Die Nerven lagen blank in Wellingtons internationalem Stadion auf den Tribünen: Das große Finale mit dem Rolex Grand Prix, dotiert mit einer Million US-Dollar und fünf Spitzenreiter im Stechen. Nie zuvor seien so viele Besucher/innen an einem Samstagabend auf den Tribünen gewesen, da waren sich die Kommentatoren einig. Und als sei es eine feine Choreographie – oder doch eher die unglaubliche OS-Stute Greya – blieb der Sieg in diesem Jahr in den USA bei Kent Farrington.

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„Es gibt gute Pferde, vielleicht sogar großartige Pferde, und dann gibt es Pferde, die absolute Ausnahmetalente sind, so wie sie meiner Meinung nach. Sie kann alles; sie ist schnell, vorsichtig, sprunggewaltig, gut zu reiten, sie ist ein unglaubliches Pferd.“ (Kent Farrington über Greya)
“Ich wusste, dass alle schnell sind, dass auch das letzte Paar gewinnen kann,” so ein sichtlich aufgekratzter Kent Farrington, “also habe ich versucht, den effektivsten Weg mit Greya zu gehen. Richie als Letzten im Stechen habe ich gesehen und schon gedacht – awww nein – weil er so sagenhaft schnell war.” Für den fixen Mitbewerber aus Deutschland wurde es mit seinem Weltcup-Kandidaten Gangster Montdesir Platz drei hinter Ben Maher, der mit Enjeu de Grisien die erste fehlerfreie Runde in Wellington geliefert hatte und neben dem Sieger auch als Einziger fehlerfrei im Stechen blieb. Für Farrington ist damit ein weiterer großer Triumph in die Erfolgsliste mit Greya hinzu gekommen. Die hatte von ihrem Züchter übrigens den Namen Contina bekommen und war so auch mit Ausbilderin Mylen Kruse aus dem niedersächsischen Zeven in den Sport gestartet, bevor Kent Farrington die Stute erwarb und in Greya umbenannte.

Steven Wilde und Jessica Kürten führten durch den Livestream bei ClipMyHorse.tv, was eine eigene Qualität an Unterhaltung mit sich bringt. Jessica Kürten, seit Kurzem auch Equipe-Chefin der irischen Reiter, analysierte, erklärte, litt mit, hielt gelegentlich den Atem an oder brachte Dinge knapp auf den Punkt. Zum Beispiel, als Irlands Michael Duffy und Querly Z schlicht an einem Steilsprung scheiterten: “Michael sagt: Go und Mr. Querly Z sagt: no”. Neben aller sachlich-fachlichen Aufarbeitung gab es außerdem Beside-Infos, etwa über die Gewohnheit des einstigen kanadischen Idols Ian Millar, alle möglichen Stallungen mit einem kleinen Motorrad anzusteuern, zu coachen und jeden Tag selbst zu reiten. Um dann beim Rolex Grand Prix als Trainer in der Kiss-and-Cry-Corner “mit zu reiten”, was sich in den bekannt komischen Knicksen und Verrenkungen ausdrückt. Oder über Kevin Jochems Stute Camilla van de Helle:“ Sie ist ein wenig delikat und fühlt sich in manchen Situationen nicht wohl.” Das sah auch Jochems so und verzichtete dankend auf die Fortsetzung des Parcours.
