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Verbandsrat stimmt Satzungs- und Regelwerksänderungen zu Hamburg (fn-press). Die Themen Alkoholmissbrauch und sexuelle Übergriffe sorgen in unserer Gesellschaft immer wieder… Artikel lesen

Larissa Lienig
07.05.2019 3 min lesen
Symbolbild (Foto:pixabay)

Verbandsrat stimmt Satzungs- und Regelwerksänderungen zu

Hamburg (fn-press). Die Themen Alkoholmissbrauch und sexuelle Übergriffe sorgen in unserer Gesellschaft immer wieder für mediales Aufsehen, so geschehen im vergangenen Jahr auch im Zusammenhang mit dem Nachwuchspferdesport. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hat daraus Konsequenzen gezogen. Im Rahmen der Jahrestagungen in Hamburg verabschiedete der Verband mehrere Änderungen in der Satzung und im sportlichen Regelwerk, um künftig – sowohl präventiv als auch im Fall eines Verstoßes – schnell und angemessen reagieren zu können.

Die Beschlüsse basieren auf Handlungsempfehlungen der FN-Präsidialkommission unter Vorsitz des Vizepräsidenten und Juristen Dr. Harald Hohmann und betreffen sowohl den Spitzen- als auch den allgemeinen Turniersport. Sie beinhalten darüber hinaus Vorschläge für die FN-Mitgliedsverbände, wie die Anpassung von Vereins- und Verbandssatzungen nach einem von der Kommission erarbeiteten Muster. Darin soll unter anderem stehen, dass Verbände/Vereine ausdrücklich jede Form von Gewalt verurteilen und wie mit Mitgliedern umgegangen werden kann, die sich falsch verhalten. „Wir haben eine klare Haltung zu solchen Vorfällen. Jeder Verein und jeder Pferdebetrieb muss ein sicherer Ort für Pferdesportler sein, der ihnen Schutz bietet und sie stark macht gegen jede Form von Gewalt und Diskriminierung“, sagte Hohmann.

LPO-Änderungen
Bereits im Beirat Sport wurden entsprechende Änderungen in der Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO) beschlossen. So kann die FN künftig die Jahresturnierlizenz eines Turnierreiters für einen bestimmten Zeitraum verweigern oder entziehen, sofern ein Verstoß gegen die sportliche oder faire Haltung und die reiterliche Disziplin vorliegt (§§ 920 ff LPO). Dies kommt zum Beispiel bei der Begehung einer Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung, einem Verbrechens im Sinne des Strafgesetzbuches mit spürbaren, negativen Auswirkungen auf den Pferdesport oder einer Straftat nach dem Tierschutzgesetz in Betracht. Wichtig ist, dass die LPO ausdrücklich darauf hinweist, dass solche Verstöße auch dann nach geltendem Verbandsrecht geahndet werden, wenn sie sich außerhalb eines Turniers ereignen.

Darüber hinaus stimmte der Beirat einem Vorschlag zu, die Teilnahmebeschränkungen für Turniere zu erweitern. Laut §65 LPO konnten auch bisher schon Teilnehmer mit stark herabgesetzter Leistungsfähigkeit ausgeschlossen werden. Jetzt wurde dieser Paragraph dahingehend präzisiert, dass Teilnehmer auch bei stark herabgesetzter Leistungsfähigkeit durch übermäßigen Alkoholkonsum („0,5 Promille“) nicht zugelassen oder zu disqualifizieren sind. Darüber hinaus steht es jedem Veranstalter frei, die Vorgaben in der Ausschreibung noch zu verschärfen. Die Kontrolle erfolgt stichprobenartig oder in konkreten Verdachtsfällen. Auch die Satzung von FN und DOKR wurde an die aktuelle Rechtsprechung angepasst.

Weitere Präventionsmaßnahmen im Bereich sexualisierte Gewalt
Bereits vor dem Bekanntwerden von Vorfällen im Jugend-Spitzenpferdesport verfolgte die FN zahlreiche Maßnahmen zur Prävention von sexualisierter Gewalt und Alkoholmissbrauch (siehe dazu auch: www.pferd-aktuell.de/schutz-vor-sexualisierter-gewalt). In den vergangenen Monaten kamen weitere Maßnahmen dazu: Bei bundesweiten Jugend-Turnieren wie dem Preis der Besten und den Deutschen Jugendmeisterschaften wurden stichprobenartig Atemalkoholkontrollen durchgeführt, allesamt mit einem negativen Ergebnis. Der Verband hat zusätzlich ein Drogenmessgerät angeschafft. Außerdem wurden Theoriemodule in Kooperation mit der Missbrauchs-Beratungsstelle Zartbitter e.V. zum Thema Prävention von sexualisierter Gewalt und Alkoholmissbrauch für alle Altersklassen am Bundesstützpunkt in Warendorf etabliert.

Auch die Jugendordnung wurde zu diesem Thema noch einmal aktualisiert, zudem hat sich die FN der Plakataktion „Safe Sport“ des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) angeschlossen. Maria Schierhölter-Otte, Leiterin der FN-Abteilung Jugend, betonte außerdem, den direkten Draht zu den Eltern der Kaderreiter noch intensiver herzustellen, um mit ihnen gemeinsam Themen zu besprechen. Dazu wird als Pilotprojekt ein Elternbeirat in der Disziplin Springen eingesetzt. Im Rahmen des Preises der Besten 2019 wird es erstmals eine Zusammenkunft mit Eltern aller Kadermitglieder der Altersklassen U14 bis U21 der Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit mit FN-Vertretern geben.

FN-Press
Larissa Lienig

„Entspanne dich, lass das Steuer los. Trudele durch die Welt, sie ist so schön.“ - Kurt Tucholsky