H. gegeben hat. Dieser gebe sich als Gnadenhofbetreiber und Pferdeschützer aus und betreibe genau das Gegenteil. »Schlimm für alle Tierschützer, die ihre Arbeit mit Hingabe und Leidenschaft betreiben«, meint sie.

150 Euro angeboten
Von ihr unter Druck gesetzt, habe ihr Herbert H. auch schon 150 Euro angeboten mit der Bemerkung »Damit ist die Sache dann doch wohl geklärt.« Das sieht Nicole Niebur aber anders. Sie möchte einfach nur wissen, was mit Knödel passiert ist. Da Herbert H. schweigt, sucht sie im Internet – etwa bei Ebay und bei Facebook – nach Menschen, die einen Hinweis auf den Quarter Horse Wallach geben können. 1000 Euro Belohnung hat sie ausgesetzt.

Den entscheidenden Hinweis hat es bislang nicht gegeben, dafür haben sich aber einige andere Pferdebesitzerinnen gemeldet, denen es ähnlich ergangen ist wie Nicole Niebur. Der Traber Wallach Titan, der Wallach Riccartos und andere werden vermisst. Die Bielefelderin und andere Betroffene vermuten, dass die Pferde von Herbert H. an gutgläubige Menschen verkauft wurden. »Es ist durchaus möglich, ein Pferd für einen gewissen Zeitraum wieder fit zu spritzen«, weiß sie. Wenn dann jemand ein Pferd »für den Anfang« suche und nicht so viel Geld ausgeben wolle, sei das genau die anvisierte Zielgruppe.

»Das Pferd ist krank«
»Und wenn das Tier dann Wochen nach dem Verkauf wieder Beschwerden hat und zum Beispiel lahmt, heißt es lapidar: ›Bei mir hat er das noch nicht getan«, nennt sie ein Beispiel. Im Facebook-Eintrag einer anderen Betroffenen schreibt diese: »Der Käufer, der das Pferd jetzt hat, wurde eventuell betrogen!!! Das Pferd ist krank und darf nicht mehr geritten werden!«

Herbert H. erklärte gegenüber dem WESTFALEN-BLATT, dass Knödel nicht mehr lebe. Da der Gnadenhof-Betreiber sich gegenwärtig in medizinischer Behandlung befinde und Medikamente nehme, wolle er sich nicht weiter zum Thema äußern.

 

Quelle: westfalenblatt.de