Nach Foto-Finish: Dreijähriger Seguro der „Lotto-Gewinner“ von Horn!

(Hamburg) Schon drei Tage vor dem IDEE 157. Deutschen Derby erlebte das Publikum am Donnerstag auf der Galopprennbahn in Hamburg-Horn eine Glanzleistung eines dreijährigen Pferdes: Der von Andreas Suborics in Köln für den Stall Simply Red des Rastatter Steuerberaters Thomas Schäffer (auch Züchter) trainierte Seguro (3,5:1) brachte vor 5.250 Zuschauern das Kunststück fertig, als einziger Vertreter des Derby-Jahrgangs im Grossen Preis von Lotto Hamburg die älteren Top-Galopper zu bezwingen. Der zweite Renntag des IDEE Derby-Meetings hatte es in sich.

Seguro lief als Jüngster in Hamburg-Horn ganz nach vorn im Großen Preis von Lotto Hamburg. (Foto: galoppfoto.de)

Unter dem Franzosen Benjamin Marie, der eine tolle erste Saison in Deutschland hinlegt und später auch mit Ginger Ale (5,2:1) in einem 1.200 Meter-Ausgleich III siegte, brachte Seguro, dessen Betreuer seinen fünften Gruppe-Erfolg in 2026 feierte, in einem dramatischen Finish einen minimalen Vorteil und die 32.000 Euro Siegprämie nach Hause. Beim siebten Start war es der dritte Treffer für den Romasised-Sohn, der zuletzt schon im Japan Racing Association Derby-Trial in Baden-Baden aufgetrumpft hatte.

Packendes Finish

Es war ein hartes Stück Arbeit und ein Thriller der Extraklasse, denn nur ein kurzer Kopf trennte den stets prominent postierten Seguro von der kurz in Sicherheit geglaubten Außenseiterin Soft Winds, die sich glänzend verkaufte, und dem einen weiteren kurzen Kopf zurück folgenden Delgardo, der ebenfalls eine exzellente Partie lieferte. Der Favorit Lazio musste als Vierter zuviel Boden gutmachen, während der lange gefährlich wirkende Atoso erst zuletzt nicht mehr weiterkam und Platz fünf belegte.

STIMMEN:

Benjamin Marie (Jockey von Seguro): „Ich war mir ziemlich sicher, dass wir gewonnen hatten, wollte aber zur Sicherheit auf das Zielfoto warten. Seguro war noch etwas unreif, hat aber toll gekämpft.“

Andreas Suborics (Trainer von Seguro): „Wenn mir jemand vor dem Rennen gesagt hätte, dass wir Dritter gegen gestandene Gruppe-Pferde werden, wäre ich sehr zufrieden gewesen. Im Finish war Seguro noch etwas grün und fiel schon auf den dritten Platz zurück. Benjamin hat ihn noch einmal zusammengestellt und mit Schwung nach vorne gebracht. Wir steuern nun den Dallmayr-Preis und eventuell den Preis von Europa an.“

Gregor Baum (Besitzer von Soft Winds): „Die Stute kam aus dem Ausgleich I und hat super gekämpft. Wir sind total zufrieden, denn wir hatten sie für das Rennen nur nachgenannt, da sie so gut drauf war und wir keine Alternative hatten“

Friedrich von Lenthe (Mitbesitzer von Delgardo): „Das war eine sehr starke Leistung. Leider kam er etwas spät frei, hat aber groß dagegen gehalten.“

Klaus Hofmann (Besitzer von Lazio): „Von so weit hinten konnte man heute bei dem langsamen Tempo nicht mehr gewinnen.“

Erster Trainer-Erfolg für Stefanie Koyuncu

Mit insgesamt 16 Rennen war der Donnerstag der mit Abstand längste Renntag des IDEE Derby-Meetings 2026. Gleich zu Beginn der PMU-Rennen (die ersten Prüfungen wurden auch nach Frankreich übertragen) durfte sich die in Krefeld ansässige Stefanie Koyuncu über den ersten Erfolg ihrer Trainer-Karriere freuen. Die ehemalige Reiterin hatte Square du Temple (2,3:1) mit Eduardo Pedroza in einem 1.200 Meter-Rennen gesattelt, dessen Start-Ziel-Sieg nie in Bedrängnis geriet.

Tango Dancer tanzt die Gegner aus

Sandra Gräfin von Norman ist die Besitzerin des Stalles Schalkmädchen, und mit dem 30.000 Euro-BBAG-Auktionskauf Tango Dancer (3,2:1) scheint sie einen vielversprechenden Zweijährigen ihr eigen zu nennen. Mit bemerkenswertem Speed schob sich der Alson-Sohn beim ersten Karrierestart in einem 1.400 Meter-Rennen, das an den viel zu früh verstorbenen Trainer Uwe Stoltefuß erinnerte, noch an der Favoritin Königin Ayda vorbei. „Wir hatten Mumm auf den Hengst. Er hatte mir zu Hause sehr gut gefallen“, gab Trainer Maxim Pecheur zu, der seine Pferde im Gestüt Röttgen vorbereitet. Platz drei ging mit Marisa an den ersten in Deutschland gelaufenen Nachkommen von Arc-Sieger Torquator Tasso.

Mehrere Überraschungen am Toto

Die Freunde von Außenseitern kamen mehrfach auf ihre Kosten: Bella Sheila, die Esentur Turganaaly Uulu für den Hoppegartener Trainer Roland Dzubasz steuerte, triumphierte zur Quote von 16,2:1: Euro in einem 2.850 Meter-Handicap. Sogar 23,9:1 Euro gab es auf den Start-Ziel-Treffer der von Oliver Schnakenberg aufgebotenen Lady Matilda mit Benjamin Marie in einem 1.200 Meter-Ausgleich IV. Die Viererwette mit Nero Imperator, Many A Year und Lady Lovebug auf den nächsten Plätzen bezahlte 40.000:1 Euro.

Nimczyk mit zwei Treffern 

Vier Trabrennen bildeten eine wichtige Zwischenetappe des Renntages. Hier durfte sich Michael Nimczyk mit Uberlandia und Tonga gleich über zwei Erfolge freuen. HRC-Präsident Volker Linde: „Das machen wir auch aus Solidarität mit den Trabern“. Ende der Jahres wird die Trabrennbahn in Hamburg-Bahrenfeld nicht mehr verfügbar sein.

Veteran mit Nachwuchsreiterin top

Das ehemalige Gruppe-Pferd Mansour (3,1:1) fügte in einem Lauf zum Nachwuchsförderpreis der Mehl-Mülhens-Stiftung über 2.200 Meter dem Top-Favoriten Any Moon eine Niederlage zu. Start-Ziel bewies Lize Ghys-Dieteren auf dem Neunjährigen aus dem Stall von Pavel Vovcenko viel Übersicht. Sie sicherte sich zudem einen Lauf zur Fegentri-WM der Amateurrennreiterinnen auf Christian Sprengels Znoop Digger (4,8:1). 

Trotz einer überlangen Pause ließ sich der ebenfalls in Grupperennen erprobte Serienadler (1,7:1-Favorit) ein maßgeschneidertes 1.600 Meter-Rennen nicht nehmen. Mit Sibylle Vogt war der von Marcel Weiß aufgebotene Wallach bald souverän. Die V4-Wette in den letzten vier Rennen brachte 4.185,9:1 Euro. 

Der Wettumsatz in den 16 Rennen (zwölf Galopp- und vier Trabrennen) belief sich auf 412.358,51 Euro.

Dritter Renntag am Samstag

Der dritte Renntag des IDEE Derby-Meetings findet am Samstag, 04. Juli 2026, mit dem WETTSTAR.de – Grosser Hansa-Preis (Gruppe II, 70.000 Euro, 2.400 m) als Highlight statt. Um 10:42 Uhr startet das erste der insgesamt zehn Rennen.

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