Belgiens Koen Vereecke hat in den Holstenhallen das Championat von Neumünster gewonnen und sah sich umgeben von Schleswig-Holsteins Jungtalenten: der 24-jährige Hannes Ahlmann aus Reher mit Madness auf Platz zwei, die 19 Jahre alte Tomma Thiesen aus Fehmarn mit Django Riff Dritte. Manchmal kommen noch mehr andere „zum Zug“ – Maurice Tebbel aus Emsbüren gewinnt abends das Weltranglistenspringen und Im Weltcup-Grand Prix legen Vereeckes Landsleute Justin Verboomen und Larissa Pauluis einen Doppelerfolg hin.


„Belgium douze points“ könnte man im Eurovisions-Stil festhalten für den Samstag bei den VR Classics. Der Europameister Dressur und Weltranglistenerste Justin Verboomen und der Oldenburger Djembe de Hus sammelten 76,826 Prozent im Grand Prix ein. Hat durchaus Tradition, denn schon Djembes Vater Damon Hill gewann dreimal in Neumünster, einmal sogar mit der Rekordmarke von mehr als 90 Prozent. Der nun elf Jahre alte Sohn präsentierte sich als exzellent gerittenes und zufrieden unter seinem Reiter die Lektionen absolvierendes Pferd. Wie gut, sicher und auf welch hohem Niveau das Paar auch in der Weltcup-Kür am Sonntag performen können, wird sich zeigen. Die Ränge in der kleinen Holstenhalle sind dann noch dichter gefüllt, die Athmosphäre ist vibrierend und die Stimmung „wogt geradezu“. Hinter Verboomen reihte sich Larissa Pauluis mit ihrem erfahrenen Flambeau mit 74,196 Prozent ein und auf dem dritten Rang folgte der deutsche Kaderreiter Raphael Netz mit Great Escape Camelot (73,587), einer neuen persönlichen Bestleistung.
Genau 16 Paare traten an und 15 dürfen am Sonntag auch in der Weltcup-Kür starten. Ein jähes Ende fand der Auftritt von Juliane Brunkhorst und Fürst Enno. Weil der 12 Jahre alte Wallach deutlich widersetzlich in einer Lektion war und auch widerspenstig blieb, wurde das Paar „abgeklingelt“ wie man das Eingreifen vom Richtertisch aus nennt. Eleminiert bedeutet das und damit nicht für die Kür qualifiziert. Enttäuschend für die Hamburger Dressurausbilderin, die am Freitag mit Diamante Negro noch den nationalen Grand Prix gewonnen hatte.
Springsport in Neumünster: spannend und „norddeutsch“
Für eine kleine Sensation sorgte im Championat zunächst Tomma Thiesen. Mit Django Riff zeigte die Schülerin des Stalls Hinnerk Köhlbrandt als erste Starterin im Stechen eine fehlerfreie Runde und setzte mit 35,72 Sekunden direkt eine Bestmarke im Weltranglistenspringen. Belgiens Koen Vereecke, der mit Quinoa de la Linière bereits auf Fünf-Sterne-Niveau erfolgreich war, erwischte eine noch perfektere Runde in 34,12 Sekunden. Vereeckes nächstes Ziel ist das Weltcup-Turnier in Göteborg, Neumünster liegt praktisch auf dem Wege dahin. Also war der Belgier erstmals in den Holstenhallen dabei: „Ich habe die Runde von Tomma Thiesen gesehen – die war wirklich schnell. Auch die ersten beiden Starter waren zügig unterwegs. Aber als ich dann eingeritten bin, hat einfach alles gepasst. Mein Pferd ist von Natur aus sehr schnell. Sie kam mit siebeneinhalb Jahren zu mir, und wir haben sie Schritt für Schritt bis Grand Prix Niveau aufgebaut. Sie ist inzwischen mehrere Große Preise gegangen, war unter anderem Zweite in einem 1,60 Meter-Grand Prix in Opglabbeek. Im Sommer bin ich sie auch auf der Global Champions Tour in Riesenbeck geritten.“


Hannes Ahlmann, Deutscher Vize-Meister der Generation U25 mit Madness und Zweiter im Championat, war stolz auf seinen Hengst von Kannan: „Madness ist erst neun Jahre alt. Ich habe heute mal versucht, ihn einen Schritt weiter zu bringen. Er hat letztes Jahr einen Mega-Job gemacht, war Vize bei der Deutschen Meisterschaft der U25-Reiter. Aber das hier in der Halle ist noch einmal eine andere Nummer,“ so Ahlmann. Der Fuchshengst – ein Portrait gibt es hier – darf jetzt erstmal Pause machen, im Großen Preis am Sonntag will Ahlmann mit der Holsteiner Stute Tokyo antreten. Tomma Thiesen freute sich riesig über das Pferd, die ganze Familie, die in Neumünster dabei war und das sie überhaupt im Championat mitmischte „Das war das erste Mal für uns beide auf diesem Niveau zu reiten. Ich bin einfach nur begeistert, wie Django Riff gesprungen ist und für mich gekämpft hat. Das ist hier mit der Atmosphäre nicht ganz leicht für ihn, aber er ist so toll bei mir geblieben. Er ist durchaus auch schon schnellere Runden gegangen, deshalb sind wir das Stechen so angegangen, als hätten wir nichts zu verlieren.“ Schon im Vorjahr hatte Thiesen in internationalen Prüfungen im Ausland geglänzt.
Maurice Tebbel, in Tryon mit der deutschen Equipe Bronzemedaillengewinner der Weltmeisterschaften, setzte sich mit dem KWPN-Hengst Kenzo im dritten Weltranglistenspringen der VR Classics am Abend durch vor dem Niederländer Willem Greve mit Cero Blue TN. Greve, der im November das Weltcup-Springen in Stuttgart gewann, kennt die VR Classics gut und war mit vielen Pferde schon dabei, u.a. auch mit Carambole, dem in der Holstenhalle gekörten Holsteiner Hengst, mit dem er 2027 Zweiter im Großen Preis hinter Peder Fredricson (SWE) wurde und Jahre zuvor in der Youngster-Tour des Turniers glänzte. Mario Stevens, in der Holstenhalle bereits unter den Top-Drei im Finale der einstigen Riders Tour-Serie, belegte mit der Oldenburger Stute Carrie den dritten Rang.
