Symbolbild (Fotot:pixabay)

Gendefekt WFFS

von Jaqueline
25. Mai 2018
25. 05
ca. 2 Minuten

Was ist das?

Das sogenannte „Warmblood fragile foal syndrom“ ist eine Erbkrankheit die bei neugeborenen Fohlen auftritt. Dabei hat das Tier eine Bindegewebsschwäche und die Haut ist nicht richtig mit dem Untergewebe verbunden. Sie reißt somit sehr leicht. Neben den ständig auftretenden Verletzungen, die schon durch leichte Kontakte mit der Umwelt entstehen können, kann das Fohlen oft nicht mal aufstehen. Die Haut kann sich ablösen und in den schlimmsten Fällen kommt es mit einer offenen Bauchdecke zur Welt. Für die Krankheit gibt es keine Heilung, sodass das Pferd in jedem Fall eingeschläfert werden muss. WFFS lässt sich auf eine vererbte Mutation zurückführen, die eine Proteinveränderung zur Folge hat. Betroffen können alle Warmblutrassen sein. Vermutlich gehen schon viele Fohlen vor der Geburt ab, sodass die Statistiken relativ ungenau sind und eine höchstwahrscheinlich hohe Dunkelziffer nicht berücksichtigt werden kann.

Hengsthalter bestätigen Gendefekt

Hengste in den Niederlanden und der USA wurden in der letzten Zeit auf diesen bestimmten Gendefekt getestet und einige Halter nehmen eine Vorreiterrolle ein und veröffentlichten die Ergebnisse. 2016 dokumentierte man den ersten Fall von WFFS in Deutschland.  Im Jahr 1984 tauchte zum ersten Mal ein Fall mit einem passenden Krankheitsbild auf. Das verantwortliche Gen konnte allerdings erst 2012 entschlüsselt werden, ein Jahr später kam ein Gentest auf den Markt, um die Tiere auf den Gendefekt testen zu können.

Wer kann die Krankheit bekommen?

Die Krankheit wird autosomal-rezessiv vererbt. Das bedeutet, dass kranke Tiere auf jeden Fall die Anlage zur Krankheit von beiden Elternteilen geerbt haben müssen, auch wenn diese augenscheinlich gesund sind. Werden Träger und Nichtträger gepaart, sind die Nachkommen zu 100 Prozent gesund, 50 Prozent sind trotzdem Träger. Hier ist der Gendefekt inaktiv und wird wahrscheinlich an die nächste Generation weitergegeben. Die Forschung ist allerdings noch nicht so weit, dass sich Rückschlüsse auf eine bestimmte Linie ziehen lassen. Deswegen wird von vielen Seiten Aufklärung gefordert. Auf der Tagung der deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) war die Krankheit ebenfalls Teil der Diskussion.

Gentest

Zurzeit lässt sich zwar ein Gentest an den Tieren durchführen, allerdings muss dieser noch weite entwickelt werden. Es muss noch überprüft werden, ob dieser rassespezifisch oder übergreifend wirkt. Heute gehen Studien davon aus, dass sechs bis elf Prozent aller Warmblüter Träger der Krankheit sind. Wie hoch die Dunkelziffer ist, lässt sich nicht einschätzen, da viele Fohlen nicht lebend auf die Welt kommen und es weiterhin viele Fällen gibt, die nicht gemeldet werden.

Wie geht es weiter?

Wie bereits angesprochen, beginnen einige Halter damit, die Ergebnisse der Gentests öffentlich zu machen. Auch in Deutschland wurden Initiativen in diese Richtung gestartet. Auf internationaler Ebene greift ab dem 1. November 2018 eine neue EU-Richtlinie ein, die besagt, dass Pferdehalter über den Genstatus ihrer Pferde Auskunft geben müssen. Sollten die Tiere zur Zucht eingesetzt werden, empfiehlt es sich vorher einen Gentest durchzuführen, um die weitere Ausbreitung der Mutation zu verhindern. Werden wissentlich zwei nachgewiesene Trägertiere miteinander gepaart, wirkt das Tierschutzgesetz, da die Gefahr der Erkrankung in Kauf genommen wurde.

Text: Louisa Trippe

Weitere Artikel

Jaqueline - 
14. Dezember 2018
ca. 2 Minuten
Larissa Lienig - 
14. Dezember 2018
ca. 1 Minuten
Jaqueline - 
13. Dezember 2018
ca. 1 Minuten