Der Sieger der 2. Derby-Qualifikation in Hamburg kommt aus Irland, heißt David Simpson und saß im Sattel eines in Belgien gezogenen Pferdes – Pjotr van de Kruishoeve. Der zweitplatzierte Reiter ist ein wirklich guter Bekannter in Hamburgs Derby-Park, Guy Williams aus England, der schon oft Zweiter war, diesmal mit Crombgraft. Kling nicht so, ist aber ein Holsteiner Wallach von L.B. Crumble aus der Harmonie von Landgraf (Stamm 776) aus der Zucht von Kai Daniel – also ein sehr norddeutsches Element. Die beste deutsche Reiterin folgt auf Platz vier hinter dem Schweizer Alain Jufer mit Andalin du Thalie. Und das ist Clara Blaus aus der Nähe von Osnabrück mit ihrem Paul, dem “once in a lifetime horse”.

Die zweite Qualifikation entfaltete nach dem Auftakt am Mittwoch magnetische Anziehungskraft: Tribüne voll, dicht an dicht Zuschauer/innen auf den Graswällen. Derby – das ist einfach das Superding in Hamburg. David Simpson war sehr zufrieden mit seinem elf Jahre alten Pjotr und sinnierte bei der Frage zum Deutschen Spring-Derby am Sonntag nicht lange herum: Die Hearusforderung liege seiner Ansicht nach nicht im berühmten Wall selbst, sondern in der Distanz zur folgenden Planke. In Hickstead beträgt die zwei Galoppsprünge, in Hamburg nur einen. Weniger Gedanken um den Wall macht sich auch Clara Blau, deren Paul da sehr souverän drüber spaziert und dann heruntergerutscht: “Ich habe andere Sachen im Kopf, wie z.B. die Bahnschranken. Paul hat einen großen Galoppsprung. Letztes Jahr bin ich da fast im Trab durch geritten und das wurde immer noch knapp…” Paul ist Clara Blaus “ein und alles”, das Pferd, das auch mal aushilft, das Pferd, das “rechnen, schreiben und lesen kann” und mit dem sie auch eine Vielseitigkeit reiten würde. Herzenspferd eben.


Obwohl am Sonntag alles wieder anders ist – höher, weiter, breiter – war die Qualifikation aufschlussreich, in mehrfacher Hinsicht und auch für den neuen Parcourschef Olaf Petersen jun. Der Derbykurs ist zwar immer gleich am Sonntag, aber im Detail dann eben doch nicht. Der irische Commandant Geoff Curran und sein Schimmel Hawthornhill von Cardento lieferten eine wohlgeordnete Runde ab, die man sich durchaus immer wieder gerne anschauen würde, Simon Heineke, der nicht in erster Linie für Temperamentsausbrüche bekannt ist – freute sich geradezu überschwänglich über die fehlerfreie Runde mit Caballero Grande (v. Quibery-Cassini) und mit ihm zweifellos auch Züchter und Besitzer Stall Moorhof.
Was Hamburgische Fankultur ist, wird hörbar, wenn Sprecher Kai Huttrop-Hage sagt, wer da gerade in den Parcours gekommen ist: Janne Friederike Meyer-Zimmermann mit Van Tastic. Dann wird es laut und fröhlich, bevor Pferd und Frau überhaupt den ersten Galoppsprung gemacht haben. Und ganz besonders war auch die Freude des Brandenburgers Max-Hilmar Borchert aus Menz – ein Kämpfer durch und durch – mit eigenem Kopf und Lebensfreude. Mit dem Christian-Sohn Camillus gelang eine fehlerfreie Runde (Platz 9) und schon über dem letzten Holsteiner Wegesprung ließ der Reiter seiner Freude freien Lauf. So darf Sport eben auch sein.



