
Maltese Cross zählt aktuell zu den spannendsten dreijährigen Pferden Europas. Der 2023 geborene Sea The Stars-Sohn aus der Nabatea von Camelot wurde als Fohlen bei Arqana für 200.000 Euro von Stauffenberg Bloodstock gekauft und im Jahr darauf bei Tattersalls Book 1 für 350.000 Guineas an Hurworth Bloodstock weiterverkauft. Inzwischen steht Maltese Cross bei William Haggas im Training, hat bei vier Starts dreimal gewonnen und war einmal Zweiter. Mit seinem Sieg im Lingfield Derby Trial hat er sich endgültig in den Kreis der interessanten Kandidaten für das englische Derby gespielt.
Auch aus deutscher Sicht ist Maltese Cross besonders interessant: Seine Mutter Nabatea stammt aus einer herausragenden deutschen Linie, in der unter anderem Namen wie Nutan, Nymphea, Nightflower, Night Petticoat, Next Desert und Next Gina auftauchen. Damit verbindet dieses Pferd internationale Klasse, Pinhooking-Erfolg und deutsche Zuchtgeschichte auf besondere Weise. Grund genug, Graf Philipp von Stauffenberg einige Fragen zu diesem interessanten Hengst zu stellen.
Maltese Cross ist inzwischen auf dem Weg in Richtung englisches Derby. Wie verfolgen Sie die Entwicklung eines Pferdes, das Sie als Fohlen gekauft, vorbereitet und später als Jährling verkauft haben?
Generell verfolge ich alle Pferde, die durch unsere Hände gegangen sind, entweder durch entsprechende Tracker bzw. durch Nachfrage bei den jeweiligen Käufern oder Trainern. Im Falle von Maltese Cross stehe ich in regelmäßigem Austausch mit seinem Trainer William Haggas und habe ihn auch mehrfach bei meinen Besuchen in Newmarket im Stall bzw. bei der Arbeit gesehen.
Sie haben Maltese Cross im Dezember 2023 bei Arqana für 200.000 Euro gekauft. Erinnern Sie sich noch an den ersten Eindruck, den dieses Fohlen damals auf Sie gemacht hat?
Der erste Eindruck ist immer ein wichtiger Entscheidungsfaktor für den Kauf eines Fohlens und der Hengst kam aus einer Boxe, hatte einen extrem guten Bewegungsablauf und dann auch in den Nachbesichtigungen von seinem Verhalten einen sehr coolen und belastbaren Eindruck gemacht. Von seiner Entwicklung vermittelte er sehr gutes Entwicklungspotenzial, war er eher „undercooked“, also nicht ausgereizt.
Stauffenberg Bloodstock ist international auch für erfolgreiches Pinhooking bekannt. Maltese Cross ist dafür ein sehr prominentes Beispiel: gekauft als Fohlen, entwickelt und als Jährling bei Tattersalls Book 1 für 350.000 Guineas verkauft. Was muss bei einem solchen Pferd zusammenkommen, damit man bereit ist, in dieser Preisklasse aktiv zu werden?
Er stammt von einem der besten Hengste Europas ab, aus seiner unmittelbaren Mutterlinie kommen nicht nur sehr viele Gruppesieger, sondern mehrere Gr.1 Sieger – ein negativer Faktor war die sehr beschränkte Rennleistung seiner Mutter, die von Christian von der Recke sehr geschickt gemanagt, gerade mal ein schwaches Rennen in Belgien gewonnen hat. Aber er war sehr korrekt, bewegte sich aus meiner Sicht wunderbar athletisch und sein Entwicklungsstand bot mir die Chance, ihn zu „verbessern“.
Maltese Cross stammt von Sea The Stars aus einer Camelot-Stute und zugleich aus einer sehr starken deutschen Mutterlinie. War diese deutsche Linie damals ein wesentlicher Grund für Ihr Interesse an dem Pferd?
Eine gut durchgezüchtete Deutsche Mutterlinie ist nie ein negativer Faktor, aber ich kann nicht sagen, dass ich ihn deswegen gekauft habe.
Auf dem Papier wirkt Maltese Cross stark auf Stehvermögen gezogen. Ist das im heutigen internationalen Markt eher ein Risiko, weil viele Käufer frühere und schnellere Pferde suchen – oder gerade ein Qualitätsmerkmal, wenn man an klassische Rennen wie das Derby denkt?
Schlussendlich werden die bedeutendsten Rennen weltweit über längere Distanzen gelaufen und die Möglichkeiten für Steher sind global in großem Maße vorhanden. Aber so gezogene Pferde sprechen eine ganz andere Klientel an, als die schnellen und frühreifen – der Nachteil ist, dass die Besitzer länger darauf warten müssen, ob die Pferde eine gewisse Klasse haben.
Hatten Sie bei ihm schon als Fohlen oder Jährling das Gefühl, dass er nicht nur ein gutes Verkaufspferd, sondern möglicherweise ein echter Klassiker-Typ werden könnte?
Es ist immer leichter etwas in diese Richtung zu sagen, wenn das Pferd schon eine gewisse Klasse auf der Rennbahn gezeigt hat, aber in seinem Fall war es tatsächlich so, dass mein Team und ich von Beginn an gesagt haben, dass er unsere bis dato größte Chance ist, den Traum zu erfüllen, das Epsom Derby Pferd zu gewinnen.
Maltese Cross scheint ein Pferd zu sein, das über weitere Wege immer stärker wird. Sehen Sie in ihm eher den großen Steher mit langem, gleitendem Galopp – oder bringt er aus Ihrer Sicht auch genügend Tempo und Wendigkeit für Epsom mit?
Er war sowohl auf der Koppel, als auch bei der Arbeit immer extrem ausbalanciert – ein wichtiger Faktor, um in Epsom bestehen zu können und seine innere Ausgewogenheit ist auch ein großes Plus, um das ganze Tamtam rund um den Derbytag gut zu bewältigen. Ob er wirklich genug „taktischen Speed“ hat, den er bei der Kursführung in Epsom braucht, wird er zeigen müssen – die Art und Weise, wie er das in Lingfield gemacht hat, stimmt mich aber hoffnungsvoller. Aber generell ist er mit einem sehr guten Stehvermögen ausgestattet und ist in meinen Augen ein „grinder“, das heißt einer, der sich immer weiter durchbeißt.
Wie eng verfolgen Sie heute noch seine Entwicklung? Gibt es Kontakt zu William Haggas, Hurworth Bloodstock oder dem Umfeld des heutigen Besitzers?
Wie bereits erwähnt, tausche ich mich regelmäßig mit seinem Trainer William Haggas aus und sein Sohn Sam (Hurworth Bloodstock) hat mir immer wieder Fotos und Videos von ihm geschickt. Seinen Besitzer habe ich noch nicht persönlich kennengelernt.
Der Sieg im Lingfield Derby Trial hat Maltese Cross endgültig in die Derby-Diskussion gebracht. Was hat Ihnen an dieser Leistung besonders gefallen?
Dass er mit zunehmender Distanz immer besser wurde und sein „will to win“, sprich Kampfgeist.
Maltese Cross besitzt auch eine Nennung für das Deutsche Derby in Hamburg. Aus deutscher Sicht wäre es natürlich besonders spannend, ein Pferd aus dieser Mutterlinie und mit dieser Vorgeschichte am Derby-Tag in Hamburg zu sehen. Halten Sie einen Start im Deutschen Derby grundsätzlich für denkbar – oder hängt dies vollständig davon ab, wie er sich nun in Richtung Epsom und danach weiterentwickelt?
Wenn nicht irgendetwas unvorhergesehenes passiert, ist sein Start in Epsom fest geplant. Ich denke, dass er bei einem sehr guten Abschneiden dort eher im Grand Prix de Paris (eine Woche nach dem Deutschen Derby) laufen wird. Er ist diese Woche auch für den Prix de l’Arc de Triomphe genannt worden.
Was sagt die Geschichte von Maltese Cross aus Ihrer Sicht über die internationale Wahrnehmung deutscher Mutterlinien und deutscher Bloodstock-Expertise aus?
Die internationale Wahrnehmung Deutscher Mutterlinien ist eigentlich nicht mehr in Frage zu stellen – mehr oder weniger dauernd gewinnen Pferde aus unseren Mutterlinien rund um den Globus – es ist zwar eine tolle Werbung, dass dem so ist, aber das gleichzeitige Ausbluten unserer Zucht durch den Abverkauf unserer besten Stuten ist sicherlich aus Sicht unserer Zucht mehr als bedauerlich und wird sich langfristig negativ auf diese auswirken. Wie die Bloodstock-Expertise international wahrgenommen wird, kann und will ich nicht beurteilen, aber ich kann für meinen Teil sagen, dass mich inzwischen keiner mehr fragt, welcher Ire die von uns angebotenen Jährlinge vorbereitet hat.
Wenn Maltese Cross tatsächlich im englischen Derby antritt: Was würde Ihnen das persönlich bedeuten? Ist es vor allem eine Bestätigung Ihrer Arbeit als Bloodstock-Agent und Pinhooker – oder bleibt bei einem Pferd, das man als Fohlen ausgesucht und vorbereitet hat, auch eine besondere emotionale Verbindung? Planen Sie, selbst nach Epsom zu reisen?
Generell muss ich zugeben, dass die emotionale Bindung bei einem selbstgezüchteten Pferd schon noch stärker ist, denn man hat es geplant, auf die Welt gebracht und aufgezogen – im Falle eines Pinhooks kommt das Involvement ja erst etwas später. Sowohl als Züchter, als auch als Pinhooker „leben“ wir ja für Tage, wie diese – wir müssen viele schlechte er- und überleben, um einige wenige tolle genießen zu können und es ist für mich kaum zu glauben, womit ich es verdient habe, dass ich von einem Sieg im Epsom Derby träumen darf.
Aber egal wie, ein Pferd in diesem „Rennen der Rennen“ am Start zu haben, ist aus meiner Sicht nur schwer zu überbieten. Wir haben über die Jahre eine ganze Reihe Derbysieger gezüchtet bzw verkauft – den bisherigen Höhepunkt stellt sicherlich der selbstgezogene Deutsche Derbysieger Fantastic Moon dar. Aber es war immer mein Traum, das Englische Derby zu gewinnen! Die Chance, diesem Traumziel jemals wieder so nahe zu kommen, ist realistisch kaum noch mal gegeben. Also werde ich auf jeden Fall nach Epsom reisen. Ich war bisher erst einmal dort – nicht für das Derby, sondern für die Oaks in 2007, als unsere selbstgezogene Stute Four Sins in den Farben des Aga Khan mit Chancen dort antrat und 4. wurde. Bei ihr hatte ich Zweifel, dass sie über genügend Stehvermögen verfügte, die habe ich bei Maltese Cross definitiv nicht.
