Ohne sie kein CSI – Für diese fünf Personen ist das CSI etwas ganz spezielles

von Stina Berghaus
12. Januar 2018
12.01.2018
ca. 5 Minuten

42 der 50 besten Reiter messen sich dieser Tage am CSI Basel. Ohne die fast 400 Helfer vor Ort wäre das nicht möglich. BZ Basel hat fünf herausgepickt – vom OK-Präsidenten bis zur Pferdepflegerin. Alle Fotos gibt es hier zu sehen.

Daniel «Melcher» Jost (55), Türöffner
«Ob Milliardärstochter Athina Onassis (wie hier auf dem Bild, d. Red.) oder ein unbekannter Amateurreiter: Ich öffne allen das Tor zum Parcours. Seit dem ersten CSI in Basel 2010 bin ich dabei. Immer schon mit Frack und Zylinder. Eben meinte OK-Präsident Willy Bürgin zu mir, dass ich erst aufhören könne, wenn mir der Hut nicht mehr geht (lacht).

Irgendwie gehöre ich hier zu diesem Wettbewerb wie die Spitzenreiter. Übrigens bin ich bis letztes Jahr selbst geritten, aber dann musste ich meine Stute einschläfern. Reiten ist seit fast 35 Jahren meine grosse Leidenschaft, darum werde ich mit Sicherheit schon bald wieder auf einem Pferderücken sitzen. So oder so geniesse ich die Tage hier.

Anfang Januar nehme ich jedes Jahr eine Woche Ferien, damit ich dabei sein kann. Anfang Woche helfe ich die Pferdeboxen einzurichten, dann beim Ausladen der Tiere. Man kennt sich, man hilft sich. Denn Reitsport ist wie eine Krankheit, wie eine Droge: Man kommt nicht mehr weg davon.

In der Szene nennt man mich übrigens «Melcher», aber das ist eine andere Geschichte. Hier geht es um meinen Job als Türöffner. Ab Donnerstag stehe ich jeweils hier beim Eingang und lasse Ross und Reiter auf den Parcours. Das ist meine Leidenschaft. Normalerweise arbeite ich auf dem Werkhof in Rheinfelden. Der CSI ist mir eine willkommene Abwechslung, ein Ausbruch aus dem Alltag.»

Daria Stöcker (33), Tierärztin
«Meist kümmern wir uns um kleinere medizinische Probleme der Pferde, zum Beispiel einfache Verletzungen, milde Bauchschmerzen oder leichte Lahmheiten. Am Donnerstagmorgen aber zeigte ein Pferd beim zweiten Amateurspringen nach der Landung eine akute hochgradige Lahmheit. Nach einem lauten Knall stand das Pferd nur noch auf drei Beinen da.

Es wurde mit Verdacht auf Knochenbruch in die Klinik gebracht. Was man jetzt schon sagen kann: Der Heilungsprozess eines Knochenbruches dauert wesentlich länger als beim Menschen. Der Heilungsprozess verlangsamt sich, da das Pferd sein verletztes Bein nicht einfach hochlagern kann.

Zusätzlich ist der Knochen im Zehenbereich nicht von Muskulatur umgeben und somit weniger gut durchblutet. Es kann gut mindestens ein halbes Jahr dauern, bis man ein solches Pferd wieder reiten kann. Aber die Hoffnung besteht. Das ist nicht selbstverständlich. Früher war es oft so, dass ein Beinbruch das Ende für das Pferd bedeutete.

Das ist heute zum Glück anders. Nur bei ganz gravierenden Verletzungen muss ein Pferd direkt eingeschläfert werden. Ich hoffe, dass dies der einzige schwere Notfall war. Die nächsten Tage werde ich 24 Stunden hier auf dem Gelände verbringen. Jederzeit auf Abruf. Den Tag hindurch sind wir zu zweit hier, in der Nacht werde ich von drei Studenten unterstützt, die die Ställe regelmäßig überprüfen. Langweilig wird uns nie.»

Kim Bentge (47), Hufschmied
«Ich ging ins Gymi, als ich merkte, dass mir die Lernerei nicht viel sagt. Danach war für mich relativ schnell klar, dass ich Hufschmied werden will. Ich hatte schon immer mit Pferden zu tun, habe am CSI zuerst als Reiter teilgenommen, 2014 habe ich meine Laufbahn aber mit einem 1. und einem 2. Platz beendet.

Im Jahr darauf ritt meine Tochter Selina erstmals mit und das macht sie auch dieses Jahr bei den Amateuren. Obwohl ich schon seit über 20 Jahren als Hufschmied arbeite, und in der Gegend um Biel-Benken, wo ich herkomme und wohne, um die 200 Pferde betreue, mache ich diesen Job beim CSI erst seit 2017.

Die Arbeit hier ist kaum planbar, die Reiter kommen, wenn sie mich brauchen. Und das ist dann der Fall, wenn sie einen Eisenabriss haben oder das Hufeisen nicht mehr gut sitzt. Bei sehr technischen Parcours oder Jagdrennen kommt das öfter vor, da sich die Pferde bei solchen Wettbewerben eher mit den Hinterläufen auf die Vorderläufe treten und so das Eisen abreissen.

Nebenbei und mit der Hilfe meines Sohnes Nico verkaufe ich am CSI auch noch Pferdelaufbänder. Das mag für einige jetzt komisch tönen, aber auch bei Pferden kann so etwas Sinn machen. Zum Beispiel für den Muskelaufbau nach einer Verletzung. Auf jeden Fall steigt die Nachfrage und ich wäre langsam nicht mehr in der Lage, all das allein zu stemmen.»

Leila Chew (27), Pferdepflegerin von Michael Whitaker
«Meine Eltern wollten, dass ich Geige spiele, Musikerin werde, wie sie es sind. Dabei wollte ich immer reiten. Erst als ich als Teenagerin das Handgelenk brach, hatten meine Eltern ein Einsehen. Das Geld für mein erstes Pferd habe ich mir auf einer Schweinefarm erarbeitet. Wenig später erfuhr ich dann durch eine Freundin, dass Michael Whitaker (Olympia-Zweiter 1984 in L.A.; d. Red.) eine Pferdepflegerin sucht.

Und so reiste ich aus London, wo ich aufwuchs, in den Norden Englands nach Nottingham und kehrte nie mehr zurück. Michael ist der netteste Mensch, den man sich vorstellen kann und ich liebe es, mit seinen Pferden zu arbeiten. Eigentlich reite ich auch alle selbst, außer ihn hier, Valmy de la Lande. Er ist verrückt, macht, was er will. Aber Michael liebt dieses Pferd.

Er sagt, es sei das beste Pferd, auf dem er je gesessen sei. Mit ihm will er 2020 in Tokio Olympia bestreiten. Vor acht Jahren habe ich bei Michael angefangen, seit fünf Jahren reise ich mit ihm. Eigentlich sind wir jede Woche in einem anderen Land, oft auf einem anderen Kontinent.

Aber ich könnte mir nichts Besseres vorstellen als das, was ich jetzt mache. Dazu gehört auch das Duschen. Valmy ist eben gelaufen, hat geschwitzt. Wenn man ihn dann nicht pflegt, kriegt er Ausschläge und das wollen wir natürlich nicht. Auch geniesst er die Kühlung. Genauso wie ich meinen Job.»

Willy Bürgin (81), OK-Präsident
«Als wir hier anfingen, wurden wir belächelt. Heute lache ich. Der CSI Basel ist zu einem der bestbesetzten Hallenturniere der Welt herangewachsen, wir haben 42 der besten 50 Reiter hier am Start. Wie wir das machen? Wir behandeln Reiter und Pferde gut, sie sind unsere wichtigsten Akteure.

Direkt danach kommt das Publikum. Jedes Jahr sind ein bisschen mehr Leute gekommen. Trotzdem habe ich zu Hause noch ein Schild hängen, das ich irgendwann aufhängen möchte. Ich habe es anfertigen lassen und darauf steht: «Ausverkauft!». Sportlich bleibt es mein grösster Wunsch, dass irgendwann ein Schweizer Reiter diesen Grand Prix gewinnt.

Aber bisher konnten wir leider noch nie die Schweizer Nationalhymne spielen. Auch dieses Jahr gibt es wieder eine ganze Reihe von Siegkandidaten. Das Einzige, was ich garantieren kann: Wer am wenigsten Fehler macht und am schnellsten ist, hat gewonnen (lacht). Und ich hoffe, dass wir bis dahin möglichst unfallfrei durchkommen.

Das ist für mich immer eine besondere Genugtuung. Aber eigentlich bin ich meist euphorisch, ich mache das alles aus Freude. In meinem Alter muss man nicht mehr, man darf. Reiten ist eine Passion. Ich wollte dem Sport etwas zurückgeben – genauso wie der Stadt Basel. Ich bin stolz, dass wir nach dem Swiss Indoors zum zweitgrößten Anlass in dieser Halle herangewachsen sind. Und ein Aushängeschild wurden für Basel.»

 

Quelle: bzbasel.ch

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