Bundestrainerin Dressur Monica Theodorescu – „Die Dressur in Balve wird fantastisch“

Moritz Treffinger mit Cadeau bei dem Balve Optimum 2025
Moritz Treffinger mit Cadeau bei dem Balve Optimum 2025

Das LONGINES BALVE OPTIMUM ist seit Jahren eine feste Größe im deutschen Dressursport. Auch 2026 treffen dort bei den Deutschen Meisterschaften wieder Deutschlands beste Dressurreiterinnen und Dressurreiter aufeinander. In diesem Jahr hat das Turnier zudem besondere Bedeutung: Balve ist Sichtung für die Weltmeisterschaften in Aachen im August 2026. Ein nationaler Titel kann auf der „Road to Aachen“ also ein entscheidender Schritt sein.

Gibt es bereits Favoriten für das deutsche Team? Bundestrainerin Monica Theodorescu bleibt klar: „Noch ist niemand gesetzt. Alle müssen erst einmal reiten!“
Mit dabei in Balve ist auf jeden Fall das erfolgreiche Team der Europameisterschaften: Isabell Werth, Frederic Wandres, Katharina Hemmer und Ingrid Klimke – teilweise sogar mit zwei Pferden. Aus dem Perspektivkader stoßen außerdem Semmieke Rothenberger und Raphael Netz hinzu. Ebenso am Start sind Benjamin Werndl und Svenja Kämper-Meyer, die neben Werth und Wandres beim Nationenpreis in Fontainebleau starke Leistungen gezeigt haben.
„Ergänzt wird das Feld durch Reiter-Pferd-Paare, die beim Finale des Louisdor-Preises erfolgreich waren. Außerdem wird es definitiv auch einige Überraschungen geben. 

Die Zuschauer dürfen sich auf ein absolutes Weltklassefeld freuen. Ich bin sehr euphorisch – es wird unglaublich spannend!“, sagt Monica Theodorescu.
Die Deutschen Meisterschaften in der Dressur beginnen am Donnerstag, 4. Juni 2026, mit dem Grand Prix. Die Medaillen im Grand Prix Special sowie in der Grand Prix Kür werden am Samstag beziehungsweise Sonntag vergeben.


Moritz Treffinger – ein absolutes Ausnahmetalent

Moritz Treffinger – diesen Namen sollten Sie sich merken! Wieso? Das ist leicht erklärt: Mit gerade einmal 22 Jahren hat sich der Bereiter des Gestüt Bonhomme in dieser Saison in der absoluten Weltspitze der Dressur etabliert und gehört zu den spannendsten Nachwuchstalenten weltweit. Und das als U25-Reiter! Sein bislang größter Meilenstein: das Weltcup-Finale in Fort Worth/ USA. Im Sattel des 17-jährigen Oldenburger Hengstes Fiderdance zeigte Treffinger bei seinem Finaldebüt im April eine ausdrucksstarke Runde im Grand Prix, die mit Platz sechs als bester Deutscher belohnt wurde. In der Grand Prix Kür landete er in den Top 10. Doch was den gebürtigen Baden-Württemberger besonders macht, geht weit über Platzierungen hinaus: Es ist seine feine, partnerschaftliche Reitweise – und die tiefe emotionale Verbindung zu seinen Pferden. Nach seinem Auftritt beim Weltcup-Finale wurde genau das sichtbar, als er überwältigt von Stolz, Dankbarkeit und Rührung offen seine Gefühle zeigte. Beim LONGINES BALVE OPTIMUM steht nun der nächste spannende Schritt bei den Deutschen Meisterschaften an – ob bei den U25-Reitern (als doppelter Titelverteidiger) oder als Newbie bei den Senioren.

1. Moritz, deine Saison war bislang außergewöhnlich – spätestens mit deinem Auftritt beim Weltcup-Finale bist du endgültig in der Weltspitze angekommen. Wann hast du selbst gespürt: „Jetzt kann ich hier wirklich mithalten“?

So richtig gespürt habe ich das bei der Weltcup-Station in Amsterdam. Das Starterfeld dort war unglaublich hochklassig und renommiert – und dann in der Kür über 78 Prozent zu reiten, das war schon ein besonderer Moment. Da habe ich gemerkt: Ich kann hier wirklich mittendrin sein.

Amsterdam war gleichzeitig auch die erste Weltcup-Station mit Fiderdance. Vorher war ich mit Cadeau Noir in Herning, Stuttgart und London unterwegs. Eigentlich war Cadeau auch für Amsterdam vorgesehen, konnte aber wegen der Quarantäne an der Deckstation nicht starten. Deshalb ist Fiderdance kurzfristig eingesprungen – und das hat fantastisch funktioniert.

Am Ende waren tatsächlich beide Pferde für das Weltcup-Finale qualifiziert. Das war natürlich ein absolutes Luxusproblem. Wir haben uns dann für Fiderdance entschieden, weil er einfach der erfahrenere Routinier ist, flugerfahren war und die Klimaumstellung schon kannte. Mit Cadeau Noir war die Europameisterschaft mein absolutes Highlight, mit Fiderdance dann das Weltcup-Finale. Dass ich mit gerade einmal 22 Jahren als Chefbereiter zwei solche Pferde reiten darf, ist alles andere als selbstverständlich. Dafür bin ich extrem dankbar – das ist ein echtes Privileg.

2. Du hast in Fort Worth nicht nur sportlich überzeugt, sondern auch sehr emotionale Momente im Interview gezeigt. Was ging dir in diesem Augenblick durch den Kopf?

Das war einfach pure Dankbarkeit, die in dem Moment aus mir herausgesprudelt ist. Dort habe ich eigentlich zum ersten Mal wirklich realisiert, wo wir gerade stehen und was wir erreicht haben. Vorher war ich die ganze Zeit wie in einem Tunnel – Vorbereitung, Training, Organisation.

In diesem Augenblick beim Interview fiel dann plötzlich alles ab von mir. Ich war einfach unglaublich stolz und dankbar – auf mein ganzes Team, meine Familie und natürlich auf die Pferde. Gerade auch, weil die ganze Reise mit enorm viel Organisation und Bürokratie verbunden war. Allein die Ein- und Ausreise mit den Pferden, der ganze Papierkram – das war absolutes Neuland, ich bin noch nie mit Pferden geflogen. Dass am Ende alles funktioniert hat, war ein riesiger Kraftakt.

Dazu kommt natürlich auch die eigene Erwartungshaltung. Wenn man einmal die Chance bekommt, bei einem Weltcup-Finale dabei zu sein, dann möchte man sie auch bestmöglich nutzen. Als der Druck nach dem Ritt abgefallen ist, kamen einfach alle Emotionen auf einmal raus. Es war ein unglaublich schöner Moment. Und ich glaube, nichts ist so besonders wie beim ersten Mal.

3. Als Bereiter auf dem Gestüt Bonhomme arbeitest du täglich mit hochkarätigen Pferden. Wie sehr hat dich dieses Umfeld in deiner Entwicklung geprägt?

Der Wechsel zum Gestüt Bonhomme hat mich enorm geprägt. Plötzlich hatte ich nicht mehr nur drei Pferde wie vorher, sondern elf Pferde pro Tag in meiner Verantwortung. Dieses Vertrauen, das man mir dort entgegenbringt, ist etwas Besonderes – und ich gebe jeden Tag mein Bestes, um diesem Vertrauen gerecht zu werden.

Vor allem die Arbeit mit den Deckhengsten hat mich sehr weitergebracht. Das sind alles große Persönlichkeiten mit ganz eigenen Charakteren. Jeder Hengst braucht seine Zeit, seine Aufmerksamkeit und ein individuelles Management. Man muss präsent sein und wirklich lernen, auf jedes einzelne Pferd einzugehen. Gerade wenn man so viele Pferde gleichzeitig managt, ist es wichtig, die richtige Balance zu finden. Jedes Pferd hat seinen eigenen Weg – und ich musste für jedes erst einmal die passende ‚Bedienungsanleitung‘ finden. Man lernt mit der Zeit auch sehr genau, wo die Stärken liegen, aber eben auch, wann ein Pferd an seine Grenzen kommt. Ich komme selbst aus einem kleinen Stall mit sieben Pferden, zuhause haben wir immer alles selbst gemacht. Deshalb weiß ich genau, wie viel Arbeit hinter allem steckt. Für mich war es anfangs gar nicht so leicht, Verantwortung auch mal abzugeben, wie beispielsweise beim Misten, weil ich schon ein ziemlicher Kontrollfreak bin. Aber genau daran wächst man natürlich auch.

4. Mit Blick auf Balve bleibt offen, ob wir dich in der U25 oder schon bei den Senioren sehen werden. Was würde dir die jeweilige Entscheidung bedeuten – sportlich, aber auch persönlich – und hast du dich bereits entschieden?

Sagen wir mal so: Das letzte Jahr in der U25-Tour war so super. Ich habe bis auf ein Gold alles gewonnen – und fühle mich jetzt bereit für den nächsten Schritt.

5. Dein Reiten wirkt unglaublich harmonisch und fein – fast mühelos. Was steckt hinter dieser Leichtigkeit, und was ist dir in der täglichen Arbeit mit deinen Pferden besonders wichtig?

Erst einmal vielen Dank. Hinter dieser Leichtigkeit steckt vor allem ganz viel Passion und der tägliche Wunsch, mich selbst ständig weiterzuentwickeln. Am Ende ist es immer ein gemeinsamer Entwicklungsprozess mit dem Pferd.

Gerade die erfahrenen Pferde bringen mir selbst jeden Tag noch etwas bei. Mit ihnen geht es oft weniger darum, dem Pferd etwas beizubringen, sondern vielmehr darum, an mir selbst zu arbeiten – an meinem Sitz, an meinen Hilfen und daran, dass alles noch feiner und leichter aussieht. Mir ist dabei besonders wichtig, jeden Tag neu zu gestalten. Ich sehe meine Pferde nicht so, wie ein Lehrer seine Schüler sieht. Ich möchte eher ein ‚cooler Lehrer‘ sein und gemeinsam mit ihnen etwas erarbeiten. Die Pferde sollen wirklich Lust darauf haben, mit mir zu arbeiten. Deshalb versuche ich, keine sturen Routinen entstehen zu lassen. Ich möchte meinen Pferden Abwechslung bieten, damit nicht jeder Tag gleich aussieht. Sie sollen neugierig bleiben und Freude an der Arbeit haben. Mein Ziel ist, dass sie morgens, wenn ich in den Stall komme, schon mit den Hufen scharren und wirklich Bock auf das Training mit mir haben.


Moriz Treffinger Moritz Treffinger (*06. Mai 2003 in Bad Saulgau) stammt aus einer Reiterfamilie und begann bereits im Alter von drei Jahren mit dem Reiten. Der Umgang mit Pferden gehörte bei Moritz von klein auf zum Alltag und war Teil der Familienkultur. Diese frühe Prägung legte den Grundstein für seine weitere sportliche Entwicklung und ermöglichte ihm einen sehr frühen, konsequenten Einstieg in den Dressursport. Seine ersten großen Erfolge feierte er bereits im Pony-Lager, unter anderem mit EM-Mannschaftsgold 2018. Danach wechselte er erfolgreich in den Junioren- und später in den U25-Bereich. Hier wurde er 2025 sowohl doppelter Deutscher Meister (U25-Grand Prix und U25-Grand Prix Kür) sowie U25-Europameister mit der Mannschaft und in der Grand Prix Kür sowie Vize-Europameister im U25 Grand Prix. Seit 2023 ist Moritz Treffinger als Chefbereiter des Gestüt Bonhomme tätig.

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