Willem Greve landet ersten Sieg im Großen Preis der VR Classics – Larissa Pauluis gewinnt Weltcup-Kür

Willem Greve war schon oft bei den VR Classics in Neumünster in verschiedenen Touren dabei, jetzt hat der niederländische Kaderreiter zum ersten Mal den Großen Preis in den Holstenhallen gewonnen. Und eine Premiere erlebte auch Larissa Pauluis aus Belgien: Die Championatsreiterin gewann mit ihrem Flambeau erstmals die Weltcup-Kür – vor Europameister Justin Verboomen (BEL).

Insgesamt 40 Reiter-Pferd-Paare stellten sich der Herausforderung in der vierten internationalen Weltranglisten-Springprüfung der VR Classics auf Drei-Sterne-Niveau, die im Modus mit zwei Umläufen entschieden wurde. Zehn Paare qualifizierten sich für die entscheidende zweite Runde — darunter auch der zweifache Neumünster-Sieger Rolf-Göran Bengtsson (SWE) mit dem Holsteiner Caillan sowie Willem Greve mit seiner Comme-il-Faut-Tochter Candy Luck Z. Greves Startposition im zweiten Umlauf sorgte kurz für Hektik: „Ich dachte, wir starten in umgekehrter Reihenfolge zum ersten Umlauf und war ganz entspannt am Schritt reiten. Plötzlich war ich schon als dritter Reiter dran. Da musste ich mich etwas beeilen. Aber ich bin meine Runde wie geplant geritten. Zum Glück hat es gereicht.“ Es „klapperte“ zwar einmal, aber die Stangen blieben liegen und die Uhr stoppte bei starken 34,07 Sekunden. Eine Zeit, die zunächst noch schlagbar schien, am Ende jedoch Bestand hatte. Für den Niederländer war es der erste Sieg nachdem er zuvor bereits einmal Zweiter im Großen Preis war. „Ich bin hier aber auch schon einmal mit Notruf und Erster Hilfe aus dem Parcours getragen worden,“ so Greve, „umso schöner ist es, jetzt hier zu gewinnen.“ Die Stute Candy Luck Z gehört der US-Amerikanerin Alessandra Volpi, die aktuell verletzungsbedingt pausieren muss. Greve hält das hochtalentierte Pferd in dieser Zeit im Sporteinsatz, bevor es in den kommenden Monaten zu seiner Besitzerin zurückkehrt. Während viele Kolleg/innen und Titelträger in Abu Dhabi, Doha, Wellington oder Ocala antraten, hatte Greve bewusst den Weg zum CSI3* gewählt. Er wie auch eine Reihe von Kollegen – u.a. Markus Renzel – sorgten für einen Mix, der die VR Classics nicht zu einer überwiegend norddeutsch besetzten internationalen Veranstaltung machten.
 
Rang zwei ging an den Schweizer Christoph Könemann mit Coredo (v. Carridam), der bei seinem ersten Start in Neumünster direkt aufs Podium ritt. Seit fünf Jahren sitzt er im Sattel des Wallachs, der im Besitz von Tina Pol steht. Der Kolumbianer Marco A. Peixoto Ferreira Filho komplettierte mit Everest V’T Hof V Eversem Z das Podium und feierte damit den bislang größten Erfolg seiner jungen Karriere. „Gestern war mein erstes 1,55-Springen überhaupt. Heute mein zweites — und gleich mein erster Drei-Sterne-Grand-Prix auf diesem Niveau. Ich bin einfach überglücklich über dieses Ergebnis.“ Besonders lobte der 23-Jährige seinen erfahrenen Sportpartner: „Er weiß genau, was er tut. Als ich ihn gekauft habe, musste ich erst lernen ihn zu verstehen und nicht versuchen, ihn meiner Reitweise anzupassen. Als ich das erkannt habe, haben wir richtig zueinander gefunden.“
 Begeisterung löste im Holstenhallen-Oval Romy Rosalie Tietje aus SH aus: Sie blieb mit Cascadino (v. Cartani) ebenfalls doppelt fehlerfrei und belegte mit 38,01 Sekunden Rang vier. Auch Linn Hamann zeigte mit Dumbo (v. Diamant de Semilly) eine souveräne Doppel-Nullrunde und wurde Fünfte. Mit Mathies Rüder und der aus Dithmarschen stammenden Johanna Beckmann landeten weitere Schleswig-Holsteiner in den Top-Ten.

Weltcup mit persönlicher Bestleistung auf Flambeau gewonnen: Larissa Pauluis (BEL). (Foto: Stefan Lafrentz)

Routine vor Jugend – Pauluis und Flambeau mit persönlicher Bestleistung im Weltcup

Larissa Pauluis und der 16-jährige Ampere-Sohn Flambeau lieferten eine ausdrucksstarke, technisch anspruchsvolle Kür ab. Besonders die Piaffe-Passage-Tour überzeugte durch Qualität und Konstanz und war harmonisch und präzise auf die Musik abgestimmt. Die Richter honorierten die Vorstellung mit 84,015 Prozent – eine persönliche Bestleistung für das Paar und nach der FEI Dressage World Cup™ Qualifikation von Mechelen ihr zweiter Erfolg in der Saison 2025/26.
 
„Ich glaube, Flambeau mag dieses Turnier sehr, weil er sich in dieser Arena unglaublich wohl fühlt“, erzählte Pauluis. „Er war während der gesamten Prüfung ganz bei mir. Besonders die Piaffe-Passage-Tour war heute sehr ausdrucksstark. Es war ein großes Vergnügen, ihn zu reiten.“ Der Bewertungsbogen war gespickt mit Neunen und Zehnen, darunter auch eine glatte Zehn für das Halten zu Beginn und am Ende der Prüfung. „Das freut mich sehr – vor allem, weil ich erst seit zwei Monaten wirklich an einem ganz korrekten Halten arbeiten kann. Fünf Jahre hat es gedauert, bis wir diese Bewertung bekommen haben“, gab die Belgierin freudestrahlend zu. Ob sie beim Weltcup-Finale vom 8. bis 12. April in Fort Worth (USA) an den Start gehen wird, ließ sie offen. Ihr Fokus liege zunächst auf den kommenden Championatseinsätzen: „Im Moment ist das Wichtigste das Team. Mein Ziel ist die Nominierung für die Weltmeisterschaften in Aachen und perspektivisch die Olympischen Spiele.“

Grand-Prix-Sieger Justin Verboomen musste sich diesmal mit Rang zwei zufriedengeben. Mit Djembé de Hus OLD präsentierte er eine sehr harmonische, elastische Kür, doch Spannungsmomente in der Schritt-Tour und in der Grußaufstellung kosteten wertvolle Punkte. Am Ende standen 81,985 Prozent für den Damon-Hill-Sohn, der erst zehn Jahre alt ist, auf der Anzeigetafel. Dritter wurde der Portugiese Joao Pedro Moreira mit Drosa Fürst Kennedy OLD. Für das Paar war es nicht nur der erste Start in Neumünster, sondern mit 81,080 Prozent auch eine neue persönliche Bestleistung in einer internationalen Kür. Moritz Treffinger/Great Escape Camelot und Ingrid Klimke sammelten als Fünfter (78,365 Prozent) und Achte (76,250 Prozent) ebenfalls wertvolle Weltcup-Punkte.

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