Neues vom Trakehner Verband

von Louisa Trippe
03. Juli 2018
03.07.2018
ca. 7 Minuten

Die Vorfreude auf das 14. Internationale Trakehner Bundesturnier, das in wenigen Tagen beginnt, wächst und der Trakehner Verband freut sich sehr darauf, viele Besucher auf dem traditionsreichen Reitgelände mitten in Hannover zu treffen. Am Donnerstag, den 5. Juli, geht es mit den Geländeprüfungen los, am Freitag auf drei Dressurvierecken und dem großen Springplatz weiter. Besonders stolz ist man auf die erstklassige Fohlenkollektion, die auch in diesem Jahr in die beliebte Open Air Fohlenauktion am Samstagabend entsendet werden kann: Mehr als 20 Fohlen von 16 unterschiedlichen Vätern entkräften Unkenrufe über eine bedrohliche Verengung des Genpools in unserer Zucht, ganz einfach durch Tatsachen. Erstklassige Anpaarungen für Zucht und Sport sowie einige hochinteressante Outcross-Pedigrees mit Spitzenqualität und Trakehner Charme werden erwartet.
Auf den internationalen Turnierplätzen rücken die Tickets für die Weltreiterspiele in Tryon im September vermehrt in den Fokus der Aktiven. Die USA haben bereits einen Trakehner Eventer im Team, die Dänin Rikke Svane ist mit ihrem Hengst Finckenstein TSF auf der Longlist und Jessica von Bredow-Werndl und ihre TSF Dalera BB konnten bei der DM in Balve über sich hinaus- und in den Olympiakader hineinwachsen!
Diese Woche heißt es für die Trakehner Welt zunächst: Wir sehen uns in Hannover!

TSF Dalera BB und Jessica von Bredow-Werndl im Olympiakader

Ihr Aufstieg darf als kometenhaft bezeichnet werden: TSF Dalera BB erreichte in ihrer ersten „großen“ Saison unter Jessica von Bredow-Werndl auf Anhieb den Sprung aufs Treppchen bei den Deutschen Meisterschaften der Dressurreiter wie auch die Nachberufung in den Olympiakader und einen Startplatz im deutschen Team beim CHIO Aachen!
Jessica von Bredow-Werndl brachte die dunkelbraune Easy Game-Tochter aus der Zucht von Silke Druckenmüller mit feinem Reiten in die vorderste Spitze der deutschen Dressurreiterei und beginnt zu schwärmen, wenn sie von ihrem ersten Trakehner im Dressurstall im bayerischen Aubenhausen erzählt. Zu der außergewöhnlichen Elastizität und Bewegungsgüte, die Richter und Zuschauer regelmäßig verzaubert, bringt die elfjährige Stute, das haben die Auftritte der laufenden Saison gezeigt, auch das Interieur für den Sport mit: Konzentrationsfähigkeit, Ehrgeiz, Nervenstärke und die stete Bereitschaft, mit ihrer Reiterin zusammenzuarbeiten. Wurde die Saison 2017 inklusive Babypause der Reiterin vom Sieg im Louisdor-Preis-Finale gekrönt, standen in diesem Jahr bisher sieben Starts in internationalen Grand Prix auf dem Turnierplan, bei denen TSF Dalera BB stetig an Routine sammeln durfte und ihre Stärken immer besser ausspielen konnte. Sensationelles Kür-Bronze bei den Deutschen Meisterschaften, ganz knapp nur hinter Dorothee Schneider, brachte in Balve zudem die Berufung in den Olympiakader und die Nominierung für das deutsche Team in Aachen. Für das CHIO Aachen (13. bis 22. Juli 2018) heißt es nun Daumen drücken für diese beiden besonderen Sympathieträger!

Dressur kann so schön sein! Jessica von Bredow-Werndl und TSF Dalera BB glänzten in Balve. (Foto: Stefan Lafrentz)

Tolle Trainer, gute Pferde – Sichtungsinitiative Dressur 2018

Das leisten nur die Trakehner! Dank der Unterstützung der Trakehner-Turniersport-Gemeinschaft e.V. (TTG) und großzügiger Sponsoren konnten auch in diesem Frühsommer vier hochkarätige Sichtungstage für junge Trakehner Dressurtalente angeboten werden. Alle Termine waren stark nachgefragt. Zum Konzept, das seit 2015 umgesetzt wird und somit im vierten Jahr steht, gehört zum einen das bundesweite Angebot: An vier Standorten, jeweils im Norden, Westen, Osten und Süden, findet ein ganztägiger Sichtungstermin statt. Zum anderen locken die elitären Trainer, die die Teilnehmer an diesen Tagen individuell im Einzelunterricht oder in Kleinstgruppen betreuen. Standortbestimmung, Potenzialsichtung und Rat für die weiterführende Ausbildung – das alles leisten die Trakehner Sichtungstage. Neben den Trainern – in diesem Jahr waren es Beatrice Buchwaldt, Wieger de Boer, Carl Cuypers und Dorothee Schneider – ist der stellvertretende Zuchtleiter Neel-Heinrich Schoof bei allen Terminen zugegen – die Reitpferdekollektion der kommenden Hengstmarkt-Auktion im Blick – stets bemüht, bei Vermarktungswünschen über den Trakehner Verband und die Plattform ehorses zu unterstützen. Bei jedem der vier Termine sind, auch das ist Teil dieses exklusiven Trakehner-Konzepts, professionelle Fotografen und Videofilmer vor Ort.

Trakehner Sichtungsinitiative Dressur 2018: der fünfjährige Cassidy Rock v. Rheinklang aus dem Besitz von Rainer und Sandra Fink unter Julia Goßmann (Foto: Jutta Bauernschmitt)

Bundesturnier Fohlenauktion: Debütanten senden Spitzenfohlen

In wenigen Tagen, vom 5. bis 8. Juli 2018, treffen sich Trakehner Reiter, Züchter und Freunde im Reiterstadion Hannover zum 14. Internationalen Trakehner Bundesturnier. Ein Höhepunkt des viertägigen Turniers, zu dem rund 400 Pferde erwartet werden, ist die Open Air Bundesturnier Fohlenauktion am Samstagabend, den 7. Juli, auf dem Turnierplatz.
Über 20 Elitefohlen wurden vom Trakehner Verband streng selektiert. Sportlich und bewegungsstark, erkennbar im Trakehner Typ stehend und für eine mögliche züchterische Zukunft mit besonders wertvollen Pedigrees ausgestattet: Bei der Bundesturnier Fohlenauktion kauft man – teils in spannenden Bieterduellen, mit etwas Glück auch durchaus als „Schnäppchen“ – gekörte Hengste und Prämienstuten in spe wie auch leistungsbetonte Sportpartner für Morgen.
Das Bundesturnier Fohlenauktionslot umfasst in diesem Jahr sechs Stutfohlen und 16 Hengstfohlen. Insgesamt 16 Väter sind vertreten, darunter beispielsweise die Debütanten Zauberreigen, His Moment, Freiherr von Stein, Unicato und Rhenium. Vom vielfach international Grand Prix erfolgreichen Finckenstein TSF stammt eine Tochter, der Siegerhengst 2017, His Moment, wie auch Reservesieger Helium sind mit je zwei Kindern vertreten. Der große Vererber Sixtus, seit 2017 im züchterischen Ruhestand, firmiert als Muttervater für Härte und Sportlichkeit und gibt seine Gene auch über die Vererber Schwarzgold und Berlusconi weiter. Der seinerzeitige Starvererber und Nummer eins der Weltrangliste, Gribaldi, stellt über seinen Sohn Rheinklang eine begehrliche Offerte. Le Rouge, einst Trakehner Siegerhengst und heute Grand Prix-Held, schickt eine Tochter, während Impetus und sein Sohn Mescalero sowie Ivanhoe je ein Hengstfohlen zur Auktion stellen. Die Auktion bietet zudem zwei erstklassige Offerten für Freunde der Vielseitigkeit oder des Springsports: Davidas, gefeierter Springsieger seiner Körung, sowie der in Österreich in der Vielseitigkeit erfolgreiche Lebenstraum debütieren mit erlesen gezogenen Töchtern, Raritäten für Reiter wie für Züchter!
Am Freitagnachmittag um 16.00 Uhr werden die Auktionsfohlen erstmals präsentiert. Eine weitere Kurzvorstellung folgt am Samstagmittag um 12.00 Uhr. Am Samstagabend lädt das Turnierhotel Fora im Vorfeld der Auktion zu Freibier am großen Turnierplatz und um 19.30 Uhr wird Auktionator Uwe Heckmann die Auktion eröffnen.

Edler Trakehner Nachwuchs wie dieser Sohn des Rheinklang erobert am 7. Juli bei der Bundesturnier Fohlenauktion die Herzen. (Foto: privat)

Trakehner Roadshow wieder on Tour

Die Trakehner Roadshow ist nach der Premiere im Vorjahr jetzt mitten in der zweiten Runde: Zwei Termine fanden im Juni in Bayern und Schleswig-Holstein statt, in Rheinland-Pfalz und Sachsen geht es noch in diesem Sommer weiter. Züchterfortbildung mit hohem fachlichem Anspruch in geselliger Atmosphäre und mit Raum für Fragen und Diskussion war die Idee und das Thema 2018 ist aktueller denn je: „Online Pferdevermarktung“ betrifft mittlerweile jeden Pferdezüchter, denn das Internet ist der Marktplatz des 21. Jahrhunderts! Professionell aufbereitetes Foto- und Videomaterial, mit informativem Text in einer Online-Anzeige kombiniert, ist heute unerlässlich, um sich am Markt zu präsentieren und die Aufmerksamkeit potenzieller Kunden zu wecken.
Der Trakehner Verband konnte für die „Trakehner Roadshow 2018“ die Experten für Onlinevermarktung von ehorses gewinnen. Sie geben wertvolle Tipps für die Trakehner Züchter: Wie sollte ansprechendes Foto- und Videomaterial aussehen, was muss die Beschreibung des Pferdes unbedingt enthalten, wie gestalte ich Preisangaben? Vorgestellt werden Beispiele erfolgreicher Inserate sowie Auswertungen zum Kundenverhalten. Neel-Heinrich Schoof, stellvertretender Zuchtleiter des Trakehner Verbandes, ist bei jedem Termin vor Ort. Er wird unter anderem neue Vermarktungsperspektiven aufzeigen und die aktuelle Nachfragesituation beim Trakehner Verband analysieren.
Die Veranstaltungen 2018 sind für die Teilnehmer wieder kostenfrei und Gäste sind herzlich willkommen. Nach den Auftaktveranstaltungen in Bayern und Schleswig-Holstein sind vorerst zwei weitere Termine für die Trakehner Roadshow 2018 geplant.

  1. August – 19 Uhr: Johannisberger Akademie, Johannisberg 1, 53578 Windhagen (Bitte Anmeldung bei den Zuchtbezirksvorsitzenden) und 24. August – 19 Uhr: Hauptgestüt Graditz, Gestütsstraße 54-56, 04860 Torgau OT Graditz
Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance! Top-Fotos oder Videos sind für eine professionelle Vermarkung Pflicht. (Pressefoto)

Anja Beran mit hochklassigem Vortrag beim Hengstmarkt

„Blickschulung – pferdegerechte Ausbildung erkennen mit Anja Beran“ lautet der Titel des in der Fachwelt begeistert aufgenommenen multimedialen Fachvortrages am Freitagabend, den 19. Oktober in den Holstenhallen Neumünster.
Pferdegerechte Ausbildung oder falsch verstandene Dressur – ist das Ausbildungssystem im modernen Reitsport auf einem Irrweg? Diese Frage beantwortet Anja Beran, eine der renommiertesten Vertreterinnen der klassischen Dressur, in diesem Multimediavortrag.
Nach jahrelanger Beobachtung des Dressursports weist Anja Beran die Zuschauer mit Hilfe der Analyse von eindrucksvollen Trickfilmen, die auf der Basis von realen Filmaufnahmen entstanden sind, auf deutliche Fehlentwicklungen hin. Das theoretische Fundament dieser Analyse liefern nicht nur die Werke der alten Meister, sondern vor allem die darauf basierenden Richtlinien für Reiten und Fahren der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. (FN). Ausgewählte Zitate zeigen die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Was im modernen Dressursport oft mit hohen Bewertungen belohnt wird, ist mit der klassischen Lehre und den Richtlinien nicht mehr vereinbar! Das Problem liegt für die international gefragte Referentin im System: Die Ausbildung der Pferde wird dem Wunsch nach spektakulären Darbietungen angepasst und nicht deren Wohlergehen, damit sie eine lange und gesunde Zukunft vor sich haben. Eine filmische Zeitreise zu den alten Meistern zeigt vorbildliche Reiterei wie man sie auf heutigen Dressurturnieren nur noch selten erlebt.

Anja Beran im Unterricht mit der Reiterin Eva Stenbach und dem Hengst Bailando.
(Foto: Maresa Mader)

Tsetserleg im US Team für die Weltmeisterschaften

Der erste Trakehner Teilnehmer an den Weltreiterspielen im September in Tryon, North Carolina, USA, ist gesetzt: Am 26. Juni gab U.S. Equestrian die fünf Teammitglieder Vielseitigkeit für die Weltmeisterschaften in Tryon, USA, bekannt – im Team ist der elfjährige Trakehner Wallach TSETSERLEG v. Windfall-Buddenbrock (Z.: Dr. Timothy Holekamp, B.: Chris Turner) unter Boyd Martin. Der Rappwallach, dessen Vater Windfall 2004 in Athen Olympisches Mannschaftsbronze holte, absolviert 2018 seine erste Saison auf Vier-Sterne- Niveau. Unter anderem erreichte er eine Top-Platzierung im CCI4* Rolex Kentucky und überzeugte die Auswahlkommission darüber hinaus durch beständige gute Ergebnisse in Drei-Sterne-Prüfungen: Zwei FEI CIC3*-Platzierungen im laufenden Jahr, vier in der vergangenen Saison, seiner ersten auf Drei-Sterne-Niveau.
Tsetserleg ist ein Sohn der Auktionsstute Pr.u.St.Pr.St. THABANA, die Dr. Tim Holekamp 2014 in Neumünster erwarb und die in enger mütterlicher Verwandtschaft zu den Hengsten Titulus, Tarison, Tecumseh steht. Ihr 2007 geborenes Hengstfohlen war eher schüchtern und unauffällig – und wurde aus persönlichen Gründen nach der mongolischen Provinzhauptstadt Tsetserleg genannt. Im Stall schlicht ‚Thomas’ gerufen, wurde der unscheinbare Wallach aufgezogen und angeritten. Als die Texanerin Christine Turner auf der Suche nach einem Reitpferd für ihre Tochter war und eigentlich wegen Thomas‘ mütterlicher Halbschwester in Missouri vorbeischaute, verliebte sie sich in den kleinen „Thomas“, weil ihm niemand sonst viel Beachtung schenken wollte. Bei Michael Pollard in Florida zur Ausbildung, überraschte ein erster Turnierstart der beiden so positiv, dass man weitermachte und Tstserleg in nur einem Jahr von Klasse L bis CCI2* erfolgreich war. Seit 2015 reitet der gebürtige Australier Boyd Martin, der die USA seit vielen Jahren international auch auf Championaten vertritt, den kleinen Rappwallach. „In 13 gemeinsamen internationalen Prüfungen von Zwei- bis Vier-Sterne haben wir nicht einen Geländefehler kassiert“, resümiert er im Interview mit Dr. Maren Engelhardt. „Dieses Pferd wächst auf Turnieren phänomenal über sich hinaus. Zuhause nimmt ihn kaum einer wahr – auf dem Turnier wird er zehn Zentimeter größer, springt sprichwörtlich über seine eigene Höhe und meint in der Dressur, er wäre Totilas.“ Der Trakehner Verband drückt die Daumen für Tryon!

Bei den Rolex Kentucky 2018 empfahlen sie sich mit einer Top-Platzierung: der Windfall-Sohn Tsetserleg und Championatsreiter Boyd Martin. (Foto: Kim Mac Millan)

Mehr Informationen gibt es auf der Homepage des Trakehner Verbands.

(PM)

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